Mittwoch, 11. Juni 2014

Verklärung und Verwandlung


Nach der Leidensankündigung und dem nochmaligen Verinnerlichen  der wichtigsten  Geboten für Seine Nachfolge sagte Jesus einen bemerkenswerten Satz:

Wahrlich, ich sage euch, es stehen etliche hier, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie des Menschen Sohn haben kommen sehen in seinem Reich  (Matt. 16. 28)

Bemerkenswert ist diese Aussage deshalb, weil Er erstens das zu allen Jüngern gesagt hat, aber dass nur einige (genauer: drei) in den Genuss dieser Verheissung kommen werden und da entsteht die Frage: weshalb die andern nicht? Zweitens spricht der Herr hier von einem „Kommen in Seinem Reiche“, also noch zur Lebzeit dieser Jünger. Was für ein Kommen hat Er hier angekündigt? Das Kommen des Trösters, des Heiligen Geistes an Pfingsten oder das Kommen, um seine Brautgemeinde zu entrücken, wie viele glauben?


Weder noch! Das Kommen oder Wiederkommen unseres Herrn darf man sich nicht als einen spektakulären Event vorstellen, sondern dies ist eine ganz persönliche Erfüllung für jeden einzelnen Gläubigen, dessen reife Seele soweit vorbereitet ist. Die obige Verheissung wurde dann auch bereits schon knapp eine Woche später erfüllt:

 Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus und Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie beiseite auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verklärt, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm.  (Matt. 17. 1ff)

Weshalb nahm Jesus nicht alle 12 Jünger mit, denn sie alle sollten doch dieselben Erfahrungen haben um die verlorene Welt zu evangelisieren? Diese Frage ist wohl nur so zu beantworten, weil die andern neun in der tieferen Erkenntnis der geistigen Zusammenhänge wohl noch nicht soweit waren. Das zeigt uns, dass auch bei den Aposteln etliche menschliche Unterschiede waren.

Also, Petrus, Jakobus und natürlich Johannes, als der Reifste von allen, durften eine Himmlische Verklärung  erleben, durften einen kurzen Blick in die geistigen Parallel-Welt erheischen.

Auch Paulus spricht von einer Verklärung, aber diesmal nicht von Jesus, sondern von uns. Weshalb Paulus nun dieses Thema ausgerechnet im Korinther-Brief anspricht, ist mir persönlich noch ein Rätsel, denn es waren ja die fleischgesinnten Korinther, welche vom Evangelium wohl kaum etwas verstanden haben. Nun gut, wie dem auch sei, es steht nun mal in diesem Brief wie folgt:

Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.  (2.Korinther 3,17.18)

Was ist die Verklärung?

Die Verklärung ist ein Himmlischer Zustand, wenn der Geist des Herrn, also der Heilige Geist,  die geläuterte Seele ganz erfüllt. Wenn in dieser Seele das Eigene vollkommen abgestorben ist, und der eigene Wille ganz dem Willen Gottes unterstellt ist, dann kann der Geist des Herrn sich in der Seele wiederspiegeln. Und natürlich, weil der materielle Leib immer von der Seele anhängig ist, wird nun dieses Spiegelbild im und am natürlichen Leib sichtbar. Sogar die Kleider werden weiss durch das grelle Licht der Herrlichkeit. Das ist der langersehnte Moment, wo auch der sterbliche und verwesliche Leib verwandelt wird in einen Unverweslichen:

Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ (Röm.  8. 11)

Haben wir die ganze Konsequenz dieses herrlichen Verses verstanden? Zweimal sagt Paulus „ ... Seinen Geist, der in euch wohnt“ Dies ist also die nötige Bedingung, wie oben schon aufgeführt. Wenn kein Eigenes mehr die Seele beherrscht, wenn das geistige Herz absolut rein ist und keine bösen, sündigen Gedanken mehr aufsteigen können, da der finstere Weltgeist keinerlei Anteil mehr an dieser Seele hat, dann – und erst dann – kann der Geist Gottes die Seele ganz und komplett erfüllen. Nun kennt dieser Leib keinen Tod mehr! Er kann nicht mehr verwesen, es kann also nicht mehr heissen „was von der Erde kommt, wird wieder zur Erde zurückkehren!“ Wenn ein solcher voll wiedergeborener Mensch verwandelt wird, gibt es keine Leiche mehr. Siehe das „Phänomen“ der leeren Särge und leeren Gräbern.

