Mittwoch, 4. März 2015

Urchristliche Versammlung I


Dass es mit den lutherisch basierten Kirchen-Gottesdiensten so seine geweisten Wege hat, haben wir in den vergangenen Aufsätzen zur Genüge beschrieben. Wir sollten zurückfinden zu den urchristlichen (Haus-)Versammlungen. Dass es hier anders „ zu und hergeht“, darauf werden wir in den nächsten Aufsätzen eingehen. Als Auftakt veröffentliche ich hier einen sehr interessanten Gastbeitrag von Dagmar Schubert, Betreiberin der Webseite Endzeit-Reporter . Herzlichen Dank, Dagmar!


 „Versammlung“ erwünscht

1.Korinther Kapitel 14, Vers 26

Was folgt nun daraus, ihr Brüder? Sooft ihr euch VERSAMMELT, hat EIN JEDER (etwas in Bereitschaft): Ein geistliches Lied (vgl. Eph 5,19), einen belehrenden Vortrag, eine Offenbarung, eine Zungenrede, eine Auslegung (derselben) – das alles lasst zur Erbauung (der Gemeinde) dienen!


Das Wort „versammelt“ kommt von dem Wort „Synergy“. Christliche Zusammenkünfte sind nicht dazu gedacht, eine Sprecher/Zuhörer-Struktur zu haben. Christen versammeln sich, um als Ebenbürtige zusammenzuarbeiten. Kommt zusammen, um gemeinsam etwas zu bewirken! Erlaubt, dass sich die Einzigartigkeit eines JEDEN geistig Wiedergeborenen und seiner Gaben sich manifestiert, wie ein Crescendo von lebendigen Instrumenten.


Damit dies stattfinden kann, muss eine bestimmte Erwartungshaltung vorhanden sein. Die Gläubigen sollen sich auf die Versammlung vorbereiten.


Es passiert IMMER etwas, wenn Gottes Volk zusammenkommt. Paulus schreibt:

1.Korinther Kapitel 12, Verse 7-19
7 Wenn die seelenlosen (oder: unbelebten) Musikwerkzeuge, obwohl sie einen Klang (= Töne) von sich geben, z.B. eine Flöte oder Zither, die einzelnen Töne nicht unterscheiden lassen, wie soll man da erkennen, was auf der Flöte oder auf der Zither gespielt wird? 8 Ebenso auch, wenn eine Trompete nur einen undeutlichen Schall hören lässt, wer wird sich da zum Kampfe rüsten? 9 So steht es auch bei euch: Wenn ihr beim Zungenreden keine deutlichen Worte vernehmen lasst, wie soll man da das Gesprochene verstehen? Ihr werdet dann eben nur in den Wind (oder: in die Luft) reden. 10 Es gibt wer weiß wie viele verschiedene Sprachen in der Welt, und keine ist (an und für sich) unverständlich; 11 wenn ich aber die Bedeutung (der Wörter) einer Sprache nicht kenne, so werde ich für den in ihr Redenden ein Fremdling sein, und der in ihr Redende bleibt für mich ein Fremdling. 12 So steht es auch mit euch: Weil ihr nach den Erweisungen des Geistes (= nach Geistesgaben) eifrig trachtet, so seid darauf bedacht, zur Erbauung der Gemeinde eine reiche Fülle von ihnen zu haben (oder: zu erhalten). 13 Deshalb möge der Zungenredner auch um die Gabe der Auslegung beten; 14 denn wenn ich in Zungenrede bete, so betet dabei wohl mein Geist, aber mein Verstand bleibt unbeteiligt. 15 Was folgt nun daraus? Ich will mit dem Geist (d.h. in der Verzückung) beten, will aber auch mit dem Verstande beten; ich will aber auch mit dem Verstande; 16 sonst wenn du ein Dankgebet nur mit dem Geist sprichst, wie soll da einer, der den Platz des Laien (= Unkundigen; vgl. V.23) einnimmt, das Amen zu deinem Dankgebet sprechen? Er versteht ja gar nicht, was du sagst. 17 Du für deine Person magst wohl ein treffliches Dankgebet sprechen, aber der andere wird dadurch nicht erbaut. 18 Ich danke Gott: Mehr als ihr alle rede ich in Zungen; 19 aber in einer Gemeindeversammlung will ich lieber fünf Worte mit meinem Verstande reden, um auch andere zu unterweisen, als viele tausend Worte in Zungenrede. JEDER in der Versammlung soll von der Manifestation des Heiligen Geistes profitieren.


