Mittwoch, 9. Mai 2012

Beschwere nicht dein Herz


„Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme wie ein Fallstrick; denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen. So seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.“ (Lukas 21.34ff).

Hier haben wir ein grundlegendes Gebot unseres Himmlischen Vaters, das unser tägliches Leben berührt. Wenn Jesus sagt, wir sollen uns hüten, dann heißt das, dass wir mit Argusaugen aufpassen sollen. Hüten ist eine unterumständen recht mühsame Arbeit. Hütet man Tiere, so muss man jederzeit alle im Auge behalten, denn plötzlich macht sich eines auf und davon. Oder es kommen wilde Tiere und versuchen, ein Einzelgängerle zu schnappen. Hüten heißt mit großer Aufmerksamkeit aufpassen.

Genau das meint Jesus, wenn er uns rät, mit großem Eifer darauf Acht zu haben dass wir unsere Herzen nicht beschweren. Doch was heißt das? Mit dem Herzen spricht Er die Gedankenwelt an. Wir sollen also mit Argusaugen aufpassen, mit welchen Gedanken wir uns beschäftigen.

Die meisten von uns fragen sich jetzt wohl, wenn wir uns mit den Sorgen und Sörgele des Alltags beschäftigen, wie man es im Beruf, im Haushalt und mit Kinder täglich erlebt, soll das Sünde sein? Soll es auch Sünde sein, dass man als Arbeitsloser oder als Hartz IV-Empfänger sich Gedanken und berechtigte Sorgen macht, wie man den Monat übersteht und den Magen vollkriegt?

Ja, es geht wirklich nicht nur ums "Fressen" und "Saufen", also mit der lustvollen Befriedigung der primitivsten Bedürfnisse oder gar ums Schwelgen und Prassen. Jesus geht es auch um die täglichen Sorgen, so wie sie sich bei jedem jeden Tag manifestieren.

Beim zitierten Vers geht es um das Gleichnis vom Feigenbaum und Er sagt dabei, dass dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis das alles geschehen wird. Der Feigenbaum  hat ausgeschlagen (1948 Gründung des Staates Israel) und ein Geschlecht dauert ja bekanntlich 70 bis 80 Jahre. Das bedeutet, dass der erwähnte Vers genau auf diese heutige Zeit ausgerichtet ist und wir sozusagen persönlich angesprochen werden!

Jesus wusste aber auch, dass gerade in der jetzigen Zeit die Alltagssorgen ein ungeahnter Hemmschuh für das Glaubensleben sein wird. Hatte Er recht  mit dieser Annahme? Ich denke: und ob! Jesus spricht ja nicht die Weltmenschen an, sondern diejenige, welche ihm nachfolgten. Er sprach zu ihnen: "Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten" (Vers 12) Und genau diese Nachfolger ermahnt Er nun, dass sie sich nicht in Alltagssorgen verstricken sollen. Trotz Beruf. Trotz Familie. Trotz den vielen verschiedenen Unwägbarkeiten.

Wir sehen, Jesus geht es um mehr. Es geht Ihm um alles oder nichts. Wer die Familie mehr liebt als Ihn, der ist "Meiner nicht wert".

Jetzt, in der heutigen Zeit, wo wir konkret damit rechnen müssen oder besser: dürfen, dass Jesus vor der Türe steht, sollten wir alles auf eine Karte setzen. Heute ist der Tag, wo wir erleben dürfen, dass unsere kleinen und großen Sorgen dem Geiste Gottes in uns hinderlich sind. Solange wir uns echt Sorgen um dies und jenes machen, ist es dem Geiste Gottes absolut unmöglich, zu wirken. Dies erfordert ein rigoroses Umdenken.

Dieses Umdenken erschöpft sich aber nicht mit dem Fallenlassenlassen von Sorgen, sondern es umfasst vieles mehr. Damit der Geist Gottes für unser Alltagsleben sorgen kann, müssen wir vom "Glauben ohne Werke", wie es leider unermüdlich landauf und landab gepredigt wird, zum "Glauben mit Werke" umkehren.  Was heißt das?

Es heißt zu allererst, dass wir die Sündenvergebung Jesu für uns durch unsere eigene Werke gültig machen. Diese Werke bedeutet, dass wir allen unseren Schuldigern unsererseits von Herzen alles vergeben, was sie uns gegenüber getan haben. Oft ist dies nicht leicht, aber mit der Göttlichen Kraft ist es zu schaffen. Erst, wenn wir allen vergeben haben, haben auch wir Vergebung unserer Sünden durch das Kreuz!

Als zweites muss es unserer unbeirrbares Bestreben sein, der Sünde abzusagen und damit die Welt zu überwinden. Es nützt auch hier nichts, einfach zu glauben, dass wir der Knechtschaft der Sünde abgestorben sind, wenn wir weiterhin noch den hartnäckigen Begierden gehorchen. Wir müssen in Tat und Wahrheit der leidigen Knechtschaft der Begierden abgestorben sein und nicht mehr sündigen (wollen). Das hat nichts mit lapidarem und billigem, nichtssagendem Glauben zu tun, sondern damit, dass wir selbst Hand anlegen und der Sünde bewusst entfliehen!

Drittens heißt es, das uns übertragene Kreuz (z.B. Hartz IV, Krankheit) dankbar und ohne zu murren anzunehmen. In anderen Aufsätzen habe ich schon ausführlich über das  Thema des Kreuzes gesprochen.

Haben wir diese drei grundlegenden Punkte des Evangeliums begriffen und sind dabei, dies in die Tat umzusetzen, so dürfen wir damit rechnen, dass der Geist Gottes, also das Samenkorn nach Luk. 12. 19, die notwendigen Bedingungen vorfindet und damit wachsen und gedeihen kann. Hier beginnt und gedeiht das eigentliche Glaubensleben!

Erst auf dieser Stufe der Nachfolge Jesu macht es Sinn, den Sorgen zu entsagen. Vorher ist man kaum in der Lage, den Glauben zu finden, dass Gott wirklich für uns sorgt. Bevor diese drei niedersten und primitivsten Bedingungen nicht erfüllt sind, kann gar kein Glaubensleben stattfinden, und unser Vers, dass wir uns hüten sollen, die Herzen nicht mit den täglichen Sorgen zu beschweren" ist gar nicht durchführbar!

Deshalb: Nehmen wir die Hände aus dem Sack und packen wir's an! Unsere eigenen Werke sind gefragt, wie eben beschrieben. Es dauert nicht lange, bis wir in Tat und Wahrheit, also in der Realität, erleben dürfen, dass die "dienstbaren Geister" tätig werden, die "ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen" (Hebr. 1. 14).





Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.