Mittwoch, 27. Mai 2015

Mystik in der Bibel V


Mit dem heutigen Thema schreibe ich gleichzeitig eine Antwort auf einen Kommentar unseres Bruders David vom 26. Mai d.J. zu „Christ und Ehebett IV“. Es hängen ja schliesslich alle Themen zusammen, jedes beleuchtet einen kleinen Teilaspekt des Evangeliums. Mit „Christ und Ehebett“ assozitieren wir automatisch „Sex“, Lust, materielles Leben, sinnliche Begierden und fleischliche Gesinnung. Und genau darum geht es heute unter „Mystik in der Bibel“, nämlich um die fleischliche, beziehungsweise geistliche Gesinnung.


Das ist beinahe ein von der Mystik patentiertes Thema. Denn der Grundgedanke der Mystik ist der, dass Gott (Jesus, das Himmelreich, der Heilige Geist, Christus) in uns wenigstens und anfänglich der geistigen Entwicklung als Geistfunken wohnt und Er sich eines Tages offenbaren möchte. Nur – und das ist das ganz grosse Problem – dies ist nicht möglich, wenn sich im Herzen noch unreine Weltgeister erfolgreich tummeln und die Seele mit so manchen unreinen Gedanken zur Sünde oder zur Sinnlichkeit verführen. Natürlich geschieht das solange wir noch auf der Erde leben und solange unsere Seele noch mit dem materiellen Leib, sprich: dem Fleisch, verbunden ist.

Was den unreinen Geistern recht ist, ist dem Satan billig. Die Verführungen, die Versuchungen, die Anfechtungen sind Teil des geistlichen (ich möchte lieber sagen: des geistigen) Lebens, wie wir schon im letzten Teil dieses Aufsatzes gesehen haben. Was Satan mit seinen Helfershelfer kann, will und auch tut, soll nicht unser Problem sein. Die Frage der Stunde ist vielmehr: Wie gehen wir damit um?

Wenn wir im Zustand sind, dass wir noch wählen und entscheiden können, ob wir den Versuchungen nachgeben oder standhalten wollen, sind wir schon auf verlorenem Posten. Manchmal mag es uns in der Tat gelingen, den Anfechtungen zu widerstehen, aber in einer schwachen Stunde gelingt es uns nicht mehr. „Der Geist ist willig, das Fleisch aber ist schwach“ – kommt uns doch sehr bekannt vor, oder etwa nicht?

Der Gesinnungswandel

Jedes grössere Ereignis wirf seine Schatten voraus. Das allergrösste, nämlich die Geburt des Messias, also die Fleischwerdung Gottes, hatte bei allen grossen Propheten seine Vorschattierung. So auch das grosse Ereignis für die Zukunft, dass der Mensch aus seiner Haut schlüpfen und – während seiner Lebzeit auf Erden – ein neuer Mensch werden kann:

„Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte beobachten und tun.“ (Hes. 36. 26)

Diese Ankündigung im Alten Testament ist dann an Pfingsten Wirklichkeit geworden. Das neue Herz im AT und der neue Geist im NT nennt Paulus die (neue) Gesinnung des Geistes, im Gegensatz zur alten Gesinnung des Fleisches:

„Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Friede ...“ (Röm. 8. 6) (Es wäre übrigens sehr empfehlenswert, den gesamten Römer 8 im Zusammenhang zu lesen! Ja, jetzt gleich!)

Diese Gesinnungsumwandlung vom Fleisch zum Geist ist die Wiedergeburt. Hier wird nun alles neu, wie Johannes sagt:

„Keiner, der aus Gott geboren ist, tut Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Daran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Wer nicht Gerechtigkeit übt, der ist nicht von GottGott, ebenso wer seinen Bruder nicht liebt.“ (1. Joh. 3. 9)

Wenn nun die „Bibeltreuen“ (ach, wenn sie’s nur wären!) behaupten, sie wären durch die Bekehrung oder durch die Taufe bereits wiedergeboren und sie haben aber noch immer die fleischliche Gesinnung, dann leben sie im Widerspruch zur Bibel.

