Mittwoch, 25. Juni 2014

Überwindest Du ... Teil 1


... oder wirst Du überwunden?

Es folgt nun ein mehrteiliger Gastbeitrag von Hans Hauser. Ich habe ihn in einem Forum kennengelernt und es stellte sich bald heraus, dass wir die selbe Gesinnung und Einstellung dem Evangelium gegenüber haben. Er gab die Broschüre 'Ueberwindest Du oder wirst Du überwunden' heraus und gab mir das Copyright zur freien Verfügung. Ich möchte meinen Lesern diese eindrückliche Schrift nicht vorenthalten.



Die ganze Welt heute weiß, dass sie furchtbare Probleme hat, und mit allen Kräften suchen die Menschen nach Lösungen. Doch es gibt nur eine Stelle, wo die Lösungen gefunden werden können, und das ist das Wort des lebendigen Gottes. Dies hat einen guten Grund. Als die Apostel Petrus und Johannes vor ihren jüdischen Verfolgern standen, sagten sie über Jesus Christus: »Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. « Apostelgeschichte 4,12.

Das heißt, wir können weder von den Psychologen noch von den Ärzten, Wissenschaftlern, Soziologen oder anderen Gelehrten die Lösung für diese Probleme erwarten. Wir können uns nur an eine Stelle wenden, nämlich an das Wort Gottes, in dem beides offenbart wird: Die errettende Kraft Jesu Christi und der Weg, auf dem diese errettende Kraft zu unserem wirkungsvollen, persönlichen Eigentum wird.

In dem Wort Gottes finden wir das ergreifende Zeugnis eines Mannes, der die errettende Kraft des Wortes persönlich kannte und der deshalb erklärte: »Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christi nicht. « Römer 1,16 (Luther-Übersetzung von 1912).

Mit gutem Grund schämte er sich des Evangeliums von Jesus Christus nicht, und diesen Grund nannte er freudig und ohne zu zögern: »Denn es ist Gottes Kraft ... « (Schlachter-Übersetzung.)
Man überlege einmal, wie Paulus das Evangelium noch hätte bezeichnen können! Er hätte es eine Theorie nennen können, ein Argument, eine gute Nachricht oder irgendetwas dergleichen. Doch er benutzte keine dieser Bezeichnungen. Das Evangelium, so erklärte er, »ist Gottes Kraft«. Für ihn war es Kraft, aber nicht irgendeine Kraft, sondern Gottes Kraft.

Es ist unbedingt notwendig, dass wir bei diesem Studium von Anfang an verstehen, was das Evangelium wirklich ist. Deshalb wäre es gut, über die Macht und Majestät dieser Kraft nachzudenken. Es ist Gottes Kraft, durch die der Himmel und die Erde ins Dasein gerufen wurden. Wir haben hier weder die Zeit noch den Platz, um einige der astronomischen Zahlen und Fakten anzuführen, die über die gewaltige Ausdehnung des Weltalls Aufschluss geben. Könnten wir ein wenig bei diesem Thema verweilen, dann würden wir zumindest etwas von dieser gewaltigen Kraft zu erahnen beginnen, die die Kraft Gottes ist.

Diese selbe Kraft, durch die die Welten ins Leben gerufen wurden, ist das Evangelium. Dieselbe Kraft, die damals dazu benutzt wurde, die Schöpfung ins Dasein zubringen, steht heute zu unserer Erlösung bereit. Denn das durch Paulus gesprochene Wort sagt: »Es ist Gottes Kraft zur Rettung. « (Schlachter-Übersetzung.)

Der Text erklärt nicht ausdrücklich, wovon uns das Evangelium erretten soll. Doch ist das überhaupt nötig? Die Bibel hat dies bereits klargemacht. Als der Engel des Herrn zu Josef kam — dem Ehemann von Maria, der Mutter Jesu, um ihm die bevorstehende Geburt anzukündigen, sagte er: »Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. « Matthäus 1,21.

