Mittwoch, 13. Juni 2012

Berufung durch Heilige Männer


Apg. 1. 21 ff "Es muß nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, anfangend von der Taufe Johannes' bis zu dem Tage, an welchem er von uns aufgenommen wurde, von diesen muß einer ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden. Und sie stellten zwei dar: Joseph, genannt Barsabas, der Justus zubenamt war, und Matthias. Und sie beteten und sprachen: Du, Herr, Herzenskündiger aller, zeige von diesen beiden den einen an, den du auserwählt hast, um das Los dieses Dienstes und Apostelamtes  zu empfangen, von welchem Judas abgewichen ist, um an seinen eigenen Ort zu gehen. und sie gaben Lose über  sie; und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt." 

Im Aufsatz "Berufung zum Dienst" habe ich die Frage "Sind eigene Wünsche mit der Berufung des Herrn gleichzusetzen?" gestellt. Heute werden mehr die eigenen Wünsche als Berufung durch den Herrn angesehen, als dass man auf die echte Berufung Gottes wartet, weil das natürlich mehr Geduld erfordert, oder mit der modernen Terminologie ausgedrückt: weil damit mehr Zeit verloren geht. Die beste Ausrede hört man durchs Band: "Der Herr hat mir diesen Wunsch ins Herz gegeben."

Jeremia hatte keine Wunsch-Berufung, er wehrte sich, diesen Dienst zu tun und sprach: Nein, Herr, ich kann das nicht! "Herr, Jehova! Siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin (zu)  jung."

Hesekiel erlebte seine Berufung so: "Am Fünften des Monats, das war das fünfte Jahr der Wegführung des Königs Jojakin, geschah das Wort Jehovas ausdrücklich zu Hesekiel, dem Sohne Busis, dem Priester, im Lande der Chaldäer, am Flusse Kebar; und daselbst kam die Hand Jehovas über ihn."



Die allermeisten kleinen und großen Propheten wurden mit einem Gesicht (Offenbarung) berufen. Kein einziger Prophet wurde durch eigenen Wunsch zum Propheten. Sie wurden gedrängt und ihr segensreicher Dienst war immer in großer Abhängigkeit von der Führung des Heiligen Geistes. Das war so bis nach Jesu Himmelfahrt. Dann geschah ein eindrückliches Beispiel, wie eine Berufung stattgefunden hat, welche nicht vom Heiligen Geist kam, obschon das gesamte Umfeld richtig, ja, sogar biblisch war. Es bestand eine Prophetie Davids, dass der zwölfte Apostel  ersetzt werden wird. Petrus und alle Apostel, mit etlichen Frauen, darunter Maria und die Brüder Jesu, insgesamt ein hundertzwanzig Personen, "verharrten einmütig im Gebet".

Petrus nun stand dann auf und hielt eine Rede, wie im Eingangs-Zitat erwähnt und es erfolgte durch das Los die Berufung des Matthias der heiligen Männer, die Apostel.

Dass diese Erwählung aber – wie man heute sagen würde – ein Schuss in den Ofen war, stellte sich nachher deutlich heraus. Von Matthias hört man fürderhin nichts mehr, aber die gottgewollte Ersetzung von Judas dem Verräter durch den Heiligen Geist wurde später mit Saulus von Tarsus vollzogen.

Ein pikantes Detail dieser Petrus'schen Berufung: Es war die letzte Handlung bevor der Heilige Geist ausgegossen wurde!

Und genau das soll uns zum Lehrstück gereichen. Alle – oder mindestens die allermeisten – Berufungen sind menschliche Berufungen und damit reine Wunschgebilde! Man lässt sich nicht Zeit, bis der Heilige Geist von Sich aus aktiv wird, man will ja keine Zeit verlieren. Aber dieses ist auf der einen Seite wieder verständlich, denn in den allermeisten Fällen wäre das Warten auch vergeblich. Warum? Weil der Geist Gottes mit einer Berufung erst dann aufwartet, wenn die "Ausbildung" (beinahe) abgeschlossen ist. Gemeint ist aber nicht die Ausbildung an einer Bibelschule, sondern mit der Ausbildung ist die Her-Ausbildung des Heiligen Geistes in der Seele gemeint. Und das ist erst gegen Ende des Kreuzesweges, also nahe Golgatha der Fall. Schon eines geraumen Wegs muss das Kreuz geschultert worden sein, bis einem der Herr entgegenkommt. Das ist natürlich langwierig und mühevoll und dazu hat heute wohl niemand mehr Zeit – genauso wie es bei den Aposteln auch war.

Alle die 120 haben nachher gesagt, "wir haben dafür mit Inbrunst gebetet". Ja natürlich, aber sie alle haben nicht auf ein klärendes Gesicht (Offenbarung) oder sonst ein untrügliches Zeichen gewartet, sondern haben eine Entscheidung von Gott erzwungen und Ihm lediglich die Auswahl von zwei vorherbestimmten Personen gelassen. Auch haben sie nicht gewartet bis sie mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden. Genau wie heute. Da hilft auch der billige und lapidare Glaube nichts, man "habe ja den Heiligen Geist" durch den Glauben. Welch eine Illusion!

Der Weg Gottes umfasst drei Teilstücke, und diese drei Wegstrecken muss jeder gehen, will er ins Neue Jerusalem eingehen. Zuerst muss man als Weltmensch zur Sündenerkenntnis gelangen und Sündenvergebung erlangen. Diesen Weg sind wir wohl alle gegangen, sonst wäre es auch nicht möglich, diese Aufsätze zu lesen und zu verstehen, weil ohne Zutun des Geistes Gottes beides nicht möglich ist, Sünderkenntnis zu haben und geistliche Literatur zu verstehen.

Zweites  ist die Heiligung angesagt. Dieses Wegstück ist das langwierigste und schwierigste und wohl ist es möglich, aufzugeben und zurückzufallen. Aber die meisten erkennen auch, dass in diesem Entwicklungsprozess man dahin gelangen muss, die Sünde zu überwinden wie den Weltgeist auch. Was einige aber davon abhält, die Welt gänzlich zu überwinden ist die falsche Lehre, dass man zu diesem Zeitpunkt bereits wiedergeboren ist und dass man nach dem irdischen Ableben bereits im Himmelreich, im Neuen Jerusalem Einzug halten darf. Welch eine Illusion!

Wer aber durchhält und die Heiligung und damit die wahre Loslösung aus der Knechtschaft der Sünde mit ganzem Willen und aller Kraft mit Hilfe der Kraft des Heiligen Geistes (ohne die geht es nicht) konsequent und kompromisslos "durchzieht", der kommt früher oder später zum

Dritten Punkt. Das ist dann die wahre Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Dies ist nur einer absolut reinen Seele möglich, welche ihr ganzes Dasein allein der Liebe zu Gott und dem Nächsten verschrieben hat.

Nach dieser Erfüllung (oder auch ganz kurz davor) kann die Berufung zum Dienst stattfinden. Der Heilige Geist muss Gewähr haben, dass die Seele nicht mehr aus sich selbst handelt, nicht mehr ihren eigenen Willen durchsetzt und nicht mehr auf Menschliches und Natürliches setzt, sondern alles und jederzeit allein nur aus der Hand Gottes empfängt. Diese Selbstverleugnung und Demut ist das eigentliche "Marken-"Zeichen der Weinberg-Gottes Arbeiter. Das ist der grosse Unterschied zur eignen Wunsch-Berufung.





Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.