Mittwoch, 16. Juli 2014

Überwindest Du ... Teil 4

.. oder wirst Du überwunden?

Es folgt nun der vierte Teil des Gastbeitrages von Hans Hauser. 


Die Befreiung

Dieses Studium zeigte deutlich, dass das, was wir tun, nicht von einem starken oder schwachen Willen abhängt, sondern von dem, was wir sind. Solange wir das Gesetz der Sünde und des Todes in uns haben, herrscht eine böse Macht in unserem Leib, die unser Fleisch und Blut nach ihrem eigenen Willen als Werkzeug benutzt, ohne auf die Erkenntnisse, die Wünsche und das Gewissen unseres Verstandes Rücksicht zu nehmen.

Um von dieser Macht befreit zu werden, muss sie direkt aus dem Menschen herausgenommen, von ihm entfernt und durch ein neues Leben ersetzt werden. Es gibt keinen anderen Weg, um die Wiedergeburt zu erfahren. Nur so kann jemand aus der Knechtschaft von Römer 7 in die Freiheit von Römer 8 gelangen.



Während es äußerst wichtig ist, das Problem und das Bedürfnis zu verstehen, um die Befreiung zu erfahren, bleibt doch zusätzlich die Frage zu klären, wie diese Befreiung aus der Knechtschaft praktisch vor sich geht.
Das Evangelium ist die Lösung. Es ist die Kraft Gottes zur Errettung von Sünde.

Die Frage könnte gestellt werden: Wenn das Evangelium die Kraft Gottes ist und gegeben wurde, um die ersehnte Befreiung zu bewirken, warum bin ich dann noch nicht von der Sünde errettet? Die Antwort ist ganz einfach: weil das Evangelium nicht für jeden Menschen die Macht Gottes zur Befreiung ist. Wenn man Römer 1,16 aufmerksam liest, wird man dies sehen. Paulus sagte nicht: Ich schäme mich des Evangeliums Christi nicht, denn es ist die Kraft Gottes zur Rettung für jeden. Obwohl Paulus genau diese Worte in derselben Reihenfolge benutzte, sprach er aber doch noch weiter, und wir würden seine Aussage falsch verstehen, wenn wir an dieser Stelle aufhören würden zu lesen. Er sagte: »Es ist Gottes Kraft zur Rettung für je-den, der glaubt. « Das ist der wesentliche Unterschied. Für den, der nicht glaubt, mag das Evangelium eine Sammlung vieler schöner Worte sein, doch für den, der glaubt, ist es die Kraft Gottes zur Rettung von Sünde.

Der Apostel Johannes wiederholte dieselbe Wahrheit in den folgenden Worten: »Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. « 1.Johannes 5,4.

Würde man heute jemanden, der sich als Kind Gottes bekennt, fragen, ob er Glauben hat, so würden die meisten sicherlich prompt und überzeugt mit Ja antworten. In begrenztem Sinn ist ihre Antwort auch richtig, denn normalerweise glauben sie, dass die Bibel das Wort Gottes ist und dass Gott das höchste Wesen ist. Sie glauben, dass die Sünde ihre Strafe nach sich zieht und dass in Jesus Christus allein Erlösung gefunden werden kann.

Doch man kann all diese Dinge glauben, ohne den Glauben zu besitzen, der das Evangelium als die lebendige Kraft des lebendigen Gottes ergreift, die einen von der Sünde befreit. Es ist jedenfalls sicher, dass jeder, der noch in der Erfahrung von Römer 7 steht, nicht den Glauben hat, der die Welt überwindet, denn das ist der Sieg. Es heißt nicht einfach, dass der Glaube den Sieg bringt — er ist der Sieg. Wenn du also den Glauben hast, von dem Paulus im Römerbrief und Johannes in seinem ersten Brief spricht, dann bist du mit Sicherheit nicht mehr in dem Zustand von Römer 7, sondern in der Freiheit von Römer 8.

Von diesem Glauben sprach Christus, als er sagte: »Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden? « Lukas 18,8.

Ein Glaube dieser Art, der Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde bringt, ist in der heutigen Welt nicht verbreitet. Jesus wusste, dass das so sein würde, und stellte deshalb diese Frage, mit der er zum Ausdruck brachte, dass er nicht erwartete, bei seiner Wiederkunft viel von diesem Glauben vorzufinden.
Ohne diesen Glauben ist der Sieg jedoch unmöglich. Deshalb muss sehr deutlich gemacht werden, wie man diesen Glauben übt. Zu diesem Zweck wollen wir uns der Geschichte von dem königlichen Beamten zuwenden, der von Kapernaum zu Jesus kam und ihn um die Heilung seines Sohnes bat.

»Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging zu ihm hin und bat ihn, herabzu-kommen und seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam. « Johannes 4,46-54.

Dieser Mann wünschte nichts sehnlicher als die physische Heilung seines Sohnes, der so krank war, dass man seinen Tod bereits in den nächsten Stunden erwartete. Offensichtlich hatten die irdischen Ärzte den Jungen aufgegeben, nachdem sie alles getan hatten, was in ihrer Macht stand, um ihn zu retten.

Diese Geschichte bezieht sich zwar auf die Ausübung des Glaubens bei einer körperlichen Heilung, doch gleichzeitig enthält sie für uns wertvolle Lehren, die auf unsere Heilung von der geistlichen Krankheit übertragbar sind. Tatsächlich bestand der eigentliche Zweck von Christi Krankenheilungen darin, seine Macht zur Rettung von Sünde zu offenbaren und den Weg zu veranschaulichen, auf dem man Befreiung von geistlichen Krankheiten erlangt. Solange man in Christus nur den sieht, der Macht hatte, Menschen von Aussatz, Lähmung und Ähnlichem zu befreien, geht man an der tatsächlichen Botschaft seines Heilungsdienstes vorbei. In der Bibel ist Krankheit ein Symbol für Sünde. Siehe Jesaja 1,4-6. Tatsächlich ist sie sogar ein sehr geeignetes und treffendes Symbol dafür.

Vergleichen wir einmal das, was wir über das Sünden Problem gelernt haben, mit dem Problem der Krankheit. Der Kranke hat einen Verstand und einen Leib, der als Werkzeug dient. Mit seinem Verstand möchte er bestimmte Dinge tun; doch die Krankheit ist eine Macht in ihm, die das Kommando über sein Fleisch übernommen hat, sodass er das, was er möchte, nicht tun kann. Erst wenn die Krankheit aus seinem Körper ausgerottet ist, kann er darauf hoffen, wieder das zu tun, was er tun möchte. Könnten die drei Bereiche des Sünden Problems in einem vollkommeneren Bild dargestellt werden? Es gibt kaum eine bessere Veranschaulichung.

Als der königliche Beamte von Kapernaum nach Kana reiste, um bei Christus Hilfe zu finden, suchte er also die Lösung für ein Problem, das dem Sündenproblem gleich ist. Was er benötigte, war die Beseitigung der herrschenden Krankheit aus dem Körper seines Sohnes, so wie wir die Beseitigung des Sündenherrn aus unserem Körper brauchen.

Zweifellos kam er zu der einzigen Person, die ihm helfen konnte, nämlich zu Jesus. Außerdem bat er um das, was der Herr ihm gerne geben wollte. In anderen Worten, er kam mit der richtigen Bitte zur richtigen Person. Trotzdem lehnte Jesus es ab, seiner Bitte nachzukommen. Er tat dies nicht, weil er nicht wollte oder weil der Mann nicht in der Gunst Gottes stand; vielmehr wurde es ihm durch die Art und Weise, wie der Bittsteller zu ihm kam, unmöglich gemacht, dessen Sohn zuheilen.

Wie oft haben wir auf unseren Knien um Vergebung für eine Sünde gebeten und den Herrn angefleht, uns den Sieg über die Versuchung zu geben! Doch die Sünde blieb in uns, so als hätten wir nie gebetet. Verwirrt standen wir vor einem Rätsel und konnten nicht verstehen, warum der Herr unser Gebet nicht erhört hatte. Wir verstanden nicht, dass wir zwar um das gebeten hatten, was der Herr uns gerne geben wollte, dass wir aber nicht in wahrem Glauben gebetet hatten. Auch dieser Mann hätte bei seiner Rückkehr nach Kapernaum seinen Sohn tot vorgefunden, wenn er nicht erkannt hätte, dass er in einer falschen Art und Weise zu Christus gekommen war, und wenn er diesen Weg nicht so geändert hätte, dass er der wahren Wissenschaft des Gebets entsprach. Als er dann im Glauben zu Christus kam, wurde sein Gebet erhört.