In der Bibel muss Schriftstelle mit Schriftstelle verglichen werden. Wahrheiten, die schon einmal dargelegt wurden, brauchen nicht an anderer Stelle mit denselben Worten wiederholt zu werden. Jesus ist der Mittelpunkt und die Kraft des Evangeliums. Wenn Jesus also gekommen ist, um sein Volk von ihren Sünden zu retten, und wenn Paulus uns sagt, dass das Evangelium die Kraft Gottes zur Rettung ist, dann ist klar, dass es um die Errettung von Sünde geht.

Wenn solch eine gewaltige Kraft, die mit nichts zu vergleichen ist, dafür bereitsteht, jeden Menschen von seinen Sünden zu erretten, dann fragt man sich, welche Entschuldigung man dafür haben kann, dass man sündigt. Tatsächlich gibt es keine Entschuldigung. Natürlich machen sich die meisten Menschen gar keine Gedanken über das Sündenproblem. Sie leben so, wie es ihnen gefällt, und der Herr lässt ihnen vollkommene Freiheit, das zu tun, was sie tun wollen. Aber schuldig sind sie trotzdem; und weil sie schuldig sind, werden sie die Früchte ihrer Handlungsweise ernten.

Doch diejenigen, die danach streben, dem göttlichen Vorbild gleich zu werden, und die in lebendigem Glauben die göttliche Kraft ergreifen, erfahren eine solche innere Veränderung, dass Liebe, Geduld und Reinheit zu ihren natürlichen Wesenszügen werden. Sie werden an sich selbst das Wirken der gewaltigen Kraft Gottes erfahren, und sie werden wissen, dass es auf der Erde und in der Hölle keine Macht gibt, die sie zwingen kann zu sündigen. Das heißt, sie brauchen niemals zu sündigen. Jeder, der will, kann ein Leben des vollkommenen Sieges über jede Sünde führen, solange er an die errettende Kraft des Allmächtigen glaubt.

Das Evangelium ist für alle Menschen da, aber nicht für alle Menschen ist es die Kraft Gottes.
»Es ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen. « Römer 1,16 (Schlachter-Übersetzung).

Nur für den, der glaubt, ist das Evangelium die Kraft Gottes zur Rettung von Sünde. Für alle anderen ist es lediglich eine Theorie, eine Geschichte, eine Lehre oder etwas dergleichen. Allein für den Gläubigen ist es Gottes Kraft.

Im nächsten Vers sagt uns Paulus, was die Kraft dieses Evangeliums bewirkt: »Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. < Römer 1,17 (Elberfelder Übersetzung).

Im Evangelium offenbart sich Gottes eigene Gerechtigkeit. Man bedenke, was das Wort »offenbart« bedeutet! Es bedeutet, dass die Gerechtigkeit Gottes gezeigt wird, sodass sie von jedem Beobachter der Szene deutlich gesehen werden kann. Wo aber wird das Evangelium Christi offenbart, wenn nicht im Leben derer, in denen das Evangelium eine wirksame Kraft geworden ist? Auch im Leben Christi auf dieser Erde war das Evangelium die Kraft Gottes. Es bewahrte ihn täglich davor, in Sünde zu fallen. Sein Leben offenbarte nichts anderes als die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zu Glauben. Christus ist das Vorbild, das uns zeigt, wie wir sein sollen.

»Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen. « 1.Petrus 2,21.

So wie sich Gottes Gerechtigkeit täglich im Leben Christi durch die Kraft des Evangeliums offenbarte, so soll sie sich auch im Leben aller seiner Nachfolger heute offenbaren.

Das Erdenleben Jesu Christi ist eine Offenbarung, die uns zeigt, wie unser Leben nach Gottes Absicht aussehen soll. Jeder Mensch, der sich als Kind Gottes bekennt, wird beim Betrachten des Lebens Christi erkennen, dass von Jesus unaufhörlich Ströme der Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und Geduld ausgingen. Während er sieht, wie Jesus alle christlichen Tugenden besaß, wird er ein natürliches Verlangen haben, diesem Ideal nachzustreben. Doch ein Blick auf sein vergangenes Leben, das nur Niederlagen und Rückschläge aufweist, raubt ihm die Zuversicht, dass dieses hohe Ideal jemals erreicht werden kann. Dennoch ist es schon zu Beginn dieses Studiums wichtig, im Glauben die mächtige Wahrheit zu erfassen, dass das Evangelium die Kraft Gottes zur Rettung von Sünde ist, damit im Leben eines jeden wahren Gläubigen die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zu Glauben offenbart werden kann. Jedem Gläubigen ist die wunderbare Möglichkeit in Aussicht gestellt, durch die Kraft unseres Heilandes, Jesu Christi, herrliche Ziele zu erreichen. 7

