Mittwoch, 20. August 2014

Das Geheimnis der Gottseligkeit II

Gastbeitrag von Jakob Ganz

Frohlocket demnach, hüpfet auf vor Jubel, die ihr den inneren Christus im Geist kennet, und von Ihm erkannt seid, die ihr eine lebendige Überzeugung und Gewissheit habt, dass Er euch vollkommen erlösen wird! Schon während eures Leidens und Sterbens mit Christo könnt und dürft ihr euch im Geist unaussprechlich freuen, weil ihr durch eine lebendige Hoffnung wisset, dass auf dieses geistige Sterben ein neues, ewiges und unsterbliches Leben folgt, eine selige Auferstehung, der volle Tag der Ewigkeit. Auf die Tränensaat folgt eine ewige Freudenernte.

Selig ist also der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat allen denen, die Ihn lieben. Auf denn, ihr geistlich Gekreuzigten und Sterbenden! Lasst euch nicht lass und mutlos machen durch kleine Leiden, Anfechtungen und Widerwärtigkeiten, sie mögen heißen wie sie wollen. Sterbet fort und fort dem alten Adam ab, bis der neue Adam, der Herr vom Himmel, als der Letzte über dem Staub eurer geistigen Vernichtigung stehen und siegreich überwunden haben wird. Keine Spur darf mehr übrig bleiben vom alten Sinnenleben, sondern das göttliche Leben Christi, das Leben der Ewigkeit, soll an dessen Stelle sein, welches hier in dieser Zeit noch geschehen kann.

Fangt nur herzhaft an zu glauben, dass es dem Herrn möglich sei, euch dahin zu bringen. Tut Ihm doch diese Ehre an, so werdet ihr gleich seine verborgene Kraft in euch empfinden, allem Bösen zu widerstehen, und alles zu überwinden, was euch hindern könnte, nach dem vorgesteckten Ziel eurer himmlischen Berufung Gottes in Christo Jesu nachzujagen.

Wenn ihr fallet, so stehet wieder auf und wandelt mit getrostem Mut fort. Fehlt ihr aus Schwachheit und Übereilung, oder mag der alte Mensch euch oft überwältigen, so gebet den Mut nicht auf. Haltet euch fest an den Herrn, den Gott eures Heils, den ihr nun in euch gefunden habt! Wenn es auch finstere, trostlose Mitternacht in eurem Gemüt wird, so denket an das Wort, dass Gott im Dunkeln wohne! gleich wie die Sonne dennoch scheint, wenn sie auch hinter den Wolken verborgen ist.

Fühlt ihr euch schwach, so übergebt euch wie ihr seid und könnet, dem starken Herrn Christo in euch, so wird seine Stärke eure Schwachheit verschlingen, dass ihr nach und nach in Ihm stark und männlich werdet. Der neue Mensch wird so kräftig heranwachsen, dass er den alten Menschen besiegen und vernichten wird, insofern ihr nur treu seid in der steten Überlassung und in geduldigem Leiden. Lernet mit David harren von einer Morgenwache bis zur andern, seid den Knechten gleich, die auf ihren Herrn warten.

Selig sind diese Knechte, die der Herr, wenn Er kommt, wachend findet. Wartet und eilet auf die Zukunft des Tages Gottes in euch, wartet durch geduldiges, standhaftes Ausharren, und eilet mit Sehnsucht und brünstigem Verlangen, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden. Die Knaben zwar werden müde und matt, und die Jünglinge fallen, aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler (sich über alles Irdische und Geschaffene hinwegschwingen mit den Flügeln des Glaubens und der Liebe in das Übersinnliche, Himmlische, Ewige, in das reine Land, wo nur Liebe ist), dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden (Jes. 40,29–31). Das geistige Gekreuzigtwerden, Leiden und Sterben mit Christo, wodurch der alte Mensch mit all seinen Werken ausgezogen, gänzlich abgetan, und dem Fortsündigen auf immer ein Ende gemacht, und hingegen der neue Mensch angezogen wird, der nach Gott geschaffen ist – ist eben die Hauptsache des neuen Bundes, worauf Christus und seine wahren Apostel am meisten gedrungen haben.

