Mittwoch, 8. April 2015

Bibeltreue


In meiner Naivität meinte ich während vieler Jahre, Bibelreue zeichne sich dadurch aus, dass man getreu nach der Bibel lebt. In früher Zeit, als ich mich in einer Pfingstgemeinde bewegte, hatte ich mit dieser Ansicht so meine Probleme. Ich merkte, dass ich selbst nicht bibeltreu sein konnte, da ich immer wieder gefallen bin. Erst viel später, als ich der Charismatik den Rücken gekehrt hatte und mich der biederen Heilsarmee zugewandt hatte, sah ich ein, dass Bibeltreue nichts damit zu tun hat, getreu nach der Bibel zu leben, als vielmehr einfach an den Bibeltext zu glauben. Und zwar so zu glauben, wie es dasteht. Dann habe ich verstanden, weshalb nur ganz wenige versuchen, nach dem Bibeltext zu leben, sondern einfach das zu glauben, was dort geschrieben steht.

Wenn ich jetzt ganz bewusst mit etwas lauterem Ton schreibe, dann geschieht das nicht mangels Liebe zu unseren Geschwistern, die ihr Heil noch in der Kirche suchen. Ich rede klare Worte, mitunter auch unter die Haut gehend, in der fast illusionären Hoffnung, eventuell den Einen oder den Anderen in seiner Lethargie etwas rütteln zu können. Mit einem sofortigen Erkennen der verborgenen Wahrheit rechne ich nicht, denn alles hat ja bekanntlich seine Langzeitwirkung .
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Wörtlicher Bibelkult

Die Bibeltreue hat verschiedene Aspekte. Erstens, wie gesagt, alles so zu gauben, wie es geschrieben steht und zwar absolut wörtlich. Das heisst: Die sieben-Tage-Frage ist auf keinen Fall diskussionswürdig. Die Erschaffung der Erde, beziehungsweise der gesamten materiellen Schöpfung mit allen Sonnen, Galaxien und alles, was im unendlichen Makrokosmos anzutreffen ist, aber auch die ausgeklügelten und intelligenten Lebensformen welche sich im Mikrokosmos  befinden, ist ein Werk von gerademal sechs Arbeitstagen. Absolut verständlich, dass Gott dann nach dieser Par-Force-Leistung am siebten Tage ruhen musste.

Genau so wörtlich nehmen die Bibeltreuen die zahlreichen Verheissungen im Neuen Testament, wie die Entrückung der sensationshungrigen Kirchenchristen, um nur zwei von unzähligen Beispielen zu nennen. Da wird also Jesus hinter einer Wolke, zirka 300 Meter über Meer, hervortreten, damit auch alle Ihn sehen können und – schwupps-di-wupp – werden alle evangelischen Kirchenchristen unversehens durch durch die Luft zu Ihm hin fliegen. Auf diese imposante Luftnummer warten Millionen von Menschen – und warten schon seit Jahrhunderten! Alle glaubten schon immer, das grandiose und einmalige Schauspiel stände unmittelbar bevor, wurde aber leider immer wieder verschoben.

Nun, ein drittes Beispiel will ich trotzdem noch einfügen. Eine wunderbare Einrichtung für die Bibeltreuen ist die Hölle. Und zwar die ewige Hölle. Das heisst, dass jene 95 Prozent der Erdbevölkerung für immer und ewig in der Hölle gebraten werden, welche aus irgend einem Grund Jesus nicht „in ihr Leben aufgenommen“ und somit eben nicht evangelisch sind. „Geschieht ihnen recht, warum haben sie Jeus nicht in ihr Leben aufgenommen!“, so der unisono Kommentar der fundamentalistischen Kirchenchristen. Nun, klar. Wer nicht hören will, muss (ewig) fühlen!