Das also ist das Evangelium. Es ist die Kraft, die Christus einsetzt, um sein Versprechen zu erfüllen. Er hat versprochen, einen sündigen Menschen — schlecht, moralisch verdorben, zugrunde gerichtet, von Unfrieden, Misstrauen, Hass und von allen Früchten der bösen Natur erfüllt — in seine Hand zu nehmen, all diese Dinge aus ihm zu verbannen und ihn statt dessen mit der Liebe, der Freude, dem Frieden, der Sanftmut, der Demut, der Geduld und allen anderen Früchten des Geistes zu erfüllen, sodass nichts weniger als Gottes Gerechtigkeit in seinem Leben offenbar wird. Das ist das Evangelium, und nichts anderes oder Geringeres kann jemals das Evangelium Jesu Christi sein.

Aber ist das im Allgemeinen die Erfahrung eines Menschen, der sich heute als Christ bekennt? Diese Frage kann man leicht durch ein Experiment beantworten.

Man gehe zu einem Menschen, der sich als Kind Gottes bekennt — ganz gleich, welcher Konfession er angehört —, und stelle ihm einfach die Frage, ob er zugeben muss, dass er Tag für Tag sündigt. Ein wirklich ehrlicher Mensch wird immer zugeben, dass er täglich sündigt. Es ist sehr lobenswert, wenn er so aufrichtig und wahrheitsgetreu antwortet.

Als Nächstes frage man ihn, was er denn macht, wenn er gesündigt hat und von der Last der Schuld niedergedrückt wird. Darauf wird er antworten, dass er die Sünde vor Gott bekennt. Zudem bittet er den Herrn, dass er ihm vergibt und ihm hilft, es nicht mehr zu tun.

Auch das ist eine sehr ehrliche Antwort, für die der Mensch Anerkennung verdient. Doch man gehe noch einen Schritt weiter und stelle ihm die Frage, was denn passiert, nachdem er die Sünde bekannt hat und nachdem er darum gebeten hat, dass ihm vergeben wird und dass Gott ihm hilft, es nicht mehr zu tun! Stellt er fest, dass diese Sünde nun der Vergangenheit angehört, oder ist sie immer noch da und macht ihm das Leben schwer? Mit anderen Worten, stellt er fest, dass er dieselbe Sünde wieder und wieder begeht?

An dieser Stelle wird der Gefragte einen sehr erstaunten Blick zurückwerfen, so als wollte er sagen: Warum stellst du mir eine so törichte Frage? Natürlich ist dieselbe Sünde noch da. Ich bin immer noch ein Mensch und muss ständig gegen diese Sache ankämpfen. Ich begehe die Sünde wieder und wieder und muss sie wieder und wieder bekennen.

Kann man eine solche Erfahrung als Befreiung von der Sünde bezeichnen? Ganz bestimmt nicht! Das ist eine Erfahrung von Sündigen und Bekennen, Sündigen und Bekennen, Sündigen und Bekennen.

Denke an deine eigene Erfahrung zurück, an die Sünde, die dir in deinem Leben am meisten zugesetzt hat! Erinnere dich daran, wie du in diese Sünde fielst, wie du von Gewissensbissen gequält wurdest, wie du den Herrn um Vergebung gebeten und wie du ernstlich darum gefleht hast, dass er dir hilft, die Sünde nicht wieder zu tun! Denke an dein aufrichtiges Versprechen, sie nicht mehr zu tun, und an die traurige Tatsache, dass du sie wieder und wieder begangen hast! Wenn du nicht zu denen gehörst, die den Weg der Befreiung von Sünde gefunden und für sich angewendet haben, dann musst du zugeben, dass dieselbe Sünde, die schon vor zehn Jahren dein größtes Problem war, auch heute noch da ist.