Jesus ließ diesen Mann über seinen Glaubens Mangel nicht in Unwissenheit. Traurig sagte er zu ihm: »Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. « Johannes 4,48. Mit dem Wort »so glaubt ihr nicht« sagte er dem Mann unmissverständlich: »Du glaubst nicht. Du bist noch ein Ungläubiger. «

Dabei darf man nicht übersehen, dass dieser Mann sich seines großen Bedürfnisses bewusst war, genauso, wie du dir deines Bedürfnisses bewusst bist. Er wusste, dass keine irdische Macht seinen Sohn heilen konnte. Auch du weißt, dass dich keine irdische Macht von der Sünde befreien kann. Er kam mit seiner Bitte zu Christus. Genauso bist auch du mit der Bitte zu Christus gekommen, von deinen Sünden gerettet zu werden. Dieser Mann betete zu Christus; denn wenn man eine Bitte an Christus richtet, so ist das ein Gebet. Ebenso hast auch du viele Male zu Christus gebetet.

Doch Christus erklärte ihm unmissverständlich, dass er trotz alledem ein Ungläubiger war. Unter diesen Umständen konnte der Heiland nichts für ihn tun. Das heißt, wenn du dich nach allem, was du getan hast, um den Sieg über deine Sünden zu bekommen, immer noch in der Erfahrung von Römer 7 befindest, dann bist auch du immer noch ein Ungläubiger. Und wenn du ungläubig bist, dann musst du den Weg des Glaubens verstehen lernen. Du brauchst den Glauben, der durch die Liebe tätig ist und die Seele reinigt.
Wie war dieser Mann zu Jesus gekommen? Das können wir aus Christi Antwort ersehen: »Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. « Das heißt, er war an Christus herangetreten und hatte ihm seine Bitte vorgetragen. Danach wartete er ab, um zu sehen, ob Christus sie erfüllen könnte. Wenn Christus dies tun könnte und tun würde, dann wollte der Mann an ihn glauben.

Doch das ist nicht der Weg eines rettenden Glaubens und kann niemals dieser Weg sein. Würden wir einmal ganz aufrichtig die Art und Weise untersuchen, wie wir uns Gott im Gebet genähert haben, dann würden wir sehen, dass wir in der gleichen Weise zu ihm gekommen sind, wie der königliche Beamte zu Jesus kam. Wir sind vor den Herrn getreten und haben ihn gebeten, uns zu segnen. Dann sind wir wieder weggegangen und haben darauf gewartet, den Segen zu sehen; vorher wollten wir nicht glauben, dass wir die verheißene Gabe hatten. Es ist nicht einmal Zuviel gesagt, wenn wir feststellen, dass wir sogar überrascht gewesen wären, wenn der Herr uns tatsächlich den Segen gegeben hätte, um den wir gebeten hatten.

Für den königlichen Beamten war die Stunde der Wahrheit gekommen, so wie sie auch für jeden von uns kommen muss, wenn wir den Glauben erfahren wollen, der von Sünde errettet. Im Augenblick des göttlichen Tadels nimmt der Geist Gottes, dessen Aufgabe es ist, uns der Sünde zu überführen, die Worte des Heilands und bringt sie unserem Gewissen so nahe, dass sie uns unsere Charaktermängel offenbaren. Deshalb waren Christi Worte auch in diesem Fall völlig ausreichend; unter dem Dienst des Geistes Gottes offenbarten sie dem Bittsteller den Unglauben, von dem sein Herz geplagt wurde.
Als der Mann begriff, was der Heiland ihm zeigen wollte, nahm er den Tadel offensichtlich an. Er ergriff die Macht, die er im Leben Christi offenbart sah, denn auf seine nächste Bitte gab ihm der Heiland eine ganz andere Antwort als auf sein erstes Gebet.

Der Mann bat Jesus nun inständig: »Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! « Dieses Gebet war anders. Es mag nicht möglich sein, den Unterschied in den Worten selbst zu erkennen, doch Gottes Antwort auf die Bitte zeigt uns, dass ein Unterschied besteht. Die erste Bitte veranlasste Christus nur zu einem traurigen Tadel, die zweite aber führte zur Befreiung. Worin bestand der Unterschied? Er bestand darin, dass der Mann jetzt glaubte. Das wissen wir aus den Worten der Bibel, denn in Vers 50 steht: »Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. «

Kana war nicht weit von Kapernaum entfernt, höchstens 25 Kilometer. Das Gespräch zwischen Christus und dem Vater hatte um die siebte Stunde stattgefunden, das bedeutet etwa um ein Uhr mittags. Der Vater hätte also leicht noch am selben Tag nach Hause gehen können. Doch er tat es nicht. Gewiss hätte er es getan, hätte er sich persönlich davon überzeugen wollen, dass sein Sohn wirklich geheilt war — aber das war nicht nötig.
Er wusste, dass der Junge geheilt war. Kurz bevor er am nächsten Tag zu Hause ankam, begegneten ihm seine Knechte. Ihr Bericht war nur eine Bestätigung dessen, was ihm durch seinen Glauben schon zur Gewissheit geworden war. Sicherlich wunderten sie sich, dass ihre Mitteilung ihn gar nicht überraschte.

