Mittwoch, 27. August 2014

Der David-Test

Schon seit ich die Bibel kenne hat der 1. Psalm eine tiefere Bedeutung für mich. Ja, er ist ein Vorschatten für das Evangelium in Neuen Testament. Und zu allem bietet er uns eine willkommene Möglichkeit, unseren Glauben und unser Herzen einer ernsten Prüfung zu unterziehen.

Interessant ist, dass genau dieser Psalm in der Nummerierung die Eins trägt. Das kommt nicht von Ungefähr, denn der Beginn, die Eins, legt sozusagen den Grundstock, ist die Basis, auf welcher alles andere aufgebaut wird. Und wie das David gelungen ist, mit wenigen Worten so viel auszudrücken, ist erstaunlich.




Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rate der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen; sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und in seinem Gesetze forscht (and. Übers.: sinnt) Tag und Nacht.


Diese ersten beiden Verse dividiert die Menschen in zwei Gruppen. Nicht in drei, wie man dies heute tun würde. Die Gottlosen, die Spötter und die Sünder auf der einen Seite und auf der anderen diejenigen, welche die Lust am Gesetze des Herrn haben. Dabei gäbe es doch noch jene, welche dort sitzen, wo die Spötter sitzen und gleichzeitig die Lust haben am Gesetz des Herrn! Für David gab es nur die beiden Extreme, entweder heiss oder kalt. Und warum? Weil David das Evangelium des Martin Luther nicht gelesen hat. Dieser lehrt nämlich „Sünder und Gerechte zugleich“ (simul iustus et peccator). Diese eigenartige Ansicht lässt darauf schliessen, dass Luther wohl kaum ausreichende Bibelkenntnisse gehabt hat, jedenfalls war er - und ist immer noch - ein blendendes Beispiel für diese bei David nicht existente dritte Gruppe. Und dies macht(e) Schule. Wieviele „Gläubige“ sitzen Tag für Tag dort wo die Spötter, die Gottlosen und die Sünder sitzen? Sie sitzen eine, vielleicht zwei Stunden vor dem Altar der Gottlosen und lassen sich anlügen, bezirzen, stillen ihre Neu-Gier und haben ihre Lust am Vergänglichen. Zwischen Tagesschau und Sportschau brüten sie dann über die Frage, wie der Glauben allein die Sündenvergebug ermöglicht, damit sie bald zur Rechten Gottes sitzen dürfen um die Ungerechten, die Gottlosen, die Spötter und die Sünder zu richten.



Besser lauter statt Luther


Wie wir am Schluss des Aufsatzes sehen werden, haben diese lauen „Geschwister“ kaum ein lauteres Herz, sondern ein Herz voller Materie und Vergängliches. Zwar ist der Geist Gottes nicht ganz verkümmert, aber sein Licht reicht nur gerade mal aus, dem Blinden einen kleinen Schimmer zu vermitteln, aber für die Zusammenhänge der Wahrheit reicht es nicht.


Nicht so, wer in Davids Psalm „Tag und Nacht im Gesetze Gottes forscht“, denn „der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blätter nicht verwelken, und alles, was er macht, gerät wohl“. Die Wasserbäche haben alle eines gemeinsam: Sie haben eine Quelle. So wie das menschliche Herz auch eine, oder besser gesagt, sogar zwei Quellen hat. Eine Quelle ist die reine, gespeist von Gott, welche das lebendige Wasser in Form von reinen, himmlischen Gedanken sprudeln lässt und die andere Quelle, welche mit dem trüben Wasser der Massenmedien, den Vergnügungen und allen weltlichen Beschäftigungen gespeist wird. Mischt man nun die beiden Wasser, so ist das Resultat voraussehbar: es gibt nur trübes!