Wenn du das ganz ehrlich zugeben kannst, dann hast du den ersten wichtigen Schritt getan, um aus dieser Lage befreit zu werden. Deine Situation ist nicht vom Herrn gewollt, und sie ist nicht die Erfahrung eines gläubigen Menschen, der das Evangelium als Gottes Kraft zur Rettung kennt. 8

Die verschiedenen Kirchen von heute vertreten sehr unterschiedliche Lehren. Jede Religionsgemeinschaft behauptet, dass der errettende Weg bei ihr zu finden sei, weil sie bestimmte Lehrpunkte vertrete. Doch ganz gleich, wie korrekt die betreffenden Lehrpunkte sein mögen, wenn jemand die errettende Kraft des Evangeliums nicht versteht und erfährt, dann ist er noch genauso verloren, als wenn er überhaupt nichts glauben würde. Er mag sich einer anderen Religionsauffassung, einem anderen Glaubensbekenntnis, einem anderen Kirchengebäude, einem anderen Religionssystem zuwenden, aber all diese Dinge bringen ihm nicht notwendigerweise Errettung. Es kommt darauf an, was die Religion im Menschen bewirkt. Es kommt auf das Resultat an, das letzten Endes erzielt wird. Wenn das Evangelium, an das wir glauben, weniger getan hat, als das Evangelium Jesu Christi tun soll, dann ist das, was wir glauben, entweder nur eine Fälschung, oder wenn es das wahre Evangelium ist, wird es nicht richtig angewandt, was für die törichten Jungfrauen zutrifft.
Nur wer einen persönlichen Sieg über die Sünde erlangt hat, wer aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, von seinen Sünden gerettet zu werden, und wer in seinem Leben ein wirkliches Wachstum wahrnehmen kann, der hat das Evangelium Jesu Christi, und nur der kann es folglich auch predigen. Niemand kann etwas predigen, was er nicht kennt. Nur ein Mensch der Gerechtigkeit kann ein Lehrer der Gerechtigkeit sein.

Man muss sich an dieser Stelle bewusst machen, dass das Erlösungswerk unsere verständige Mitarbeit einschließt. Es gibt ein Werk, das Gott tut, und es gibt ein Werk, das wir tun müssen. Gott kennt seinen Teil ganz genau, und er ist immer und überall bereit, diesen Teil zu erfüllen. Das Problem liegt darin, dass die Menschen nicht verstehen, was sie zu tun haben, und es Gott dadurch unmöglich machen, seinen Teil zu erfüllen. Dass wir tatsächlich einen Teil zu tun haben, zeigen die folgenden Worte Christi: »Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! « Johannes 8,32 (Schlachter-Übersetzung).

Es ist der Zweck dieses Studiums, die Wahrheit, die wir erkennen sollen und die uns frei machen wird, deutlich darzulegen. Wir brauchen nicht weiter darauf einzu-gehen, dass wir es nötig haben, die Wahrheit zu erkennen; statt dessen wollen wir uns damit beschäftigen, sie einfach zu betrachten und so klar und verständlich wie möglich auszudrücken.

Durch Erfahrung und durch die Wahrheit des Wortes Gottes haben wir gelernt, dass als erstes die Frage gestellt und beantwortet werden muss: Was ist Sünde? Es muss betont werden, dass die Frage nicht lautet: Was sind Sünden? Sondern: Was ist Sünde? Was Sünden sind, wüssten wir schnell zu beantworten, Mord, Lüge, Diebstahl usw. Doch die Beantwortung der Frage, was Sünde ist, ist eine andere Sache. Tatsächlich wäre es un-möglich, den Weg der Befreiung von Sünde zu finden, wenn diese Frage nicht genau beantwortet werden könnte. Das ist keine Übertreibung; denn bevor wir die Lösung für ein Problem verstehen können, müssen wir zuerst das Problem verstehen.

Im Allgemeinen ist sich der Bibelkundige jedoch ziemlich sicher, dass er die Antwort auf diese Frage geben kann. Sobald sie gestellt ist, zitiert er schnell die Worte der Schrift: »Die Sünde ist die Gesetzesübertretung. « 1. Joh. 3,4 (Schlachter-Übersetzung).