Aber im Ernst: Kann es sein, dass Gott nur ein primitives Schwarz/Weiss-Bewusstsein hat, wie alle die (evangelischen) Kirchendogmatiker? Himmel oder Hölle – und sonst nichts? (Darüber werde ich irgendwann noch einen speziellen Aufsatz schreiben.) Das Kirchenvolk jedenfalls kennt nichts anderes als dieses Klischee von Himmel oder Hölle. Es ist ihm unbekannt, dass im Jenseits der Weg weitergeht – und zwar nach oben! Trotz der Hölle, welche in Tat und Wahrheit existiert, zwar nicht um in Ewigkeit und ohne Ende gegrillt zu werden, sondern sie existiert als Läuterung für jene Seelen, welche sich noch ausserhalb der Ordnung Gottes aufhalten. Der Aufenthalt in dieser Hölle ist beileibe kein Zuckerschlecken, sondern Leiden, wie es die Bibel beschreibt, ein Heulen und Zähneknirsschen, da wollen wirt sicher n ichts beschönigen! Und dieses Leiden besteht so lange, bis die Seele ihres Gottlosen Zustandes einsieht, und den Wunssch hat, über den Weg der Wiedergutmachung, aufwärts zu streben.

Nun, wo sind wir jetzt? Ja, schon haben wir den Boden der verpönten und verbotenen Allversöhnung betreten! Ein dunkelrotes Tuch für die Bibeltreuen! Bereits wartet eine riesige Bibliothek von äusserst weisem Lehrmaterial darauf, die Allversöhnungsirrlehre in die Ecke des Teufels zu stellen. Allversöhnungslehre? Nein danke! Besser, die Sünder braten ewiglich und ohne Ende in der Hölle, als dass sie jemals den Weg nach oben beschreiten können!

Wer aber - und das ist nur eine kleine Zwischenbemerkung - der Meinung ist, die noch ungläubigen Menschen, was ja etwa 95 Prozent der Erdebevölkerung ausmacht, soll getrost in Hölle kommen, da sie ja nicht an Jesus glauben wollen, der wird sie auf jeden Fall selbst zu kosten bekommen! Glauben hin oder her!

Gottes inspirierte Wort

Einen zweiten, wichtigen Aspekt der Bibeltreuen ist die Ansicht, dass die ganze Bibel von Gott persönlich eingegeben ist. So lese ich oft in kirchenchristlichen Websits oder hörte in Predigten

Grundlage ist die Überzeugung, daß die ganze Schrift – alle Schriften des Alten wie des Neuen Testaments – von Gott durch Seinen Geist eingegeben sind

Das enrtspricht der Chicago-Erklärung von 1978. Da steht unter anderem folgendes:

"Da die Schrift vollständig und wörtlich von Gott gegeben wurde, ist sie in allem, was sie lehrt, ohne Irrtum oder Fehler. Dies gilt nicht weniger für das, was sie über Gottes Handeln in der Schöpfung (7-Tage-Frage, Anmerk. H.K.)  über die Geschehnisse der Weltgeschichte und über ihre eigene, von Gott gewirkte literarische Herkunft aussagt, als für ihr Zeugnis von Gottes rettender Gnade im Leben einzelner."

Nun haben die Bibeltreuen aber ein unlösbares Problem. Jeder sagt die Schrift, die Bibel, das Wort Gottes. Und fast jeder versteht etwas anderes darunter. Der Katholik beruft sich auf seine Bibel, die Vulagata, bzw deren Übersetzung, der andere auf die Zeugen-Jehovas-Bibel, der dritte auf die Mormonen-Bibel, der Evangelikale ist da in einer besseren Position, er hat gleich einige verschiedene Bibeln zur Auswahl, so einige Textus-Receptus-Bibeln (Konkordanzbibel, Schlachter 2000), Nestle-Aland-Bibeln (Gute Nachricht, Neue Genfer, u.a.), die Volx-Bibel, und noch weitere 25 Übersetzungen. Alle diese Bibeln sind anders. Welche ist die Richtige, welche wurde nun von Gott wörtlich eingegeben? Ist es etwa die Luther-Bibel, welche von Herrn Prof. Dr. Martin Luther höchstpersönlich noch korrigiert (modifiziert) wurde? Dann frage ich noch weiter: hat Gott auch die Apokryphen wörtlich eingegeben? Wenn ja, weshalb werden sie dann in diversen Ausgaben unterschlagen?

Dass der Glaube an die wörtliche Inspiration der Heiligen Schrift ein totaler Unsinn ist, beweist ja schon und augenfällig die Wissenschaft der Textkritik. Es würde in diesem Aufsatz zu weit führen, die Problematik der Textkritik hier zu behandeln. Aber schon die Existenz dieser beweist ja klar, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse „Gottes inspirierte Wort“ neu fassen können (Einheits-Übersetzung u.a.)!

