Mittwoch, 10. September 2014

Vergebung oder Erlösung?


Das dürfte für einige wieder eine kuriose Frage sein. Wer Vergebung seiner Sünden hat, der ist erlöst und errettet. So würde jeder Pastor in der westlichen Hemisphäre behaupten, denn Vergebung aller Sünden erhalten wir aus Gnade durch den Tod Jesus Christus an Kreuz. Frage: Ist denn die Sünden-Vergebung die höchste Gnaden-Gabe Gottes für alle, die an Ihn glauben? Es gibt wohl kein Pastor, der diese Frage mit Nein beantworten würde. Und doch ist es so: Jesus ist nicht am Kreuz für die Sündenvergebung gestorben  sondern für die Erlösung von der Sünde!


Er hat Sein irdisches Leben für die Erlösung aus der Sünde geopfert. In dieser Erlösung ist natürlich die Vergebung der begangenen Sünden mitenthalten. Alle Welt ist fokussiert auf die Vergebung, aber von der Erlösung will kaum jemand etwas wissen oder meint eben, die beiden Begriffe bedeuten dasselbe.

Was ist der Unterschied?

1.       Die Vergebung

Die Kirchen lehren, dass wir (allein) durch den Glauben an Jesus Christus selig werden und  Vergebung unserer begangenen Sünden erhalten. Aber nicht nur die vergangenen, sondern auch die zukünftigen Sünden sind uns bereits vergeben. Das heisst, in jedem Fall kann uns keine Sünde mehr angerechnet werden –wenn wir glauben (akzeptieren, gut heissen), dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. Das kommt einem perfekten Persil-Schein gleich. Vor 2000 Jahren ist Christus gestorben, und heute gibt es keine Sünden mehr! Und die einzige Bedingung dazu ist die Akzeptanz der Gottes-Sohnschaft von Jesus Christus. Er habe die Sünden getilgt und damit ist der Glaubende, bzw.der Akzeptierende heilig, rein und gerecht.

Das lehren, wie gesagt, die Kirchen. Die Bibel jedoch sieht das nicht so. Nehmen wir das Beispiel vom reichen Jüngling, welcher in einigen Übersetzungen auch „Oberster der Juden“ genannt wird. Dieser Mann hörte die Aussagen Jesu und war Seiner Lehre offensichtlich ergeben, denn er fragte ihn selbst interessiert, was er tun sollte, um ins Himmelreich zu kommen, oder frommer ausgedrückt, um selig zu werden.

Die Antwort Jesu ist sehr bemerkenswert. Sagte Er „glaube an Gott und du wirst selig werden!“? Nein, Jesus antwortete, dass er ohne Sünden leben sollte. Er sagte, er solle alle Gebote halten. Dieser offenbar fromme und reiche Jüngling entgegnete Ihm, dass er diese bereits eifrig einhalte.
Und nun wirds erst richtig interessant. Nach neuzeitlicher Evangeliums-Lehre müsste spätestens jetzt Jesus entgegnet haben, dass er an Ihn oder an den Vater im Himmel glauben sollte und er wäre gerettet. Aber Jesus sagte das nicht. Warum? Weil dieser Mann ja offensichtlich bereits an Gott glaubte und dieser Aufforderung nicht mehr bedarf. Und trotzdem dass er ein Glaubender war, forderte ihn Jesus zu einer Tat auf, welche dieser Mann unmöglich erfüllen konnte: nämlich alle seine Besitztümer zu verkaufen und den Erlös an die Bedürftigen verschenken.

Dies war eine persönliche Bedingung Jesu an einen Gläubigen. Nichts von „Glauben-allein“! Nicht nur das Einhalten der Gebote brachte ihn in den Himmel, sondern allein die Absage an die Bindung zur Welt, zur Materie und zum Vergänglichen. Also, die Rede ist nicht von Sündenvergebung und nicht vom Glauben, sondern von der Erlösung von der Welt.

Soweit die Lehre Jesu. Weshalb lehren aber die Kirchen etwas anderes? Und worauf ist diese unterschiedliche Lehre zurückzuführen? Lange habe ich darüber nachgedacht, weshalb fast alle Kirchen von der Sündenvergebung durch den Glauben allein derart eingenommen sind, dass sie nichts anderes gelten lassen. Lange hats gedauert, bis ich die Antwort bekam. Der „Glaube-allein“ ist es, welcher heute als Doktrin in der Kirchen-Welt alleinige Gültigkeit hat. Und dieses „Allein“ ist eine Schöpfung von Dr. Martin Luther. Es wird von der lutherischen Theologie freimütig zugegeben, dass Luther dieses Wort selbst hinzugefügt hat, da es in den verschiedensten Urtexten nicht existiert, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit „durch den Glauben allein seid ihr gerettet“.

Die Sündenvergebung, welche somit sehr einfach zu erlangen ist, wird nun als alleiniger Garant gelehrt, um in den Himmel zu kommen.

Und wenn es noch so wäre, dass diese Vergebung vor 2000 Jahren als einzige Bedingung gälte, so wird sie dennoch falsch gelehrt. Denn niemals nur der Glauben-allein, sondern handfeste Werke, also Tätigkeiten wären die mindesten Vorbedingungen:

1.       Sündenerkenntnis und die daraus hervorgehende Reue und Busse sind die erste Teilbedingung für die Vergebung.

2.       Dann folgt die Umkehr. Also das Verlassen des gottlosen, das heisst, des sündigen Lebens. Nicht mehr sündigen, heisst die Devise!

