Mittwoch, 11. Juli 2018

Ab in die Klinik!


Robert sitzt mit seiner Frau am Mittagstisch.

Anni ...

Ja?

Ich warte mit Sehnsucht auf Dich!

Sie schaut ihn verdutzt an: “Ach Ja?”


Ja. Ich warte sehnlichst und möchte, dass Du bald zurückkommst!

Anna weiss nicht, was sie darauf antworten sollte. Ist das sein Ernst? So kannte sie ihn nicht. Er ist intelligent hilfsbereit, kurz, ein guter Ehemann. Aber das? Sie war wohl bei ihrer Mutter zu Besuch, aber das ist schon eine Woche her.

Hast Du mich verstanden, Anni? Ich bin voller Erwartung auf deine Rückkehr!

'Na ja, wie verhält man sich in einer solcher Situation', dachte sie, 'ist er krank oder macht er Spass?' - “Was soll das, Röbi, was meinst Du damit?” antwortet sie schliesslich.

Ohne Spass, Anni,” sagte er darauf, wie wenn er ihre Gedanken erraten hätte. “Ich halte es nicht mehr aus ohne Dich, komm rasch zurück – bitte!”

Iss fertig, Röbi – und dann ab in die Klinik!

Wahrscheinlich wird der Neurologe gestörten Realitätssinn beziehungsweise eine Dysfunktion beider Gehirnhälften diagnostizieren. Das Leben in einer illusorischen Traumwelt sind erfahrungsgemäss keine Einzelfälle, sondern weit verbreitet. Ob es das Warten auf die bereits anwesende Ehefrau oder das Warten auf Godot nach dem Theaterstück von Samuel Beckett ist, beides erinnert an ein noch anderes Warten, das ebenso sehr viel mit einem gestörten Realitätssinn zu tun hat.

Dieses andere Warten ist genauso ein Fall für den Neurologen wie unser Robert. Warten auf jemanden, der bereits anwesend ist. Schlimmer noch! Warten auf jemanden, dem man die Anwesenheit auch schon bestätigt!

Mein lieber Freund, Du hast es bereits geahnt, um was es geht. Es geht um das Theaterstück “Warten auf Jesus”. Nein, das ist keine Blasphemie, keine Gotteslästerung, das Warten kann durchaus ernstgemeint sein, aber da weitverbreitet daraus ein Theaterstück gemacht wird, das erfordert neurologisches Eingreifen.

Wenn die Röbi's oder wie sie alle auch heissen mögen, selbst davon überzeugt sind, dass “Christus in mir lebt” und dann mit freudig-frommen Gesicht kundtun, dass sie dem Kommen Jesu entgegensehen, dann muss man dem stillen Betrachter der Szene Verständnis zollen, wenn er den Kopf schüttelt. “Christus ist hier – aber er wartet trotzdem auf Christus?” fragt er sich, “ist das Spass oder ist er krank?

“Gestörter Realitätssinn trotz der Spurenelemente Intelligenz und guter Wille, jedoch vor allem mit Frömmigkeit dekorierter Trotz eben dem erwarteten Jesu gegenüber”, dürfte die Diagnose lauten.

Entspricht es der Realität, dass Christus in uns lebt, etwa so wie Paulus es geschrieben hat

Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir” (Gal. 2. 20),

dann ist das “leibliche” Kommen auf oder hinter den Regenwolken nicht mehr wichtig (oder sogar hinfällig!), weil der “Christus in mir” schon Selbst die volle Erfüllung ist.

Klug oder törricht?

Die kluge Jungfrau hat das Öl vorrätig, in unserem Fall den Christus in sich. Die törrichte Jungfrau wartet auf den St. Nimmerleinstag, und der Ölvorrat wird auf jeden Fall nicht reichen. Der St. Nimmerleinstag ist jedoch nicht in derart unerreichbarer Ferne, sondern bezeichnet den letzten Tag auf dieser Erde. Das ist der Tag, an dem das Öl ausgeht und nachher kann nicht mehr nachgefüllt werden.

Die Jungfrau, die also auf das Kommen des Herrn wartet, hat offensichtlich den Herrn noch nicht bei sich. Darum ist sie ja törricht. Würde sie alles daran setzen, das Wort Gottes (im Herzen) mit allem Nachdruck zu leben, das Kreuz, das ja nicht unbedingt sehr leicht ist, mit Freude tragen, dann würde Christus in ihr sehr schnell Gestalt annehmen – und alles Warten würde sich erübrigen! Diese törrichte Jungfrau wäre damit sehr schnell zur klugen Jungfrau geworden. Die wartende, törrichte Jungfrau spielt im Stück “Warten auf Godot”. Godot, der nie kommen wird - ein sinnloses Warten.