(Wer sich tiefer mit dieser Problematik befassen will, siehe hier und hier)

Wir sehen, schon mit dieser relativ oberflächlichen Betrachtung ist die Ansicht, dass die Bibel Gottes reines Wort ist, sehr naiv und zeugt von absoluter Unkenntnis der indoktrinierten, gehirngewaschenen Papageien-Christen.

Dass die Bibel Gottes Wort ist, bezweifle auch ich nicht, aber ein Buch der Gleichnisse. Sie ist von Menschen geschrieben (und tausendmal abgeschrieben), welche alle Gott auf ihre eigene Weise erfahren haben. Dadurch gibt es ohne Zweifel ein abgerundetes Gottesbild, führt also zur subjektiven Gotteserkenntnis. Der Sinn der Bibel aber ist nicht, reine Gotteserkenntnis zu vermitteln, sondern sie dient als sehr guten Wegweiser dorthin, wo Gott wirklich zu finden ist: im eigenen Herzen. Und dort kann man aber Gott nur finden, wenn man auch die Bedingungen, welche eben alle die verschiedenen Bibeln empfehlen, mit aller Kraft und strengster Konsequenz in die Tat, in den Alltag umsetzt! Die Bibel ist ein Manual, wie z.B. ein Fahrzeug-Handbuch, welches man durchaus auch mal weglegen kann, wenn man die Anweisungen begriffen hat. Kein Autobesitzer macht einen Kult aus dem Handbuch seines neuerworbenen Kfz´s.

Hier sehen wir die klaffende Diskrepanz zwischen dem einfachen Bibel-lesen und mühsamen Bibel-leben. Da wäre ich, glaubich, mit meiner ursprünglichen naiven Ansicht schon auf dem rechten Weg gewesen, dass „Bibeltreue“ bedeuten würde, getreu nach der Bibel zu leben!

Sola Scripura

Ein dritter Aspekt der komplett falsch verstandenen Bibeltreue ist die verwegene Ansicht, dass das gesamte Wort Gottes sich in der Heiligen Schrift erschöpfe. Das ist der vielleicht noch grössere Unsinn als das, was wir schon besprochen haben. Diese Meinung der entgleisten und verblendeten Bibeltreuen wird oft mit einigen aus dem Kontext gerissenen Bibelversen untermauert und dabei wird vergessen, dass sich die Bibel nicht durch sich selbst bestätigen kann, da bei der Schriftfassung der einzelnen Texte das Bibelkonzept noch bei weitem nicht existierte!

So wird oft das Wort

„...Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buche geschrieben ist; und wenn jemand etwas hinwegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gottt wegnehmen seinen Anteil ... usw.“ (Offb.22.18 ff)

auf die ganze Bibel angewendet. Dabei dürfte es jedem auch nur etwas normal denken Menschen klar sein, dass es sich nur auf das Buch der Offenbarung (des Buches dieser Weissagung) bezieht! Aber auf diese Weise schustert man sich ein eigenes Evangelium zurecht!

Als Super-Beweis, dass das letzte Wort von Gott gesprochen wurde, finden wir hier:

„... hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn ..“ (Hebr 1.2)

Also, Gott hat damit alles gesagt, was es zu sagen gibt – mehr braucht es nicht, zumal Paulus auch unmissverständlich verlauten liess:

„...Denn ich habe nichts zurückbehalten, daß ich euch nicht den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt hätte ...“  (Apg. 20. 27)

Nun vergessen aber die lieben und irregeleiteten Bibeltreuen, dass in der Bibel natürlich nicht ganz alles verzeichnet ist, was Paulus allen Gemeinden je gelehrt und gepredigt hat! Wie können wir dann behaupten, dass in der Bibel der „ganze Ratschluss Gottes“ verzeichnet ist? Ist doch absurd! Auch hier lesen sie etwas ganz anderes, als was geschrieben steht – was wiederum nicht ganz so bibeltreu ist.

Nun hat aber Jesus vor Seiner Auffahrt gesagt, dass Er noch vieles zu sagen hätte, sie (die Jünger) es aber nicht zu fassen vermöchten. Deshalb würde Er nach seiner Himmelfahrt einen anderen Beistand senden, den Geist der Wahrheit, der sie (die Jünger) an alles erinnern und sie in alle Wahrheit einführen würde. Diese Aussage wiederum verflechten die Bibelkultigen in einem gewaltigen Rank mit dem Erscheinen der Heiligen Schrift. Und damit erfinden sie eine neue, absolut unhaltbare Behauptung:

Keine weiteren Neu-Offenbarungen mehr!