Als Nächstes sollte man die beiden Annäherungsarten miteinander vergleichen. Es ist der Vergleich zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen. Bei seiner zweiten Annäherung an Christus gewinnt der Mann eine Ahnung von der Macht, die in Jesus als dem Sohn Gottes wohnt. Sein Glaube ergreift diese Macht, in der er die vollkommene Antwort auf sein Bedürfnis erkennt. Dann bittet er um die Gabe, ergreift sie im Glauben und weiß, dass sie ihm gehört. In der Gewissheit, dass er diesen Segen, den er bereits besitzt, dann sehen wird, wenn er ihn am meisten benötigt, geht er seines Weges. Hier offenbart sich die Formel für einen erfolgreichen Glaubensweg. Zuerst müssen wir das Problem, dem wir gegenüberstehen, gut kennen. Wie oft sind wir in der Vergangenheit zu Gott gekommen und haben ihn um Vergebung für das gebeten, was wir getan haben, ohne das eigentliche Problem zu erkennen und ohne, darum zu bitten, dass das Gesetz der Sünde aus unseren Gliedern entfernt wird! Wir haben nur sehr unzureichend verstanden, womit wir es bei der Sünde zu tun haben, und diesem Mangel muss abgeholfen werden, bevor wir intelligent und erfolgreich beten können.

Zweitens müssen wir die Verheißungen Gottes in einer Weise kennen, dass sie für uns mehr als nur Schrift Worte sind, nämlich die Kraft Gottes selbst. Um dies zu erreichen, müssen wir sie lesen und studieren, bis sie unser Denken so weit erfüllen, dass sie ein Teil von uns geworden sind.
Doch wie oft habe ich vor ganzen Gruppen bekennender Christen gestanden, und auf meine Bitte, mir einige der großen biblischen Verheißungen für den persönlichen Sieg über die Sünde zu nennen, konnte niemand etwas sagen! Doch jeder, der einen persönlichen Sieg über das Sündenproblem erlangen und behalten will, muss sich diese Verheißungen zu eigen gemacht haben, das heißt, sie müssen ein lebendiger Teil von ihm selbst geworden sein. Sie müssen zu jeder Zeit greifbar sein, sodass man sie sofort parat hat, um jedem feindlichen Angriff zu wehren, und jedem Zweifel entgegenzuwirken, der an Gottes Kraft zur Rettung von Sünde aufkommen könnte.

Wir wollen jetzt nicht versuchen, so etwas wie eine umfassende Liste von allen großen Verheißungen der Bibel zu erstellen; denn sie sind nicht nur machtvoll und wirksam, um von dem Gesetz der Sünde und des Todes zu retten, sie sind auch ebenso zahlreich. Jeder sollte diese Verheißungen selbst herausfinden und sich damit einen Vorrat an Kraftquellen sammeln. Um den Anfang zu erleichtern, wollen wir an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl anbieten.

»Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch. « Römer 6,14. Lies diese Worte, bis du sie als eine persönliche Verheißung verstehst, mit der Gott dir sagt, dass die Sünde nicht über dich herrschen soll. »Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt. « 1. Korinther 10,13. So wie Eltern niemals zulassen werden, dass ihr Kind in Gefahren kommt, denen es noch nicht gewachsen ist, wird auch der Herr keine Versuchung zulassen, die zu groß für dich ist. Für jede Versuchung, die dich treffen kann, hat er schon einen Weg der Befreiung vorgesehen, sodass es keine Entschuldigung für irgendeine Sünde gibt. Wir vermögen alles durch den, der uns mächtig macht, Christus. Siehe Philipper 4,13.

Mit Verheißungen dieser Art könnten wir beliebig fortfahren, aber es ist besser, wenn sich jeder selbst bemüht, sie herauszusuchen. Deshalb sollen hier nur noch ein paar Schriftstellen angegeben werden: Matthäus 1,21; Johannes 8,36; 1. Korinther 15,34.57; 2. Korinther 2,14; Galater 3,14-21; Philipper 1,6; l Thessalonicher 4,3; 5,23.24; /. Petrus 1,5; 2. Petrus 1,4 und Judas 24. Im Alten Testament finden wir die Macht zur Befreiung besonders treffend in Psalm 23 und 46 beschrieben. Kraftvolle Verheißungen, die man in sich aufnehmen sollte, sind auch Hesekiel 11,19.20 und 36,26.