3.       Die dritte unverzichtbare Teilbedingung ist das Vergeben all denen, welche gegen uns sich versündigt haben.

Ohne diese Werke gibt es keine Vergebung. Wo bleibt nun das „allein durch den Glauben“°? Wir sehen, dass uns Martin Luther mit dieser offensichtlich falschen Lehre in die Irre geführt hat.
Nun kommt aber noch ein Punkt dazu. Paulus erklärt uns im Römerbrief (Kap. 1), dass Gott die Menschen dahingeben hat „in die Gelüste ihrer Herzen, zur Unreinigkeit, daß sie ihre eigenen Leiber untereinander entehren ... als solche, die voll sind von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit; voll Neid, Mordlust, Zank, Trug und Tücke,Parallelstellen anzeigen Ohrenbläser, Verleumder, GottesverGottächter, Freche, Übermütige, Prahler, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam;Parallelstellen anzeigen unverständig, unbeständig, lieblos, unversöhnlich, unbarmherzig;Parallelstellen anzeigen welche, wiewohl sie das Urteil GottesGott kennen, daß die, welche solches verüben, des Todes würdig sind, es nicht nur selbst tun, sondern auch Gefallen haben an denen, die es verüben“. Alle Menschen sind dem preisgegeben, wohlverstanden!

Weil nun die Menschheit diesem gottlosen Treiben preigegeben sind, so ist es mit einer billigen und pauschalen Sündenvergebung nicht getan. Dieser esotherische „Glauben“ gibt dem „Gläubigen“ eine Schein-Sicherheit und damit eine Illusion.

Um aus diesem „Dahingeben“ oder „Preisgegeben“ an die Sünde errettet zu werden, braucht es die Erlösung.

2.       Die Erlösung

Dieses Dahingegeben-Sein an die Sünde hat noch einen anderen Namen: die Knechtschaft der Sünde. Der Menssch ist der Sünde Knecht, wie Paulus dies sehr treffend und absolut nachvollziehbar im Kap. 7 des Römerbriefes beschreibt und schliesslich verzweifelt fragt: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ Paulus fragt das zwar, die Antwort wusste er aber schon, denn im vorhergehenden Kapitel 6 hat er die Lösung schon erwähnt:

Wisst ihr nicht: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen, es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde gewesen, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist. Nachdem ihr aber von der Sünde befreit wurdet, seid ihr der Gerechtigkeit dienstbar geworden.“ (Röm. 6. 16)

Nun sehen wir genau, dass es eben nicht allein um die Vergebung der Sünden, sondern um die Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde geht. Wer aber aus dieser Knechtschaft befreit ist, hat auch automatisch die Vergebung der begangenen Sünden!

Nun sehen wir die Bedeutung, welche Jesus veranlasste, dem reichen Jüngling diese schon erwähnte Antwort zu geben. Es geht um die Aufgabe der Bindung an die Welt, welche eben diese Knechtschaft der Sünde ist.

Die Kirchen, und damit meine alle die lutherischen Landes- und Freikirchen, welche übrigens in der ACK und auch im Weltkirchenrat zusammengefasst sind, kennen die Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde nicht! Für sie ist die Erlösung einfach die Vergebung.

Wo findet man den Urheber dieser offenkundig falschen Lehre? Richtig, ebenfalls bei Dr. Martin Luther. Dieser Mann kannte keine Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde, er lehrte stattdessen, dass wir Menschen „Sünder und Gerechte zugleich (simul iustus et peccador)“ seien. Es ist ja schon verwunderlich, dass sich solche Irrlehren bereits über 500 Jahre halten können.

Ein anderer Mann, Nikodemus, fragte ebenfalls Jesus, was er tun müsse, um in den Himmel zu kommen. Ihm gab Jesus die bekannte Antwort, dass er wiedergeboren werden müsse. Diese Wiedergeburt bezwecke, dass die alte Natur ausgezogen und die neue Natur angezogen werden müsse. Das Aalte sei dann vergangen, und alles werde neu. Eben, eine Geburt aus dem Geist. Wenn die Seele den alten Adam durch den Neuen ersetzt hat, dann bedeutet es dasselbe, wie beim reichen Jüngling, dass plötzlich nicht mehr die Materie, sondern nur noch das Geistige zählt. Nicht mehr das Aussen-, sondern nur noch das Innen-Leben zählt! Dieses Leben aus dem Geist entspricht der Erklärung des Paulus im Römerbrief im 8. Kapitel.

Die Kirche aber, bzw. die ACK-Kirchen, lehren, dass diese Wiedergeburt bereits bei der Bekehrung stattfindet. Ungeachtet dessen, dass nach der Bekehrung noch alle alten Begierden und Leidenschaften noch voll funktionsfähig sind! Doch woher kommen solche Ansichten, welche zur Doktrin geworden sind? – Ja, richtig geraten, der Urheber ist auch hier Dr. Martin Luther, weil er seine Bibel dahingehend modifiziert hat, dass er an allen betreffenden stellen nicht von „wiedergezeugt“ sondern von „wiedergeboren“ spricht. (Beide Ausdrücke haben dasselbe griechische Wort genneo als Basis.)

Wenn wir also Vergebung unserer Sünden haben wollen, dann müssen wir die Erlösung aus deren Knechtschaft anstreben. Dieser Weg ist schmal und mit vielen Disteln und Dornen versetzt. Dieser Weg aber hat ein Ziel und wer diesen Weg gehen will, hat die Hälfte bereits schon zurückgelegt!

Jesus segne Dich!