Die Bibel sei nun endgültig die letzte Offenbarung Gottes! Und das ist ein weiterer Aspekt der folgsamen und leider nur beschränkt wahrnehmenden Bibeltreuen. Dass dem nicht so ist, haben wir im letzten Aufsatz (Urchristliche Versammlung) schon besprochen.

Die Bibel – die oberste Autorität

Ja, das ist ein fünfter Aspekt der meist unbelehrbaren Bibeltreuen: die absoltut oberste Autorität, die letzte Instanz der Weisheit und der Erkenntnis sei die Bibel. Ich frage mich: woher kommt nur all dieser Quatsch, den Millionen von indoktrinierten Mitläufer-Christen ohne eigenens Wissen und ohne den geringsten Anteil persönlicher Erkenntnis papageienartig nachplappern? Nun, die Antwort ist schnell ausgemacht, denn sie ist beileibe kein grosses Geheimnis: Der wahre Grund all dieses durch nichts zu überbietenden Unsinns ist der 500 Jahre alte, immer noch lebendige und mächtig gefeierte Professor und Doktor der Theologie Martin Luther, mit bürgerlichem Namen einfach Martin Lüder genannt. Er erfand das „Sola Scriptura“ – das „nur die Bibel allein“.

Dabei gibt es viele hunderte von tiefgreifenden Schriften, welche von ebenso gotterfahrenen Männern und Frauen verfasst wurden und viele tausende von interessanten Offenbarungen und lehrreichen Kundgaben, welche die verschlüsselten und schwer verständlichen Verse und bilderreichen Gleichnisse der Bibel(n) kompetent erklären und auf dem dornigen Weg der Heiligung auf wundersame Weise behilflich sind. Auch ist es keine Sünde oder sonst gegen den Heiligen Willen Gottes, das beschränkte Bewusstsein ein bisschen zu erweitern, um die wichtigsten Zusammenhänge des unsichtbaren Geistigen Reiches besser zu verstehen. Wenn ich an die packenden Schriften von Pfarrer Bumhardt, Carl Wickland, Johannes Greber und viele, viele, viele andere denke, so stützt sich das christliche Bewusstsein auf weitere und feste Pfeiler des selben stabilen Fundamentes. „Nur die Bibel allein“ ist ein Wahnwitz ohnegleichen!.

Von dem aber hält uns Luther ganz bewusst ab. Er wollte eine machtvolle Kirche, keine starke Gläubensmänner. Und das ist ihm auch gelungen. Und zwar gründlich und nachhaltig.

Wenn ich mein Pferd aufzäume, erhält es Scheuklappen, damit es nicht bei jeder Strörung auf der Strasse erschrickt. Die Luther-Christen werden zwar nicht mit Scheuklappen versehen, dafür aber mit einem unbarmherzigen Röhren-Blick auf die Bibel-Buchstaben, mit welchem sie die geistige Umgebung nicht im Ansatz mehr wahrnehmen können. Mein Pferd mit den Scheuklappen sieht immerhin noch einen Horizont und kann die Distanzen noch realistisch einschätzen, im Röhren-Blick ist aber die gesamte Sichtweise aufs Erheblichste gestört.

Ein kleiner Bibeltreue-Test

Nun wollen wir einen kleinen Test machen. Alle diejenigen, welche sich bibeltreu wähnen, können sich mit den Antworten auf folgenden Fragen als solche bestätigen:

1.    Bist Du wiedergeboren? Dann passiert es trotzdem mal öfters, mal weniger, dass du Dich selbst beim Sündigen ertappst. Aber da du wiedergeboren bist, hast du Vergebung der Sünden, wie auch Luther selbst sagt: „Wir sind Sünder und Gerechte zugleich - Simul iustus et peccator“.
Siehst Du das auch so?


2.     Du sagst, „Jesus lebt in mir!“
Trifft  das auf Dich zu?


3.    Spiritismus im Gottesdienst lehnst Du ab, denn Gott hat verboten Verstorbene zu befragen.
Ist das auch Deine Meinung?