Was ist sinnliches Leben?

Wie es der Begriff „sinnliches Leben“ oder „sinnliche Gesinnung“ schon sagt, sind es die sinnlichen Reize welche das fleischliche Leben, die fleischliche Gesinnung ausmachen. Um in der fleischlichen Gesinnung zu leben, braucht man die Welt nicht zu überwinden. Nun stellt sich für viele „Bibeltreue“ die wichtige Frage: Kann man Gläubig sein und trotzdem eine fleischliche Gesinnung haben? Haben wir als Gläubige denn nicht automatisch die geistliche Gesinnung?

Wenn in Deinem Herzen die unreinen Weltgeister es noch fertigbringen, Dich zu verführen, dann ist das Herz eben noch sinnlich, weil es diesen weltlichen, auf sinnliche Reize ausgerichteten Wesen noch gelingt, dass Du ihnen willfahrst. Auch wenn Du gläubig bist, so ist es, wie Du selber weisst, noch absolut möglich, dass Du immer und immer wieder darauf hereinfällst.

Nun muss es natürlich nicht immer Sünde sein, wenn man den sinnlichen Reizen dient. Genau so, wie die sexuellen Begierden im Ehebett keine Sünde ist, so ist es doch eine fleischliche Begierde, ist es ein Bedürfnis der sinnlichen Reize, des fleischlichen Lebens. Und das ist in jedem Fall ein Hindernis für das Wachstum des Geistes in uns.

Der mystische Apekt

Nun kommt die Mystik ins Spiel. Jeder „Bibeltreue“ wird sagen, dass es nicht möglich sei, ohne die Befriedigung der sinnlichen Reize, bzw. deren Begierden auf dieser Erde zu leben. Er wehrt sich aber gleichzeitig gegen die Vorstellung, dass Gott im Herzen lebt und damit auch erfahrbar wird. Das ist für ihn im höchsten Grad Okkultismus.

Aber gerade durch die Mystik, dem Suchen und der Aufrechterhaltung der persönlichen und individuellen Verbindung im Herzen durch Meditation und Kontemplation, finden wir den Zugang zum Himmlischen Reich und gerade dadurch, weil Gott nur in einem äusserst reinen Tempel wohnen kann, erneuert Er das Herz, wenn wir das wollen. Nur wer Ihn ernstlich sucht, wird Ihn auch finden!

Wenn die Seele dazu bereit ist, findet zuallererst einmal eine richtige und gründliche Tempelreinigung statt. Für die Erlangung des eingangs erwähnten neuen Herzens nach Hes. 36. 26 muss aller Unrat, das sind die unreinen Weltgeister, ausgemistet werden. Nur so kann es zur vollen Wiedergeburt im Geist kommen, wenn Jesus Christus (der Heilige Geist) alleine der Herr im Herzen ist. Er duldet keine Nebenbuhler, sonst zieht Er sich wieder zurück. Und diese intensive Verbindung mit dem innewohnenden Christus muss nun auch intensiv gepflegt werden, weil sonsst die unreinen Geister (mit ihren verderblichen Gedanken-Einflüssen) bald wieder ihre alten Rechte geltend machen. Für diese lebenswichtige Verbindung zum Himmel gibt es nun einmal keinen andern Weg als die Meditation und Kontemplation. Wer aber das sinnliche Leben nicht lassen will, der bleibt trotz allem vermeintlichen Glauben ein natürlicher Mensch – und ein natürlicher Mensch vernimmt dann bekanntlich nichts vom Geiste Gottes. Jeder Festgefahrener und Unbelehrbarer schliesst sich somit von den höheren Erkenntnissen selber aus!