Christus lebt in mir

Doch was heisst es, “Christus lebt in mir”? Du, mein lieber Freund, erinnerst Dich wohl an den kürzlich erschienen Aufsatz mit dem komischen Titel “Was sind die Heiliger Geist”. Dort möchte in anknüpfen.

Wenn Du sagst, dass “Christus” in Dir lebt (wenn es denn auch der Wahrheit entspricht!) dann ist das natürlich recht. Aber Du kannst genausogut sagen, “der Heilige Geist” lebt in mir. Das ist dasselbe. Und wenn Du sagst, “die Heiligen Geister”, “die Engel” oder “die Boten Gottes” leben in mir, dann macht auch das keinen Unterschied! Weshalb? Weil Christus, der Heilige Geist, die Heiligen Geister, die Engel, die Boten Gottes sind alle EINS. Alle haben dasselbe Ziel, denselben Sinn, dasselbe Leben, denselben Vater, dieselbe Liebe, dieselbe Harmonie und dieselbe Wahrheit. Kurz: Derselbe GEIST!

Wenn ich ungefragt meine Meinung kundtue, dann sind alle diese Begriffe zusammen “Gott”, also die Gottheit. Denn Gott sagt ja in Seinem ersten mosaischen Gebot, dass man kein Bildnis von Ihm machen sollte, weil man wohl gar kein Bildnis von Ihm machen kann. Denn Er ist Alles in Allem. Gott ist EINS. Aber das nur nebenbei.

Wenn also Christus, der Heilige Geist und das gesamte Himmelreich NOCH NICHT in uns wohnt und wir warten noch auf dieses Kommen, dann wird es auch am ominösen St. Nimmerleinstag nicht mehr kommen und wir werden in alle Ewigkeit darauf warten! Törricht – nicht?

Das Himmelreich in uns hat Seine sichtbare Auswirkungen in unserem Alltag. Diese Auswirkungen sind der Masstab, ob Christus wirklich in uns lebt oder nicht.

Das eigentliche Leben in der Materie ist nur durch die Einwirkung der Geistigen Welt möglich. Ein Leben der Materie an sich gibt es nicht und kann es nicht geben. Leben ist immer geistig. Deshalb ist es auch naheliegend, dass wir das Geistige in unser Dasein in der Materie mit einbeziehen. Unser Alltag ist nur ein Alltag, wenn die Geistige Welt in jedem Moment “mit von der Partie” ist. Deshalb tun wir gut daran, diese Zusammenarbeit bewusst zu erleben und die Geistige Welt bewusst miteinzubeziehen. Unsere Ansprechperson in Jesus Christus und Er heisst dann seine Diener und Boten uns zur Seite zu stehen. Das dient dann unserem Schutz, der materiellen und der geistigen Führung und selbstverständlich der Lehre.

Arbeiten wir Hand in Hand mit Christus und der Engelswelt, dann sieht unser Alltag ganz anders aus, als wenn dies nicht der Fall wäre. Ich erfahre zum Beispiel nicht nur Erinnerungshilfe in meiner Vergesslichkeit, sondern auch Impulse in rein technischer Hinsicht, in allen Bereichen meiner materiellen Tätigkeiten. Es ereignen sich auch “Zufälle”, die sich als recht hilfreich herausstellen oder vermisste Gegenstände werden plötzlich auf wundersame Weise gefunden und zweckdienliche Begegnungen zieren oft den Alltag.

Wer nun aber der Meinung ist, das alles hätte wenig mit Glaube als vielmehr mit Okkultismus zu tun, was mir ja oft vorgehalten wird, der hat vom Geistigen Leben noch nicht allzuviel verstanden. Der missbrauchte Begriff “Okkult” heißt nichts anderes als verborgen - also dem materiellen Auge verborgen. Aber wer einmal das Geistige Leben gekostet hat, dem bleibt es nicht mehr verborgen, es ist zur Realität geworden und “Okkultes” existiert für ihn nicht mehr. Wem es vergönnt ist, mit dem Geistigen Auge zu sehen, der hat dann auch die Möglichkeit, das Wirken und die Werke des Reiches der Finsternis zu erkennen, wem aber alles Geistige suspekt und okkult ist, der kann auch die Geistigen Reiche nicht voneinander unterscheiden.

Fazit

Trachte zuerst alltäglich, allstündlich und allminütlich nach dem Himmelreich, damit Du in den Himmel und nicht in die Klinik entrückt wirst! 






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Jesus segne Dich!