Mittwoch, 9. Juli 2014

Überwindest Du ... Teil 3

.. oder wirst Du überwunden?

Es folgt nun der dritte Teil des Gastbeitrages von Hans Hauser. 

Die Lösung

Nachdem nun das eigentliche Problem herausgestellt ist, muss die Frage nach einer zufriedenstellenden Lösung geklärt werden.

Von Anfang an muss betont werden, dass es keinen Sinn hat, wenn man die fleischliche Gesinnung zwingen will, sich dem Gesetz Gottes zu unterwerfen. Wer das versucht, versucht Unmögliches. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, was Jesus in dem Gleichnis vom Dornbusch gesagt hat, um zu wissen, dass es auch mit noch so harten Zwangsmaßnahmen niemals gelingen wird, aus einem bösen Herzen gute Früchte hervorzubringen. Man stelle sich den Dornbusch vor: Er steht von Natur aus in Feindschaft zu dem Gesetz, auf dessen Grundlage Äpfel erzeugt werden. Wer einen Dornbusch im Garten hat, weiß, dass man sich bei der Bodenbearbeitung, Bewässerung, Düngung, beim Beschneiden und Pflegen der Pflanze noch so viel Mühe geben kann, man wird doch keinen einzigen Apfel von diesem Busch ernten. Jeder Gärtner weiß, dass das nicht geht.



Wer Sieg über Sünde sucht, sollte genauso sicher wissen, dass die fleischliche Gesinnung nicht dazu gebracht werden kann, die Früchte des Geistes zu tragen; Anstrengungen in noch so großem Ausmaß, intensives Bibel Studium, Gottesdienstbesuche, missionarische Aktivitäten, ernste Gebete, großzügige Spenden — alles ist unnütz, wenn es darum geht, dieses Ergebnis zu bewirken.

Dieser Weg führt nicht zum Ziel, denn »die Gesinnung des Fleisches ... ist dem Gesetz Gottes nicht Untertan, denn sie vermag es auch nicht«. Diese Aussage ist genau-so wahr wie die Tatsache, dass ein Dornbusch keine Äpfel tragen kann; er ist dem Gesetz, das zur Apfelerzeugung dient, nicht Untertan, denn er vermag es auch nicht.

Jeder Mensch, der mit der Gesinnung des Fleisches versucht, das Gesetz Gottes zu halten, und die aktiven Früchte des Geistes hervorzubringen, versucht also Un-mögliches. Erst wenn das Problem der fleischlichen Gesinnung gelöst ist, das heißt, dass ihre Macht gebrochen sein muss, kann der Mensch beginnen, das Gesetz Gottes zu halten. Die Axt muss dem Baum an die Wurzel gelegt werden, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Viele religiöse Menschen heute meinen, dieses Problem könne durch die Aufhebung des Gesetzes gelöst werden. Doch es bedarf nur einer kurzen Überlegung, um zu wissen, dass sie sich hierin irren. Zur Veranschaulichung stelle man sich einen unwissenden Menschen vor, der glaubte, er könne mit der unerträglichen Hitze des Tages fertig werden, indem er das Thermometer zerschlug. Doch als er das getan hatte, änderte sich weder etwas an der Hitze, noch wurde das Problem leichter. Das Problem der unverminderten, unerträglichen Hitze war immer noch da. Der Mann hatte lediglich das Instrument verloren, an dem er genau messen konnte, wie heiß es tatsächlich war.

Genauso ist es mit dem Gesetz. Wenn es aufgehoben wird, ändert sich nichts an der Sünde. Sie ist nach wie vor da. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Mensch nun keinen Maßstab mehr hat, an dem er genau feststellen kann, was Sünde ist.

Diese Tatsache wird uns an dem Gleichnis der Ehe im ersten Teil von Römer 7 sehr deutlich veranschaulicht. Dieses Gleichnis zeigt ganz klar, dass keine Notwendigkeit für die Veränderung des Gesetzes besteht. Das Gesetz ist vollkommen und bedarf keiner Veränderung. Die Veränderung muss im Menschen stattfinden, denn da liegt das Problem.