Da das eine Antwort aus der Bibel ist, muss sie eine korrekte Definition des Begriffes »Sünde« sein, vorausgesetzt, man versteht die volle Bedeutung des Textes und hat nicht nur eine begrenzte Vorstellung von seiner Aussage. Bei dem Wort »Übertretung« denkt der Mensch gewöhnlich an eine Handlung. Daher deutet man diesen Vers im Allgemeinen so, dass Sünde eine verkehrte Tat ist. Wegen seiner verkehrten Handlungen hat sich der Übertreter vor Gott schuldig gemacht — ein Zustand, der zur Verdammnis 9

führt. Gottes Heilmittel für ihn ist die Vergebung. An dieser Stelle ist es nicht schwer, zu zeigen, dass man unbedingt verstehen muss, was Sünde ist. Dazu brauchen wir nur eine Reihe von Fragen zu stellen.
Wird ein Mensch je Vergebung empfangen, wenn er nicht darum bittet? Die Antwort lautet: Nein.
Wird er je um Vergebung bitten, wenn er sich seiner Schuld nicht bewusst ist? Wieder lautet die Antwort: Nein.

Kann ein Mensch sich jemals seiner Schuld bewusst sein, wenn er nicht weiß, dass das, was er tut, sündig ist? Wiederum muss man sagen: Nein.

Deshalb muss ein Mensch erst wissen, welche Taten sündig sind, ehe er sich seiner Schuld so bewusst sein kann, dass es ihn drängt, um Vergebung zu bitten. Es ist also wichtig, die Frage, was Sünde ist, zu stellen und die Antwort darauf zu verstehen, denn dadurch erlangt derjenige, der sich nach dem göttlichen Heilmittel für die Sünde sehnt, eine unerlässliche Erkenntnis.

Doch das, was wir bis jetzt zur Beantwortung dieser Frage gesagt haben, reicht noch nicht aus, um das tiefe Verständnis zu vermitteln, das für die Rettung von Sünde nötig ist. Die Sünde ist weit mehr als nur eine Tat. Was wir tun, ist nur die Frucht dessen, was wir sind. Diese tiefergehende Definition von Sünde stellt eine unerlässliche Er-kenntnis dar, um aus ihrer Macht befreit zu werden.

Als Jesus, der Meisterlehrer, einmal in eine Diskussion verwickelt wurde, an der Pharisäer und auch einige andere Menschen beteiligt waren, hatte er die Gelegenheit, vor ihnen genau zu definieren, was Sünde ist. Zuerst sagte er: »Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! « Johannes 8,32 (Schlachter-Übersetzung).

Daraufhin offenbarten jene Männer ihre Unkenntnis über die grundsätzlichen Fragen des Sündenproblems, indem sie erwiderten: »Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden? «

Die Antwort, die Christus nun gab, bietet uns eine vollständige Definition von dem, was Sünde ist: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. « Johannes 8,33.34.

Hier wird die Sünde nicht als eine Handlung, sondern als ein Herrscher dargestellt; denn wenn der Sünder ein Knecht der Sünde ist, muss die Sünde der Herr des Sünders sein. Um solch ein Herr sein zu können, muss die Sünde eine Macht sein, denn kein Gebieter kann herrschen, wenn er keine Macht dazu hat — schon gar nicht, wenn seine Untertanen nicht bereit sind, ihm Gehorsam zu leisten.

Die Sünde ist ein Herr, aber kein Herr, der von seinen Untertanen einen Liebesdienst erhält, sondern ein Herr, der sie zum Gehorsam zwingen muss. Wir müssen uns die Sünde als einen Sklavenherrn vorstellen. Tatsächlich steht im griechischen Urtext das Wort »Sklave«; nur im Deutschen ist es allgemein mit »Knecht« übersetzt worden. Es gibt allerdings auch einige Übersetzungen wie zum Beispiel die Elberfelder Bibel, in denen nicht »Knecht«, sondern »Sklave« steht.