Das große Ziel, das durch die Kenntnis der Verheißungen erreicht werden soll, ist die Entwicklung eines Glaubens, der die Reinigung der Seele bewirkt. In dem Maß, in dem die Verheißungen gelesen, studiert und zum persönlichen Eigentum gemacht werden, bauen sie in dir den Glauben auf, dass solch eine Erfahrung möglich ist, bis du schließlich an den Punkt gelangst, wo du die Macht ergreifst und die Befreiung erfährst, die allein durch diese Macht bewirkt werden kann. Glauben haben wir weder von Natur aus, noch können wir ihn aus eigener Kraft hervorbringen. Das ist einfach unmöglich. »So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. « Römer 10,17.

Wenn der Punkt erreicht ist, wo der lebendige Glaube die Verheißungen Gottes ergreift und sein Vertrauen in sie setzt, ist die Zeit für den dritten Schritt gekommen. Du musst zu Christus kommen und um den Segen bitten. Sprich jedoch nicht wieder dein altes Gebet, das noch nie Erfolg gebracht hat und das etwa folgendermaßen lautete: »Herr, ich habe gesündigt. Bitte vergib mir diese Sünde, und hilf mir, sie nicht wieder zu begehen. «

Auf diesem Weg hast du bisher keinen Sieg erlangt und wirst ihn auch in der Zukunft nicht erlangen. Es muss eine Veränderung stattfinden, genauso wie bei dem königlichen Beamten, der seine Annäherung an Jesus ändern müsste. Dein Gebet kann jetzt etwa so lauten: »Herr, ich erkenne nun, dass die böse Natur in mir das eigentliche Problem ist. Die Macht der Sünde, das Gesetz der Sünde und des Todes, der todverfallene Leib, die fleischliche Gesinnung, das steinerne Herz — das ist es, was mir Schwierigkeiten bereitet. Solange diese Natur in mir ist, bin ich ein fauler Baum und kann nur faule Frucht bringen, denn mein Leib steht unter der Herrschaft dieser Macht.

Herr, du hast versprochen, das steinerne Herz wegzunehmen und mir ein vollkommen neues Herz zu geben. Ich glaube ohne Vorbehalt, dass du es tun wirst, und deshalb gebe ich dir dieses alte Herz jetzt. Nimm es aus mir heraus. Ich möchte es nicht. Dann setze bitte ein völlig neues Herz an die leere Stelle. Mache mich zu einem Teilhaber deiner göttlichen Natur. Ich empfange diesen Segen im Glauben — und deshalb in Wirklichkeit —, und ich danke dir dafür. In dem errettenden Namen Jesu, Amen.«

Wenn dir lebendiger Glaube zu eigen geworden ist, dann wirst du nicht darauf warten, dass der Segen sichtbar wird, bevor du weißt, dass du ihn hast. Vielmehr wirst du sofort wissen, dass du befreit worden bist, dass die Sünde nicht mehr über dich herrscht und dass du endlich ein wahres Gotteskind geworden bist. Widerstehe auf jeden Fall der Neigung der menschlichen Natur, erst die Ergebnisse sehen und dann glauben zu wollen. Warte nicht darauf, den Wandel in dir zu fühlen. Glaube, dass die Umwandlung stattgefunden hat, weil das Wort Gottes es sagt; dann wirst du bald feststellen, dass es so ist.
Der königliche Beamte wollte seinen Sohn nicht erst lebend und wohlbehalten sehen, bevor er glaubte, dass sein Kind vollkommen geheilt war. Er brauchte es nicht zu sehen, denn er hatte das Wort Gottes, das ihn durch Christus erreicht hatte und das ihm die Erfüllung seiner Hoffnung zusicherte — und das genügte. Der Glaube ruht auf dem Wort Gottes und nicht auf sichtbaren Beweisen oder Gefühlen, die sich innerhalb eines Augen-blicks ändern können. Wenn du also Gewissheit über dein Verhältnis zu Gott haben willst, dann befrage nicht dein Gefühl, sondern geh zu dem Wort Gottes, und dort wirst du die Antwort finden.

Schluss folgt