»Wisst ihr nicht, liebe Brüder — denn ich rede mit denen, die das Gesetz kennen —, dass das Gesetz nur herrscht über den Menschen, solange er lebt? Denn eine Frau ist an ihren Mann gebunden durch das Gesetz, solange der Mann lebt; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie frei von dem Gesetz, das sie an den Mann bindet. Wenn sie nun bei einem ändern Mann ist, solange ihr Mann lebt, wird sie eine Ehebrecherin genannt; wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, so dass sie nicht eine Ehebrecherin ist, wenn sie einen ändern Mann nimmt.« Römer 7,1-3.

Die hier beschriebene Situation ist allen bekannt, denn alle verstehen das Ehegesetz. Solange die Frau gesetzlich mit einem Mann verheiratet ist, wird jeder Versuch, mit einem anderen Mann ein Eheverhältnis einzugehen, vom Gesetz als Ehebruch verurteilt. Stirbt aber ihr Mann, so wird die Eheschließung mit einem anderen Mann, die zuvor als Ehebruch verdammt wurde, nun von demselben Gesetz gerechtfertigt. Eine Verän-derung hat stattgefunden, doch nicht im Gesetz. Das Leben der Frau hat sich geändert. Sie ist jetzt nicht mehr verheiratet, sondern steht wieder allein.

Genauso verhält es sich im geistlichen Bereich. Tatsächlich geht es Paulus hier gar nicht um eine Erläuterung der Ehefrage, sondern er benutzt vielmehr die Ehe Gesetze als eine Veranschaulichung für die geistliche Ehe des Menschen mit Christus. »Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet durch den Leib Christi, sodass ihr einem Andern angehört, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist, damit wir Gott Frucht bringen.« Römer 7,4.

Während dieser Vers deutlich von einer Veränderung spricht, die stattfinden muss, weist er nicht im geringsten auf eine Veränderung des Gesetzes hin. Die Veränderung muss im Menschen vor sich gehen. Der Mensch muss sterben, um einem anderen Ehepartner angehören zu können, nämlich Christus, der von den Toten auferweckt ist.

Der ganze Zweck des Werkes Jesu Christi besteht darin, Menschen von Sünde zu erretten, wie auch über ihn geschrieben steht: »Dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. « Matthäus 1,21.

Von Sünde errettet zu werden bedeutet, von Gesetzesübertretung errettet zu werden, denn »die Sünde ist Gesetzesübertretung«. 1.Johannes 3,4 (Schlachter-Übersetzung). Gesetzesübertretung ist Ungehorsam. Von Gesetzesübertretung errettet zu werden bedeutet deshalb, zum Gehorsam befreit zu werden.
Wir sehen also deutlich, dass die Lösung des Sünden Problems weder in unserer eigenen Willens Anstrengung liegt, ganz gleich, wie groß sie ist, noch in der Aufhebung des Gesetzes.

Nachdem das klar ist, wenden wir uns der eigentlichen Lösung zu. Sie besteht darin, dass die alte Natur ausgerottet und durch eine völlig neue ersetzt wird. Keine Wahrheit wird in der Heiligen Schrift deutlicher gelehrt als diese. Man beachte, wie eindeutig der folgende Vers diesen Gedanken zum Ausdruck bringt!
»Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sol-len mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. « Hesekiel 11,19.20.

In unmissverständlicher Sprache erklärt der Herr, dass er das alte, sündige, steinerne Herz aus ihrem Leib wegnehmen und ihnen stattdessen ein neues Herz geben will. Er sagt nicht, dass er ein neues Herz zu dem alten dazugeben will. Das ist nicht die Botschaft dieses Verses. Vielmehr wird darin gesagt, dass das alte Herz aus dem Leib weggenommen wird und ein neuer Geist und ein neues Herz die Stelle des alten einnehmen werden.