Demnach müssen wir unsere Definition von Sünde folgendermaßen erweitern: Die Sünde ist ein Herr, der uns gegen unseren Willen beherrscht, sodass wir uns in einem Zustand der Knechtschaft befinden. Vergebung, so wie sie im Allgemeinen verstanden wird, kann dieses Problem nicht lösen. Was wir brauchen, ist Befreiung. Wie bei der Vergebung, so ist es auch bei der Befreiung: Niemand wird sie je empfangen, wenn er nicht darum bittet. Und niemand wird darum bitten, wenn er nicht erkennt, dass er sich in Knechtschaft befindet. Aber niemand wird erkennen, dass er sich in Knechtschaft befindet, wenn er nicht versteht, dass die Sünde ein Sklavenherr ist, der über ihn herrscht. Damit zeigt sich erneut, dass der erste Schritt in der Erkenntnis des Weges zur Befreiung darin besteht, die Antwort auf die Frage »Was ist Sünde? « zu verstehen.
Doch leider hört das Verständnis der meisten Menschen darüber, was Sünde ist, schon bei der Stufe »Handlung — Schuldig — Vergebung« auf. Deshalb wird die Axt nie an die Wurzel gelegt, der Sklavenherr wird nie ausgerottet, und infolgedessen gelten ein bloßes Lippenbekenntnis und eine rein äußerliche Erfüllung der religiösen Forderungen als wahres Christentum, was dafür sorgt, dass ein ganzes Geschlecht von verführten Kirchgängern unweigerlich dem Verderben und dem ewigen Tod entgegengeht.

Der Sklavenherr ist die Wurzel der Sünde und wird in der Bibel mit einer Reihe von Namen bezeichnet. In Römer 8,7 wird diese Wurzel als »fleischlich gesinnt sein« oder »Gesinnung des Fleisches« (Schlachter-Übersetzung und Elberfelder Übersetzung) bezeichnet; in Römer 6,6 heißt sie »unser alter Mensch« und in Hesekiel 36,26 »das steinerne Herz«. Außerdem wird sie durch die Krankheit des Aussatzes versinnbildet.
Doch nirgendwo wird der Sklavenherr besser beschrieben als in Römer 7, und diesem Kapitel wollen wir uns jetzt zuwenden. Wir beginnen mit Vers 9, wo Paulus sagt: »Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig, ich aber starb. « Paulus blickt hier auf den Zeitpunkt zurück, als das Gesetz in sein Leben kam. Von der Zeit, bevor das Gebot kam, sagt Paulus einfach: »Ich lebte einst ohne Gesetz. « Mit anderen Worten, er war einfach ein williger Sünder. Das ist der Zustand eines Menschen in der Welt, bevor er Gottes Gesetz kennenlernt. Er findet es ganz in Ordnung, ein Sünder zu sein. Er ist zufrieden und glücklich damit. Es beunruhigt ihn nicht.

Aber irgendwann tritt das Gesetz in sein Leben und lässt ihn erkennen, dass es gerechte Forderungen an sein Leben und an sein Verhalten stellt. Die Erkenntnis des Gesetzes ist also der erste Schritt auf dem Weg, der zu Christus führt. Sie mag durch das Lesen des Wortes Gottes, durch eine Predigt oder auf eine andere Art und Weise vermittelt werden, aber sie muss den Menschen erreichen, wenn er je den Weg zu Christus, dem Erretter von Sünde, finden soll.

Diese Erkenntnis des Gesetzes führt den Menschen zu einer weiteren Erkenntnis, nämlich zu der Erkenntnis seines Zustands vor Gott. Damit ist der Sünder überführt. Dies ist der zweite unerlässliche Schritt auf dem Weg zu Christus.

Eine solche Überführung bewirkt Reue, es sei denn, der Sünder betäubt sein Gewissen, indem er sich dem Wirken des Geistes Gottes an seinem Herzen widersetzt. Das kommt tatsächlich vor, denn es ist keine angenehme Erfahrung, sich so zu sehen, wie Gott uns sieht. Die menschliche Natur neigt dazu, dies als eine unwillkommene Offenbarung zurückzuweisen. Ein typisches Beispiel hierfür finden wir in der Geschichte von Felix und Drusilla: »Als aber Paulus von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und von dem zukünftigen Gericht redete, erschrak Felix und antwortete: Für diesmal geh! Zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen. « Apostelgeschichte 24,25.