4.     Du wartest auf die Wiederkunft Jesu, dass Er hinter den Wolken erscheint.
Trifft das auf Dich zu?


5.    Die Kirchen-, bzw.der Gottesdienstbesuch ist für einen Christen unabdingbar. dort bekommt er das Wort Gottes ausgelegt und er gelangt durch den Pfarrer/Prediger/Pastor zur Gotteserkenntnis.
Trifft das zu?

Antworten

Wenn Du, mein lieber Leser, ein Bibeltreuer bist, dann hast du wohl auf alle obigen Fragen mit „JA“ geantwortet. Aber diese „Bibeltreue“ ist mehr „Kirchentreu“, denn die Bibel sagt ganz klar „Nein“ zu allen obigen Fragen:

1.    Bist du wirklich wiedergeboren, dann hast Du die Sünde überwunden. Du sündigst nicht mehr, ja Du kannst gar nicht mehr sündigen. (1 Joh. 3.6. „Keiner, der aus Gott geboren ist, tut Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“)

2.    Wenn Jesus wirklich in Dir lebt, dann wandelst Du genau so, wie Jesus gewandelt ist. (1. Joh. 2. 3: „Wer da sagt, er bleibe in ihm (Jesus), der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener (Jesus) gewandelt ist.



3.    Paulus ermutigt die Gläubigen, nach der Gabe der Weissagung zu eifern. Weissagen kann aber nur ein Geist aus Gott, und deshalb kann auch nur ein Medium (Prophet) weissagen! (1. Kor. 14. 1, 3, 4, 5, 6, 24 „.. doch eifert auch nach den Geistesgaben, am meisten aber, daß ihr weissagen könnet!“)

  
4.    Das ist ein Metapher und darf nicht wörtlich genommen werden. Jesus sagt: „Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit Aufsehen. Man wird nicht sagen: Siehe hier! oder: Siehe dort ist es! Denn siehe, das Reich GottesGott ist inwendig in euch.“  Wenn das Reich Gottes bereits in uns ist, kann Jesus nicht von aussen kommen! „Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen einzigen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen.“ (Luk. 17. 20ff)


5.    Es steht nirgends in der Schrift, dass es besonders betitelte Menschen geben wird, denen die Vermittlung der Göttliche Wahrheit übertragen werden soll. Vielmehr sagt Jesus „Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe“. Die Bibel kann Er unmöglich damit gemeint haben, weil in der Bibel nicht alles verzeichnet ist, was Jesus in den drei Jahren den Jüngern alles gesagt hat! Dieser Tröster, der Heilige Geist oder Geist der Wahrheit, kann sich nur durch einen Propheten (Medium) kundtun. Wer unterrichtet nun die Gläubigen nach biblischer Aussage? Der Geist Gottes oder ein Schriftgelehrter (Theologe)?

Wir sehen nun, die „Bibeltreuen“ befinden sich auf äusserst dünnem Glatteis ohne festen Boden unter den Füssen und können keinen echten Halt finden. Wir wollen aber nun dieses Glatteis schmelzen lassen und eine echte, feste Stütze finden, welche auch in rauheren Zeiten standhält.

Die Alternative

Dass wir in der Bibel lesen ist mit Sicherheit förderlich für das geistige Wachstum, aber wir dürfen auf keinen Fall einen Bibelkult daraus machen. Die Bibel selbst gibt uns an verschiedenen Stellen klar Auskunft, wo die Quelle der Wahrheit liegt und wo wir diese unerschöpfliche Quelle anzapfen können. Verschlüsselt aber nur sagt sie uns auch wie wir diese Quelle anzapfen können und hier liegt dann vielleicht die Schwierigkeit von vielen Brüdern und Schwestern.

Hier kommen wir zu den schon oft besprochenen Gegensätzen von „Innen“ und „Aussen“, dem Unterschied zwischen „Innenleben“ und „Aussenleben“. Zum Aussenleben gehört der Gottedienstbesuch, das Predigthören und natürlich auch das Bibellesen. Was von Aussen in unsere Seele hineinkommt, geht über den Kopf, wo es zuerst vom Verstand bearbeitet wird und geht erst dann ins Herz – aber auch nur dann, wenn das Gehörte oder Gelesene erst in die Tat umgesetzt wurde! Erst dann kann das Herz seinen Anteil daran haben!