Aber nicht erst bei der Verwandlung (von einem Tod kann man eh nicht mehr reden), das Geist-Leben als Gottes-Mensch, also das sichtbare Wandeln auf dieser Erde ist bereits ein Geistiges, wie Jesus selbst verheissen hat:

Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt, noch wohin er fährt. Also ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist(Joh. 3. 8)

Die Voraussetzungen

Die notwendigen Voraussetzungen für die verheissene Verklärung und die Verwandlung müssen wir bereits in diesem Erdenleben erfüllen, solange wir noch in dieser Gnadenzeit sind. Im Jenseits ist es dann zu spät und nichts kann mehr nachgeholt werden! Stellen wir uns vor, dass wir einen solchen Spiegel sind, welcher die Herrlichkeit des Herrn wiederspiegeln soll. Dieser Spiegel muss nicht nur äusserst plan sein, sonst würde er ein verzerrtes Bild wiederspiegeln. Also kein Hohlspiegel (wie das leider häufig der Fall ist!) Und dabei muss er komplett rein sein. Wie wir schon im letzten Aufsatz gesehen haben, gibt es ja zwei Evangelien, das eine, das die Vergebung und jeden Tag wieder die Vergebung und das andere, welches die Befreiung von den Sünden kennt. Eine Seele, welche sich immer wieder neu beschmutzt eignet sich nicht als Spiegel im Sinne der Verklärung, sie bleibt ein Hohlspiegel. Die Seele muss rein sein und rein bleiben, sie muss frei sein und die Sünde komplett überwunden haben. Das Ego muss gestorben, begraben und vergessen sein! Wie Paulus es gesagt hat: und was ich lebe, lebe ich dem Herrn!

Wer da glaubt, immer noch wie ein gläubiger Weltmensch leben zu wollen, wird nie verklärt werden können. Wer noch einen Haus-Altar sein Eigen nennt um den Fürsten dieser Welt anzubeten (TV), der ist nicht geeignet mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den Berg der Verklärung zu steigen. Wer da auch die Genüsse seines Fleisches und die vielfältigen Genüsse seiner Sinne befriedigen muss, wird keine Chance haben, auf eben diesem Berg mit Mose und Elia zu sprechen. Und  wer seine  fleischlichen Sinne auf den Fussball und andere wichtige Events dieser Zeit gerichtet hat, kann niemals von sich behaupten, dass der Geist Gottes in ihm wohne.

Es ist der schmale Weg und es sind nicht viele, die darauf wandeln. Johannes Gommel (1811 bis 1841) war einer auf diesem schmalen Pfad und er ermahnt uns mit folgenden eindringlichen Worten:

Ihr müßt euch immer als Pilger ansehen und nicht als Bürger dieser Welt. Das ist der Fehler von vielen Tausenden, daß sie sich hier einbürgern, darum können sie ihren Geist auch nicht aufschwingen in der Stunde des Todes und müssen hier bleiben, bis ihr Geist freigeworden ist von der Erde. Wandelt als Pilger auf dieser Welt, als ob ihr auf der Reise wäret, wo man es nie so beqüm hat wie zu Hause. Denket immer: Ich bin ein Pilgrim, ich warte der Heimat, ich weiß, daß ich eine Heimat habe, aus welcher ich nie vertrieben werden kann. So denkt ein wahrer Christ. Er will nicht so viel auf dieser Erde, er schickt sich gerne in die vielen Unbequemlichkeiten und Widerwärtigkeiten, er wird nicht ungeduldig, wenn ihm Unangenehmes begegnet; denn er weiß: Ich werde nicht hier bleiben, ich habe ja einen Ort, wo Friede und Liebe wohnen und ich bekomme, was mein Herz befriedigt. Wenige haben dieses Ziel vor Augen, sonst würden sie sich nicht so einbürgern auf dieser Erde, sonst würden sie nicht so viel suchen hier in dieser Zeit.

 

Jesus segne Dich!