All das hat seinen Zweck. Es geschieht, um ganz bestimmte Ergebnisse zu erzielen, nämlich »damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Als wir Römer l betrachteten, sahen wir deutlich, warum ein Mensch, der zum Dienst für Gott bereit ist, doch nicht tun kann, was er tun will: Der Grund liegt darin, dass die fleischliche Gesinnung immer noch in ihm wohnt und wie ein Sklavenherr über ihn herrscht. Wir haben betont, dass das eigentliche Problem des Menschen in der Existenz dieser Macht liegt. Wie wir jetzt sehen, kennt der Herr das Problem, und er weiß, dass die einzige Lösung darin besteht, den Übeltäter zu entfernen und an seine Stelle ein ganz neues Herz zu setzen.
Dieselbe Antwort gibt uns Christus in seinem Gleichnis vom Dornbusch. Dieser Busch ist ein kräftiges, grünes Gewächs, das mitten im Garten steht, aber keine nützliche Frucht hervorbringt. Er steht nur im Weg, nimmt guten Boden weg, und wer ihn im Vorbeigehen streift, zerreißt sich seine Kleider. Der Gärtner hat also ein Problem. Er möchte gute Früchte wie zum Beispiel Äpfel oder Orangen ernten, aber er hat einen Dornbusch in seinem Garten. Er weiß, dass es nur eine Lösung gibt: Er muss den Dornbusch aus der Erde reißen und ihn durch einen guten Baum ersetzen. Dann wird er zur rechten Zeit auch gute Früchte ernten, und zwar ganz einfach deshalb, weil er jetzt einen guten Baum hat.

Ebenso möchte der Mensch in Römer 7 gerne die guten Werke des Gesetzes hervorbringen, und zwar in Form von den Früchten des Geistes: Liebe, Freude, Friede usw. Aber er hat eine böse Natur in sich, die solch einen Gehorsam aus Liebe nicht leisten kann, sondern vielmehr eine Quelle von Hass, Stolz, Eifersucht und dergleichen mehr ist. Dieser Mensch befindet sich in der gleichen misslichen Lage wie der Gärtner mit seinem Dornbusch, und die Lösung ist in beiden Fällen gleich. Die böse Natur muss aus dem menschlichen Körper, der aus Erde gemacht ist, herausgenommen und durch eine neue Natur, die von oben kommt, ersetzt werden. Nur so kann man ein Kind Gottes werden, und nur so kann man die guten Früchte des Geistes hervorbringen.

Diese Wahrheit wird in der Bibel immer wieder dargelegt, so dass jeder den Weg der Befreiung von dieser schrecklichen Sündenmacht kennenlernen kann; die Vielfalt der Zeugnisse ist dazu bestimmt, allen Zweifel auszuräumen. »Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des südlichen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist.« Römer 8,2-4.

Gott sandte seinen Sohn in die Welt, um die Sünde im Fleisch zu verdammen. Hier müssen wir eine wichtige Unterscheidung treffen. Die sündhaften Taten kann man als die Sünden des Fleisches bezeichnen, die Sünde im Fleisch aber ist die innewohnende Macht des steinernen Herzens oder die fleischliche Gesinnung. Man beachte, dass Jesus nicht kam, um ein oberflächliches Werk zu tun, das lediglich die Sünden des Fleisches verdammte. Er kam, um die Sünde zu verdammen, die im Fleisch wohnt; denn das ist die Wurzel des Problems, die Ursache für die ständige Niederlage, die jeder Mensch erfährt, der diese böse Macht in sich hat.

Warum kam er, um die Sünde im Fleisch zu verdammen? »Damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. «
Wieder und wieder geht es um dieselbe Botschaft. Das Alte wird verdammt, ausgerottet und entfernt, damit ein bestimmtes Ziel erreicht wird: Wir sollen befähigt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn, ein Leben der Gerechtigkeit zu führen, das vor Gott gilt.

Wozu verdammte Jesus die Sünde im Fleisch, als er kam? Verdammte er sie dazu, unterworfen und beherrscht zu werden? Oder verdammte er sie zur Verbannung? Oder war diese Verdammung gar nur eine Erklärung seiner Missbilligung? Nein, nichts von alledem. Christus verdammte die Sünde zum Tode, zu einem Tod, der durch seinen eigenen Tod und seine Auferstehung wirksam wurde.