Die Tatsache, dass Felix erschrak, ist ein deutliches Zeichen für die Überführung, die er zutiefst empfand und die ihn zur Reue geleitet hätte, wenn er die unerfreulichen Offenbarungen über sich selbst nicht von sich gewiesen hätte. Doch er schickte den Apostel gerade dann fort, als er mehr von dem Dienst benötigte, der ihn Schritt für Schritt zu dem Meister geführt hätte. Deshalb sollte jeder von uns sorgsam darauf achten, dass er das Bild, das der Herr ihm über seinen wirklichen Zustand zeigt, nicht von sich weist. Vielmehr sollten wir es wirklich annehmen, und zwar zusammen mit dem Geist wahrer Reue, den Gott uns zu diesem Zeitpunkt auch geben will.

Reue bedeutet nicht nur, die Sünde zu hassen, sondern auch, sich von ihr abzuwenden. Es genügt nicht, die Sünde wegen der Folgen zu hassen, die sie für uns hat. Judas und Biliam hassten die Folgen der Sünde, aber sie hassten nicht die Sünde selbst. Wir müssen lernen, die Sünde zu hassen, weil sie Sünde ist, genauso wie wir den Schmutz nicht mögen, weil er Schmutz ist. Umgekehrt bedeutet das, dass wir die Gerechtigkeit lieben, weil sie Gerechtigkeit ist.

Solch eine Einstellung entspricht nicht der Natur des Menschen. Wir können sie nicht selbst hervorbringen. Demnach ist Reue eine Gabe Gottes, wie das Wort der Wahrheit erklärt: »Den [Jesus] hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. « Apostelgeschichte 5,31.

Indem der Heilige Geist durch das Wort wirkt, wird dem Menschen die Reue als eine Gabe Gottes angeboten; wenn er sie annimmt, wird er als Nächstes seine Sünde bekennen.

Das also sind die ersten vier Schritte zu Christus hin: Erkenntnis, Überführung, Reue und Bekenntnis. Tatsächlich sind viele Menschen all diese Schritte nach bestem Wissen gegangen und haben gedacht, dass sie die Voraussetzungen für die Befreiung von der Sünde erfüllt hätten, doch sie müssten erkennen, dass sie nicht befreit waren. Dennoch ist es wahr, dass wir, wenn wir diese Schritte wirklich so erfahren, wie der Herr es für uns vorgesehen hat, Befreiung erlangen. Das Problem besteht darin, dass die meisten nicht verstehen, was diese Schritte wirklich bedeuten. Im Allgemeinen bereut und bekennt man das, was man getan hat, während man nicht versteht, dass ein tiefergehendes Werk notwendig ist, nämlich ein Bereuen und Bekennen dessen, was man selbst ist.

Denke einmal an den bewegenden Augenblick zurück, als du zum ersten Mal etwas von Gottes Wahrheit erkanntest! Wie schön und logisch erschien sie einerseits, während sie dich andererseits überführte! Du überblicktest dein vergangenes Leben und sahst nur noch Selbstsucht und Sünde darin. Von tiefer Reue erfüllt, verlangte es dich danach, sofort einen Schlussstrich zu ziehen. Damals hast Du den Entschluss gefasst, ab sofortjedem Gebot Gottes zu gehorchen. Wie die Israeliten, die einst sagten: »Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören« (2.Mose 24,7), hast du beschlossen, alle Gebote Gottes zu befolgen.
Dieses Bemühen schien tatsächlich von Erfolg gekrönt zu sein, was gewisse äußerliche Dinge betraf. Weltliche Verlockungen, die zuvor eine große Anziehungskraft ausgeübt hatten, wurden siegreich über wunden. Doch die Ungeduld, das aufbrausende Tem-perament und andere charakterliche Probleme blieben irgendwie bestehen. Sie kamen wieder hoch und überwältigten uns. Das Bewusstsein, dass die Sünde uns noch beherrschte, beugte uns nieder. Wir bekannten die Sünden und beschlossen, dass es von nun an anders werden sollte, aber es wurde nicht anders. Dieselben Schwierigkeiten traten immer wieder auf. Versuchen und Scheitern, Bekennen und wieder Versuchen und Scheitern — das war die Erfahrung.



Das ist genau das Bild, das uns der Apostel Paulus in Römer 7,15-24 zeigt

Fortsetzung folgt