Nun spricht die Bibel offen davon, w o die Quelle der Wahrheit zu finden ist:

„Das Himmelreich ist inwendig in euch!“ (Luk 17. 21)

Da, wo das Himmelreich ist, dort ist auch Gott und da, wo das Himmelreich ist, ist auch Christus, die Engel und die ganze Herrlichkeit. Und da wo Gott, ist auch die gesamte Ressouce der Wahrheit. Ist es da nicht logisch, dass wir die Wahrheit dort suchen, wo sie zu finden ist?

Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst.“ (1. Kor. 6. 19)

Somit finden wir den Heiligen Geist, also den Tröster, den Beistand oder den Geist der Wahrheit oder wie immer Du ihn benennen willst, nirgends anders als alleine nur in Deinem Innern, in Deinem Innenleben! Nur was im Innern ist, ist unser Eigenes, was in unserem Äussern ist, ist Fremdes! Die Bibel zeugt also damit nicht von sich selber, sie zeugt alleine nur von Gott im Himmelreich – also in uns selbst!

Aber das Himmelreich umfasst ja nicht nur die Erkenntnis, sondern auch die Liebe und die Kraft Gottes.

Viel schwieriger als die „Ortung“ der Wahrheitsquelle ist deren Erschliessung. Es ist ja nicht so, dass in jedem Menschen der Heilige Geist in voller Kraft bereits am Wirken wäre, vielmehr spürt man bei den wenigsten Menschen etwas von dieser Göttlichkeit. Wenn nun auch die Quelle noch verschlossen ist, heisst das aber nicht, dass sie versiegt sei. Diese Göttliche Quelle im Herzen ist vielmehr deshalb verschlossen, weil das Herz selbst noch voll Unrat ist. Erst muss der Tempel gereinigt werden, das heisst das Herz muss von der Welt- und Selbstliebe befreit sein, erst dann kann die Quelle zu sprudeln beginnen.
Somit nützt es absolut nichts, wenn wir noch so fleissig in der Bibel lesen und ihr Studium sogar zum Lebensinhalt machen. Damit können wir niemals Fortschritte im Glauben und in der Gotteserkenntnis machen. Erst muss das Herz von allem Ungöttlichen freigemacht werden, da nur der Heilige Geist im Herzen die Gotteserkenntnis vermitteln kann.

Nun kommt die grosse Frage, auf welche Weise diese Quelle sprudeln kann. Auf welche Weise der Heilige Geist die Wahrheit ins Herz ausgiessen kann. Und hier gibt es verschiedene Wege, kürzere und längere. Es gibt auch zünftige Umwege. Aber fast alle diese Wege führen über das Aussenleben, wie oben schon erwähnt, über Predigthören, Bibellesen u.a.

Der schnellste Weg aber ist der, wenn der Heilige Geist direkt in unser Herz spricht. Es ist ausserdem auch der einzige Weg, der mit Sicherheit zum Ziel führt! Alle Umwege über unser Aussenleben ist mit viel Subjektivität anderer Menschen vermischt, wo die Reinheit der Wahrheit verlorengeht.

Genau deshalb hat Paulus niemals von Theologen, Priestern oder Predigern geschrieben, seine Versammlungen sind von direkter Geist-Einwirkung geprägt gewesen, wie seine eigene Bekehrung übrigens auch. Offenbarungen und Weissagungen waren der Hauptteil. Kein Mensch kann von sich aus weissagen, niemand kann von sich aus Gesichte und Visionen sehen oder Offerbarungen produzieren, wenn nicht die Geister Gottes dahinter stehen und diese Wirkungen den Gläubigen eingeben. Das sind die Gaben „des Geistes“ und nach denen sollen wir eifern.

Die Geister prüfen

Da es natürlich immer wieder vorkommen kann, dass nicht nur Heilige Geister, sondern auch niedrige sich einmischen können, ist die Gemeinde gehalten, diese Geister ständig zu prüfen und durchaus nicht alles einfach zu glauben, was sie kundgeben. Diese Geister sind den Propheten untertan!  

Das ist das Innenleben. Schade, die allermeisten Gläubigen haben keine Ahnung von diesem reichen Leben, das sich im Herzen abspielen könnte. Ja, die meisten haben nicht nur keine Ahnung davon, sie bekämpfen das sogar, wenn sie etwas hören, das mit Okkultismus und Spiritismus in Zusammenhang gebracht werden kann und schon ist das Thema für sie erledigt.

Jesus segne Dich!