Nirgendwo wird diese Wahrheit deutlicher dargelegt als in Römer 6,1-6. »Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen.

In Vers 6 kommt es zum Höhepunkt dieses ganzen Arguments. In den vorhergehenden Versen wird gezeigt, dass alle, die in Christus Jesus sind, das heißt alle, die als wahre Kinder Gottes gerechtfertigt sind und ein Anrecht auf das himmlische Reich haben, mit Christus gestorben und auferstanden sind. Im sechsten Vers wird dann ausdrücklich gesagt, was tatsächlich gestorben ist.

Doch bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, was sterben muss, ehe wir von der Sünde frei werden, sollten wir die Macht der Botschaft erfassen, die in den ersten fünf Versen vermittelt wird. Diese Botschaft lehrt, dass nur der Mensch leben kann, der gestorben ist. Damit wird auf eine andere Art und Weise gesagt, dass das Alte gehen muss, bevor das Neue kommen kann. Es ist der Tod, der das Alte wegnimmt, und die Auferstehung, die das Neue bringt.

Diese Wahrheit wird in dem genannten Abschnitt am deutlichsten in Vers 5 ausgedrückt: »Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. «

Der erste Teil dieses Verses ist ein Bedingungssatz: »Wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod . . . « Damit wird die bedeutende Wahrheit zum Ausdruck gebracht, dass alles andere nur folgen kann, wenn diese Bedingung erfüllt ist. Nur wer mit Christus gestorben ist, kann auch mit ihm leben. Mit anderen Worten, nur wenn das Alte weggenommen wurde, kann das Neue kommen. Erst muss der Dornbusch entfernt werden, dann kann der Apfelbaum seine Stelle einnehmen. Niemals können oder werden beide Samen an derselben Stelle wachsen.

Was sagt Paulus nun mit diesen Versen? Sind das wohlklingende, aber bedeutungslose Phrasen? Oder sind es der Wirklichkeit entsprechende Worte über tatsächliche Erfahrungen? Was meint er, wenn er sagt, dass wir mit Christus sterben müssen? Müssen wir tatsächlich sterben, oder ist hier nur ein bestimmter Wan-del in unserer Geisteshaltung gemeint?

Viele finden es schwer zu glauben, dass es hier um einen tatsächlichen Tod geht, denn sie unterscheiden nicht zwischen dem sündigen Fleisch und der sündigen Gesinnung des Fleisches, die auch als das steinerne Herz, der alte Mann oder der Sündenherr bezeichnet wird. Weil man im Allgemeinen glaubt, die sündige Natur sei nichts anderes als das Fleisch, und weil bekannt ist, dass das irdische Leben eines Menschen nicht endet, wenn er wiedergeboren wird, nimmt man an, dass der hier angesprochene Tod nur eine bildliche Figur sei.
Man stellt sich vor, es handle sich dabei um etwas, dass dem Menschen lediglich zugerechnet oder zugeschrieben wird, das in Wirklichkeit aber nur im Leben Christi stattgefunden hat.

Es stimmt natürlich, dass derjenige, der die Erfahrung von Römer 7 hinter sich lässt und ein wirklich auferstandenes Kind Gottes wird, keinen leiblichen Tod erfährt. Als bekehrter Mensch hat er dasselbe Fleisch und Blut wie vorher, als er noch »von der Welt« war. In diesem Bereich hat kein Tod und keine Veränderung stattgefun-den. Das sündige Fleisch ist sterblich. Davon wird der Gläubige erst am großen Auferstehungsmorgen befreit werden, wenn Christus herabkommt, um sein Volk in das himmlische Heim zu holen.