Von der Theorie zur Praxis

Und genau so ist es auch mit der Frage der sexuellen Begierden und deren Befriedigung im Ehebett. Niemand macht sich einen Begriff davon, wieviele Google-Suchanfragen mit dem Begriff „Ist Oralsex Sünde?“ oder ähnlich in meiner Statistik-Auswertung auftauchen! Mit grossem Abstand bei den allermeisten Suchbegriffen geht es um Sex. Wie oft habe ich mich schon gefragt, geht es bei den „Gläubigen“ eigentlich auch noch um etwas anderes als um Sex? Oder suchen sie eine Rechtfertigung für Ihr gedankliches Treiben? Es scheint so. Wenn ich im Folgenden den letzten Kommentar von „Christ und Ehehbett IV“ einfüge, so geht es nicht um den Kommentarschreiber, er spricht nur aus, was Tausende und Abertausende genauso denken:

„Hallo,

wenn ich so etwas lese bekomme ich Wut wie man die Bibel so verdrehen kann und das Geschenk Gottes die Sexualität so in den Dreck ziehen kann und dann noch zu sagen es würde Gott so wollen. Einmal im Jahr Sex... und was ist wenn die Frau da nicht schwanger wird? Spermien werden übrigens eh nach 3-4 Wochen von alleine abestoßen. Und dann alte Seelen und Naturseelen, klingt eher nach Esoterik. Und auf das Kind kommen Höllengeister und Lustgeister wenn man während der Schwangerschaft Sex hat. Oh man denke nochmal über deine gotteslästerlichen und unbiblischen Aussagen nach und lösche diese 4 Artikel Christ und Ehebett lieber wieder es wäre besser für jeden. Ach ja ich bin Christ möchte aber mit solchen esoterischen und gotteslästerlichen Aussagen nichts zu tun haben.

Gruß D.“

Nun, der liebe, in Rage geratene Bruder sieht ganz richtig, dass die sexuelle Lust tatsächlich von Gott geschaffen ist. Aber leider wird in den Kirchen, also bei den „Bibeltreuen“ die Mahnung, eben diese Lust zu überwinden, nicht aufgezeigt und erläutert. Warum nicht? Die Antwort ist ganz einfach: Jeder Gläubige würde in Wut geraten und keiner würde mehr diese Kirchen besuchen. Die Pfarrer, Prediger und Pastoren müssen, wenn sie überleben wollen, dem sie ernährenden Volk nach dem Mund reden. Wer die Wahrheit und deren Zusammenhänge predigt, steht so ziemlich einsam und verlassen da ...

Wenn Paulus empfiehlt, dass Verheiratete so zusammenleben sollten, wie wenn sie nicht verheiratet wären, dann sollten das die „Bibeltreuen“ doch eigentlich ernst nehmen. Aber „Bibeltreu“ sein heisst ja vor allem, die VERHEISSUNGEN ernst und buchstabengetreu nehmen. Bei den Geboten und Ermahnungen der Heiligen Schrift geht dann aber das grosse Rätselraten über deren Bedeutung und das geschickte Abwägen in der Auslegung los, damit niemand verärgert wird.

Übrigens, wenn D. im oben zitierten Kommentar von „... bekomme ich Wut ...“ spricht, so erinnert mich das an den grossen evangelischen Übervater, dessen Jubiläum ihr schon bald feiert. Auch er ist immer und immer wieder in Wut geraten, wenn andere Christen eine abweichende Meinung vertraten. Nur hat er sie gleich reihenweise umbringen lassen. Was vor fünfhundert Jahren durch Galgen und Scheiterhaufen geschah, geschieht heute mit der Okkult- und Esotherik-Keule.

Aber auch D. wird seine Wut noch abkühlen und zur richtigen Erkenntnis kommen, wenn er merkt, dass er als Christ auf dem bisherigen Weg kaum sichtlich geistige Fortschritte machen kann. Auch er wird sich eines Tages der höheren Erkenntnis öffnen. Dessen bin ich mir sicher.

Jesus segne Dich!