Paulus erklärt uns hier, dass die Gabe einer JEDEN Person zum Nutzen aller Versammelten sein soll. Denn wenn man nicht zusammenkommt, um gemeinsam zu wirken, kann es sein, dass einige daraus keinen Vorteil ziehen. Die Bibel vermittelt uns die Vorstellung, dass Gott niemals im Sinn hat, dass eine Einzelperson oder eine „Elite“ die Kontrolle oder gar die Vorherrschaft über eine Versammlung haben soll. Eine Synergie oder Einheit entsteht NUR dadurch, dass alle Beteiligten interagieren In den Versammlungen soll es keine Bühne geben, keine geschlossene „Front“ im Raum, kein Rednerpult, keine Person, welche die Kontrolle hat. Alle sollen sich auf das Treffen mit einem persönlichen Studium und Gebet darauf vorbereiten. Wir alle kommen da in einer Gruppe mit unseren Kindern zusammen. Wir beten den HERRN gemeinsam an und warten darauf, was Er uns zu sagen hat. Manchmal ist es unangenehm zu warten; aber Gott spricht zu Seiner Zeit und nicht wann wir wollen, dass Er es tun soll. Der Heilige Geist bewegt sich unter uns wie ein fließender Strom und berührt jeden von uns auf unterschiedliche Weise mit einem anderen Aspekt oder einer Gabe, passend zum Thema. Wir teilen miteinander unsere geistlichen Einblicke und Zeugnisse darüber, was Gott in unserem Leben bewirkt hat und legen Ihm unsere Gebetsanliegen und Heilungswünsche vor. Wir ermutigen und erbauen einander und fühlen uns füreinander verantwortlich. Und unsere Kinder sind genauso ein Teil der Versammlung wie die Erwachsenen.

Hebräer Kapitel 10, Verse 24-25

24 Und lasst uns auch aufeinander Acht geben, um uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Werken anzuregen, 25 indem wir unsere Zusammenkünfte (= Versammlungen) nicht versäumen, wie das bei etlichen Gewohnheit ist, sondern uns gegenseitig ermuntern, und zwar umso mehr, als ihr den Tag (der Wiederkunft Jesu) schon nahen seht.


Sich zu versammeln bedeutet, sich in ordentlicher Weise mit einer logischen Auswahl und Abfolge zu vereinigen. Alle Teilnehmer müssen zusammenpassen, um ein wirksames Ganzes (wie bei einem Radio oder einem Flugzeug) zu bilden. Die Versammlung muss immer mit einem bestimmten Zweck verbunden sein.


Viele Christen glauben, dass sie, solange sie am Sonntagmorgen eine Kirche besuchen, dadurch ihre Pflicht erfüllt hätten, so wie es die obige Bibelpassage verlangt. Aber der Schreiber des Hebräerbriefes hatte offensichtlich mehr im Sinn als eine Ansammlung von Heiligen zu beschreiben, als er von „unseren Zusammenkünften“ sprach. Man stellt ein Orchester zusammen, bildet eine Armee, und man stellt ein Fußballteam auf.

Aber dies tut man nicht mit einer Zuhörerschaft oder einer Gruppe von Zuschauern.


Wenn man ein Orchester zusammenstellt, muss jeder an seinem Platz und die Instrumente gestimmt sein. Die Holzblasinstrumente müssen ihren bestimmten Platz haben, sowie auch die Schlaginstrumente. Wenn das gesamte Orchester auf einer Wellenlänge liegt, darf kein Instrument sich hervortun. Denn wenn dies der Fall ist oder es aus dem Rhythmus kommt, kann man es sehr schnell ausfindig machen. Deshalb kommt ein Orchester auch jede Woche zusammen, um seine Musikstücke zu proben, solange bis alles fehlerlos über die Bühne geht.