Deshalb gab es für David nur die reine Quelle, weil nur dieses Wasser dem Baum die rechte Frucht garantieren kann. Jesus sagt „Wer an Mich glaubt (als Täter des Wortes, nicht als Hörer allein!, H.K.), aus dessen Leibe werden, wie die Schrift sagt, Ströme des lebendigen Wassers fließen.“ Dieses Lebendige Wasser darf sich nicht vermischen mit dem trüben, ja, es darf kein trübes vorhanden sein! Also, wer meint, Sünder und Gerechter gleichzeitig zu sein, ist so ziemlich auf dem Holzweg: „Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind zerstreut. Darum werden die Gottlosen nicht bestehen im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten; denn der Herr kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg führt ins Verderben.“ Die Sünder, ob sie nun „gläubig“ sind oder nicht, haben alle dasselbe Los: sie können nicht bestehen in der Gemeinde der Gerechten! Luther wird das wohl inzwischen erfahren haben, aber diese späte Erkenntnis wird ihm nicht mehr viel nützen.


Somit wird uns klar, es ist besser von den andern als „extrem“ beschimpft zu werden als von Gott „lau“.


Nun, was aber heisst es denn so ganz genau, wenn David sagt „... seine Lust hat am Gesetz ... und forscht (sinnt) Tag und Nacht“? Statt „Gesetz“ dürfen wir auch lesen „Wort“ oder „Liebe“. Das will heissen, dass sinnen auch denken heisst. So auch forschen. Diese Seele setzt sich mit seinem Gegenstand Tag und Nacht auseinander, denkt (sinnt) nichts anderes und hat keine anderen Interessen. Diese Seele öffnet sich für die reine Quelle und das Herz wird überströmt mit himmlischen Gedanken. Eine solche abgesonderte, heilige Seele vermischt sich nicht mit dem Trüben, Materiellen und Vergänglichen. Deshalb kann sich dieses Lebendige Wasser nicht mit dem trüben vermischen. Wer aber vor dem TV sitzt oder im Sportverein, dessen Quelle kann nicht rein sein.


Der David-Test


Diesen Test wollen wir in zwei Uebungen angehen. Wir gehen davon aus, dass eine Quelle nur das Wasser hergeben kann, mit welchem sie gespeist wird. So auch unser Herz. Es können nur solche Gedanken aufsteigen, welche drin sind!


Erste Übung:


Erforsche in deinem Gedächtnis, als du das letzte Mal eine eintönige Tätigkeit verübtest, bei welcher nicht deine ganze Konzentration beansprucht wurde. Zum Beispiel eine längere Autoreise, beim Geschirr-Abwasch, ein Spaziergang oder was auch immer. Nun erinnere dich an zwei Sachen. Welche Gedanken kamen in dir hoch und bei welchen Gedanken bist du hängen geblieben? Waren es ausschliessliche fromme Gedanken, etwa wie du deinem Nachbar, Arbeitskollegen oder wem auch immer, in seiner Not beistehen kannst oder waren es deine Sorgen, was du wohl zu Mittag kochen könntest, den bevorstehenden Ausflug am nächsten Wochenende oder hast du dich sogar mit deinem Chef in Gedanken auseinandergesetzt? Waren deine Gedanken konstruktiv oder destruktiv? Welches sind deine Gedanken oder Phantasien wenn du nicht einschlafen kannst?


Zweite Übung:


Wenn du alleine und ungestört bist, setze dich auf einen Stuhl oder ein Sofa. Mache eine Konzentrationsübung in dem du dir vornimmst, zwanzig Minuten über das erste Gebot nachzudenken. Sage in Gedanken immer wieder den Wortlaut und überlege dir, wie du dieses Gebot Gottes für dich und deine Situation interpretierst. Nun achte darauf, welche Gedanken entgegen deinem Willen in dir aufsteigen und welchen du dann, auch nur für kurze Zeit, nachhängst. Gehörst du zur grösseren Gruppe, auch wenn du gläubig bist, deren Herz voll unwichtigem Zeugs ist oder gehörst du zur kleinen Gruppe, deren Herz voll vom Lebendigen Wasser ist? Du wirst sehen, dass ausschliesslich solche Gedanken in dir hochsteigen, mit welcher Materie du dich mit Interesse (Liebe) widmest.


Jesus segne dich!