Der innere, geistige Christus, der das Wort Gottes selbst ist, ist der wahre Grund, den Paulus bei allen seinen gepflanzten Gemeinden gelegt hat. Hätte man ihn nachgehendes fortgelehrt, so wäre das Reich Gottes in kurzer Zeit auf Erden überall offenbar geworden und in Flor gekommen. Da man aber von dem inneren, geistigen Christo abgefallen, und nur bei der äußeren Person Christi im Fleisch stehen geblieben ist, so wurde die Sonne der Gerechtigkeit verfinstert, das Reich Gottes am Wachstum gehindert, und die Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit aufgehoben. Stattdessen wurde die allgemeine Kirche ein abgöttisches Babel voll von Vernunftsweisheit, Bilderwesen und Verwirrung, dass keiner den andern mehr verstand.

Nun aber verwandelt sich das geduldig leidende und sterbende Lamm Gottes in den Seelen zum starken, furchtlosen, alles überwindenden Löwen vom Stamm Juda, indem der wahre Christus an diesem jüngsten und dritten Tag geistlicherweise in seinen Gliedern aufersteht, das Reich der Erde einzunehmen, und das Reich des Widerchrists zu vertilgen durch die Zeugen der Wahrheit. Der Widerchrist wird nach und nach gänzlich entthront, seine Herrschaft geht zu Ende, er kann und darf nicht mehr wie in den vorigen Zeiten mit Feuer und Schwert wüten gegen diejenigen, die ihn durch das lebendige Christentum entlarvten.

Die Streiter des Lammes erhalten nebst dem Löwenmut auch Licht und Weisheit, äußere Religions- und Gewissensfreiheit, und also eine offene Tür, die niemand zuschließen kann. – Helle Posaunenstimmen werden jetzt ausgesendet, um die Wahrheit hell, lauter und klar zu verkündigen, und die Auserwählten zu sammeln von einem Ende der Erde bis zum andern Ende des Himmels. Das ewige Evangelium wird nun verkündigt denen, so auf der Erde wohnen, welches ist JESUS CHRISTUS, gestern und heute, und derselbe in Ewigkeit, nämlich nicht wie bisher im allgemeinen, sondern im Geist und in der Wahrheit. – O herrliche Zeit! o angenehmer Tag des Heils! o Licht der Wahrheit, wie hell leuchtest du in der Finsternis, die dich zwar nicht begreifen kann, aber von deinem allmächtigen Glanz verschlungen wird.

O ihr Wahrheit suchenden Seelen! lasst euch doch nicht länger mehr durch den großen Unglauben zurückhalten, als wäre es unmöglich, in diesem Leben schon gänzlich erlöst und in den paradiesischen Stand des Friedens und der wesentlichen Wiedervereinigung mit Gott zu gelangen. Dafür ist Er ja im Fleisch erschienen, und hat uns die Möglichkeit erworben, dazu zu gelangen. Es ist die ewige Wahrheit, aber sie scheint fremd, neu und unbekannt, dass es einem das Herz zerreißen möchte. Die Wahrheit muss wieder öffentlich gelehrt und befolgt werden, dass wir nämlich durch das Leiden, Sterben und Auferstehen mit Christo im Geist, schon in dem Leben zur himmlischen, göttlichen Natur hinauf geadelt, und also in den Stand gesetzt werden können, nicht mehr zu sündigen.

Denn wer Sünde tut ist ja vom Teufel, sagt Johannes, und dazu ist der Sohn Gottes eben erschienen, dass Er die Werke des Teufels zerstöre – erschienen, dass Er unsere Sünden hinwegnehme, und in Ihm ist keine Sünde – dass wir also dann kraft dieser göttlichen Natur auch Gottes Gebote vollkommen halten, und des Vaters Willen vollkommen tun können. Es ist ja so natürlich, dass wenn der wahre Christus in uns erscheint, lebendig und offenbar wird, Er noch das gleiche Geschäft verrichtet, wie vor 1800 Jahren in der Person Jesu von Nazareth! O ewige Wahrheit! Warum wirst du so verkannt und bestritten!