Doch was sich heute in den meisten Kirchen abspielt, ist keine Zusammenkunft von vorbereiteten Gläubigen, sondern gleicht mehr einer christlichen Unterhaltungsshow. Die Leiterschaft ist mehr daran interessiert, das Gebäude zu fülle als an der Erbauung der geistliche Qualität der Versammelten. Zu diesem Zweck stellt die Leiterschaft professionelle Programmgestalter ein, um sicherzustellen, dass talentierte Leute den Gottesdienst leiten und dass die Versammlungsstätte ästhetisch und angenehm wirkt. Das Ziel der Leiterschaft besteht fast ausschließlich darin, den Versammelten so wenig wie möglich abzuverlangen und dafür zu sorgen, dass sie weidlich unterhalten werden, damit sie wiederkommen. So gibt und gibt die Leiterschaft jede Woche, während die Gläubigen, die sich versammeln, nur nehmen und nehmen. Das ist der Hauptgrund dafür, weshalb die Amtszeit eines Pastors in einer durchschnittlichen amerikanischen Kirche nur zwischen 2-5 Jahre beträgt. Denn nach dieser Zeit ist der Pastor total ausgebrannt. Oft kommt es vor, dass diese Pastoren dann völlig desillusioniert, verbittert, enttäuscht und wütend der Gemeinde und Gott den Rücken kehren.

Epheser Kapitel 4, Verse 15-16
15 Vielmehr sollen wir, die Wahrheit übend (oder: der wahren Lehre getreu), in (oder: durch die) Liebe in allen Stücken in Ihn (Jesus Christus) hineinwachsen (oder: zu Ihm heranwachsen), Der das Haupt ist, Christus; 16 denn von Ihm aus wird der ganze Leib fest zusammengefügt und zusammengehalten und vollzieht durch jedes Glied, das seinen Dienst nach der Wirksamkeit verrichtet, die dem Maß jedes einzelnen Teiles entspricht, das Wachstum des Leibes zu seinem eigenen Aufbau in Liebe.

Die Wörter „zusammengefügt“ und „zusammengehalten“ stammen auch von dem Wort „Synergie“ und sind wahrscheinlich das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn viele Teile zusammenkommen und zusammenwirken. Sie werden zu mehr als nur der Summe ihrer Teile. Die Bibel erklärt, dass wenn der Leib Christi zur Reife kommen soll, die verschiedenen Glieder zusammenkommen müssen; und es muss möglich sein, dass sie zusammenwirken. Dies geschieht nicht durch Predigt nach dem Sprecher/Zuhörer-Prinzip, sondern durch die Interaktion der ALLER verschiedenen Glieder und ihre Beziehung zum Haupt (Jesus Christus) und zueinander.

Hier finden wir, dass der Leib Christi „zunimmt“ oder zur Reife heranwächst. Und dies geschieht durch „effektive Zusammenarbeit“ (Synergie), wobei jedes Glied mitwirkt und nicht dadurch, was man allgemein als „Gottesdienst“ versteht. Wie manifestiert sich das? Dadurch, dass „jedes Glied seinen Dienst nach Wirksamkeit verrichtet“. Verbindungen entstehen, wo Knochen aufeinandertreffen. Die Beziehungen zwischen den Gliedern bringen den ganzen Leib Christi zum Wachsen. Steht das nicht im Widerspruch zu den vorausgehenden Versen?

Epheser Kapitel 4, Verse 11-12

11 Und eben Dieser (Jesus Christus) ist es auch, Der die einen zu Aposteln (= Heilsboten) bestellt hat, andere zu Propheten (vgl. 1.Kor 12,28), andere zu Evangelisten (d.h. Predigern der Heilsbotschaft), noch andere zu Hirten (= Seelsorgern) und Lehrern, 12 um die Heiligen tüchtig zu machen für die Ausübung des Gemeindedienstes, für die Erbauung (oder: den Aufbau) des Leibes Christi.