Und doch stirbt er — denn wenn er nicht stirbt, kann er nicht in Christus sein. Aber was stirbt? Die Antwort wird uns in Vers 6 gegeben: »Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist . . . « Hier wird etwas als »unser alter Mensch« bezeichnet. Was ist mit diesem Begriff gemeint? Wer oder was ist der alte Mensch? Damit wir das richtig verstehen, heißt es im zweiten Teil des Verses, dass der alte Mensch gekreuzigt wird, »damit der Leib der Sünde vernichtet werde«. Paulus hätte auch schreiben können: Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der alte Mensch vernichtet werde. Doch anstatt den Begriff zu wiederholen, gebraucht er beim zweiten Mal die Bezeichnung »der Leib der Sünde«. Damit hilft er uns zu verstehen, dass der alte Mensch und der Leib der Sünde ein und dieselbe Sache beschreiben.

An einer anderen Stelle, in Römer 7,24, spricht er von dem »todverfallenen Leib«, was wiederum nur ein anderer Ausdruck für das ist, was er ein paar Sätze zuvor als das »Gesetz der Sünde« bezeichnet hat. Von dem, was wir bisher schon studiert haben, wissen wir nun, dass sich all diese Begriffe — der »alte Mensch«, der »Leib der Sünde«, der »todverfallene Leib« und das »Gesetz der Sünde« — auf jenen dritten Bereich bezie-hen: die fleischliche Gesinnung, die dem Gesetz Gottes nicht Untertan ist und es auch nicht vermag.
Das ist es, was im Leben derer, die zur Bekehrung kommen, gekreuzigt wird und stirbt. Das ist es, was durch Tod beseitigt werden muss, damit ein neues Leben durch die Auferstehung an die Stelle des alten treten kann.

Die Tatsache, dass hier ein wirklicher Tod stattfinden muss, darf nicht missverstanden werden. Kreuzigung ist keine Verbannung. Sie ist keine lebenslängliche Gefängnisstrafe. Sie bedeutet nicht, in Ketten gelegt oder unter Kontrolle gebracht zu werden. Kreuzigung ist eine Form der Hinrichtung, durch die jemand getötet werden soll. Die Henker haben ihre Aufgabe erst erfüllt, wenn dieses Ergebnis erreicht ist.

Wenn nun Paulus sagt, dass der alte Mensch gekreuzigt wird, meint er tatsächlich, dass er getötet wird. Damit dies nicht missverstanden wird, sagt er, dass der alte Mensch gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde. Wenn etwas vernichtet wird, hört es einfach auf zu existieren. Seine Lebensgeschichte ist zu Ende. Es ist nicht mehr da.

Bei all den anderen Texten und Beispielen haben wir gesehen, dass dieses Werk immer zu einem ganz bestimmten Zweck getan wird. Der Mensch soll dadurch vom Ungehorsam zum Gehorsam gelangen können. Er soll aus seinem beklagenswerten Zustand, wo er das, was er will, nicht tun kann, in den Zustand versetzt wer den, wo die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in seinem Leben verwirklicht wird. So wird uns auch in diesem Text gesagt, dass der alte Mensch gekreuzigt und der Leib der Sünde vernichtet wird, »so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen«.

Die Natur liefert sehr treffende Gleichnisse für die Wahrheiten des Evangeliums. Auch die Wahrheit dieses Verses wird klarer hervortreten, wenn wir noch einmal zu unserem Dornbusch zurückgehen. Wir wollen ihn an die Stelle des alten Menschen setzen und den Text dann in Hinsicht auf einen Gärtner lesen, der gute Früchte möchte, aber nur einen Dornbusch hat. Er reißt den Dornbusch aus und ersetzt ihn durch ein Apfel Bäumchen. Dann sagt er: »Wir wissen ja, dass der alte Baum mit den Wurzeln ausgerissen wurde, damit der Dornbusch vernichtet wird, so dass er hinfort keine Dornen mehr bringt. « Es wird wohl niemandem schwerfallen, zu sehen, dass dieser Grundsatz in der Natur voll zur Geltung kommt; und es ist auch leicht ersichtlich, wie er dort wirkt. Als nächstes braucht man denselben Grundsatz nur noch auf den geistlichen Bereich zu übertragen, und man wird genauso deutlich verstehen, inwiefern das Werk der Seelenreinigung die Voraussetzung für den Sieg über das Sündenproblem schafft.

Fortsetzung folgt: Die Befreiung