Warum sollen die armen Seelen glauben, dass sie bis zum Tode immer die gleichen armen, schwachen, elenden, sündigen und unvollkommenen Menschen bleiben müssten, da doch dies im Worte Gottes nirgends ausgedrückt wird, und also der Wahrheit ganz entgegen ist! Wohl aber heißt es: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Wandle vor mir und sei vollkommen, heißt es eigentlich im Grundtext. Ach seid doch nicht mehr so ungläubig, so engherzig und in euch selbst eingesperrt, gebt doch Gott einmal die Ehre! Schleppt euch doch nicht mit dem alten Adam bis zum leiblichen Tod herum.

Stützt euch nicht nur auf diejenigen Schriftstellen, die den Menschen zum Sünder machen, weil er noch nicht durch Christum erlöst ist, und wodurch ihr euch im Unglauben nur noch mehr versteift. Durch den leiblichen Tod werdet ihr ja um kein Jota seliger und vollkommener. Wie der Baum fällt, so bleibt erliegen; wie ihr sterbet, so findet ihr euch in demselben Augenblick in der Ewigkeit wieder. Ach raubt doch Christo nicht länger seine Ehre, vernichtet doch nicht seine Vollkommenheit. Er ist ja ein vollkommener Gott, und kann vollkommen selig machen. Christus im Geist macht ja allen Klagen über Sünden, Schwachheit, Unwürdigkeit und Unvollkommenheit ein Ende, laut den klaren Aussprüchen der Heiligen Schrift (Rom. 6,1; Joh, 3 usw.) Ihr macht Ihm so keine Ehre, sondern tut Ihm Schmach an, und macht Ihn zum Lügner! Klagen, Schmerz und Jammern über die Sünden hat seine Zeit und muss auch sein, wer aber von ganzem Herzen der Sünde absagt, und von nun an Gott lieben und seinen Willen tun will, ein solcher hat gleich Vergebung aller seiner vormals begangenen Sünden.

Es wird ihrer ewig nicht mehr gedacht werden, wie der Herr selbst bezeugt, nur dass ein solcher treu nach dem Wort des Lebens fortwandelt. So muss er ja nicht die ganze Lebenszeit mühselig und beladen sein, nicht immer jammern, zagen und mit dem Ich geplagt sein, und in Sünden leben, sondern er wird durch CHRISTUS IN UNS ins himmlische Wesen versetzt, in ewige Ruhe und unwandelbaren Frieden, nachdem der alte Sünder ist geschlachtet und gänzlich abgetan worden, auch der volle Stolz, die Ichheit, die Selbstgefälligkeit und alles ungöttliche Wesen. Stattdessen herrscht der im Geist auferstandene neue Mensch, CHRISTUS, und dieser kann und will ja nicht sündigen, denn Er ist vollkommen und heilig wie Gott, sein Vater!

O ihr ewig seligen Seelen! denen dieses große, gottselige Geheimnis innerlich kundgeworden ist, und die ihr es an euch selbst erfahret – trinket unaufhörlich aus der unversiegbaren Quelle des lebendigen Wassers, von dem neuen Wein des Reiches Gottes, das wirklich in euch gekommen ist! Keine Macht der Hölle kann euch aus eures Vaters Hand herausreißen, nichts mehr euch scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserem Herrn! Ihr seid es, die mit Paulus das Siegeslied anstimmen können: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Tod! wo ist dein Stachel? Hölle! wo ist dein Sieg? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, und die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum!“

So kann und soll sich billig der durch Christum in uns freigewordene und in Ihm auferstandene Christ freuen und sich abermals freuen, der jetzt den neuen, auf dem weißen Stein der Versöhnung, Unschuld und Reinheit gegrabenen Namen trägt, den niemand kennt, als der ihn empfängt!

Nun erst geht es an ein Wachsen und Fortschreiten in Gott, von Klarheit zu Klarheit, von Vollkommenheit zu Vollkommenheit! So ziehe denn aus, o ewige Wahrheit! Siege, siege und triumphiere über das Reich der Lüge und der Finsternis, damit das Reich Gottes in allen Gemütern und endlich auf der ganzen Erde offenbar, und Gott durch Christum König werde überall! Dir, o Wahrheit! zur Ehre und zum ewigen Heil der Seelen ist diese Schrift geschrieben worden. Begleite sie mit deiner Kraft und deinem Geist, und lasse alle Herzen der Leser wahrhaftig und ganz für dich gewonnen werden!