Vers 16 spricht über die Reife des Leibes Christi durch die Interaktion der einzelnen Glieder und durch deren Beziehung zueinander. Und in den Versen 11-12 ist davon die Rede, dass der Leib Christi durch den Gemeindedienst und deren Diener zustande kommt. Warum gibt es diesen Widerspruch? In Wahrheit ist das überhaupt kein Widerspruch, weil es sich dabei um dieselbe Sache handelt. Weil die Gabe zum Dienen JEDEM Glied am Leib Christi gegeben wird, damit ihm das hinzugefügt werden soll, was er braucht. Die Gaben des Heiligen Geistes sind eine Leihgabe an uns alle von Gott. Das ist auch der Grund, weshalb sich diese Gaben im Leben eines geistig Wiedergeborenen verändern können, weil nach einer gewissen Zeit andere Gaben gebraucht werden, um den Leib Christi zur Reife zu bringen. Aber wenn eine Kirche oder Gemeinde als Monarchie operiert, wie eine Pyramide mit abnehmender Macht, mit einem Pastor an der Spitze „über“ anderen Ämtern und der Gemeinde ganz unten, dann kann keine wahre geistliche Synergie entstehen. Und das ist der Grund, weshalb die Kirchen sich schon seit jeher in einem unreifen geistlichen Zustand befinden. Das will nicht sagen, dass eine Gemeinde keinen Pastor haben darf; aber der Pastor soll keine Kontrolle über seine Gemeinde ausüben.

1.Petrus Kapitel 5, Verse 1-4

1 Die Ältesten nun unter euch ermahne ich als ihr Mitältester und als der Zeuge (= Augenzeuge) der Leiden Christi, wie auch als Teilnehmer an der Herrlichkeit, deren Offenbarung bevorsteht: 2 Weidet die euch anvertraute Herde Gottes und überwacht sie, NICHT aus Zwang (= notgedrungen), sondern mit freudiger Bereitwilligkeit nach Gottes Willen, auch NICHT in schnöder Gewinnsucht, sondern mit Hingebung, 3 auch NICHT als Gewaltherrscher über die euch anvertrauten (Gemeinden), sondern als VORBILDER für die Herde; 4 dann werdet ihr auch, wenn der Erzhirte (= Oberhirt) erscheint, den unverwelklichen Kranz der Herrlichkeit empfangen.


Petrus ermahnt die Ältesten und Vorsteher hier, Vorbilder für die Gemeinde von Jesus Christus zu sein. Wahre Gemeindeleiter üben KEINERLEI Kontrolle aus. Das wäre nicht das, was einen Gottesdiener ausmachen soll. Wahre geistliche Führer opfern sich auf für die, denen sie dienen und sind deren Vorbilder, damit die anderen geistig Wiedergeborenen ihnen entsprechend nachfolgen. Wir müssen beachten, dass Pastor (Ältester/Vorsteher) zu sein nur EINER der vielen Aspekte des Dienstes für den HERRN ist. Nirgendwo in der Bibel wird uns gesagt, dass Pastoren die absolute Autorität über die Gemeindemitglieder haben sollen. In Wahrheit setzt sie Paulus ganz unten auf die Liste.

1.Korinther Kapitel 12, Verse 24b-25

24b Ja, Gott hat den Leib so zusammengefügt, dass Er dem weniger wichtigen Gliede desto größere Ehre zugeteilt hat, 25 damit keine Uneinigkeit im Leibe herrsche, sondern die Glieder einträchtig füreinander sorgen.

Das wird für viele Kirchen und Gemeinden eine Herausforderung sein, dahin zu kommen. Viele Kirchgänger lieben die Bequemlichkeit und dass sie keine Verantwortung tragen müssen und nur Zuschauer sein dürfen. Andere in den Kirchen und Gemeinden halten sich für etwas, was sie nicht sind. Christliche Leiter dürfen die Bemühungen der Gemeindemitglieder, Gott zu dienen, nicht unterdrücken, sondern ihre Aufgabe ist es, die Gläubigen zu lehren, anzuleiten und ihnen Gott ergebene Vorbilder zu sein.

 Dagmar Schubert




Jesus segne Dich!