Mittwoch, 17. Oktober 2012

Der Weg der Demut


 

"Wie wird man demütig?" Das war die letzte Frage im letzten Aufsatz. Die Heilige Schrift bezeichnet die Sanftmut und die Demut als Frucht des Geistes, nicht als Gabe des Geistes. Dies ist ein sehr großer Unterschied. Die Gaben des Geistes werden nach dem Willen des Geistes dem Menschen gegeben, die Frucht des Geistes aber haben alle Menschen, wenn sie den Geist (Gottes) in sich geboren und entwickelt haben. Unnötig hier zum x-ten Male zu erwähnen, daß dafür zuerst einmal die Liebe zur Welt überwunden werden muß, also der adamitische Zustand mit allen sinnlichen Trieben besiegt wurde.

Wer noch der Welt angehört, ein Jünger des Systems mit allen seinen Errungenschaften wie Fernsehen, iPod, Facebook und so weiter ist, der braucht sich nicht die Mühe zu nehmen, demütig sein zu wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man gläubig ist oder nicht. Damit sind vor allem die Brüder und Schwestern der baptistischen Kirchen angesprochen, denn nach deren Lehre ist die Weltzugehörigkeit und im Glauben zu leben absolut kompatibel. Ein bisschen kalt und ein bisschen heiss, alles zu seiner Zeit – ist ja nicht schlecht, oder?

Es ist erfreulich, daß aber immer mehr Brüder und Schwestern beginnen zu erkennen, daß kalt und heiss zusammengemischt in einer Seele immer Lauheit hervorbringt. Damit wird bekanntlich die Kraft des Geistes auf Null gesetzt und was übrigbleibt, ist der vermeintliche Glaube als reinste Illusion. Alle diese Glaubensgeschwister, welche nun erkannt haben, daß das wahre Glaubensleben kein Seligkeitsevangelium, sondern das Evangelium des Kreuzes beinhaltet, haben auch begriffen, daß der Weg nur über die konsequente Nachfolge Jesu zum Ziel führt und dieser Weg ist eben der Weg der Demut und der Sanftmut.

Alle diejenigen, welche ernsthaft bemüht sind, den Weg der Demut zu finden, befinden sich weit weg von der breiten (religiösen) Heerstrasse. Der Weg der Demut ist eng, steinig, beschwerlich, kahl, mühevoll, anstrengend und – auf den ersten Blick wenigstens – sehr undankbar. Jedenfalls sieht es so aus, wenn man die ersten Gehversuche auf diesem Weg unternommen hat. Schon bald ändert sich dann dieses Bild und man wird feststellen, daß dieser Weg nicht erst am Ziel, sondern schon bald freudvoll, leicht und mit großer Geistiger Kraft versehen, erscheint.

Doch worin besteht nun dieser Weg der Demut? Die einzige Möglichkeit, Demut zu erlangen führt über die Liebe zum Nächsten – und damit über Golgatha! Es gibt keine andere Möglichkeit, die Liebe zum Nächsten und damit der Weg über Golgatha kann nicht umgangen oder abgekürzt werden!

Die Nächstenliebe

Warum ist die Nächstenliebe wichtig? Jesus Christus wohnt bekanntlich im Herzen eines jeden Menschen, ob er gläubig oder ungläubig ist, ob Christ, Moslem oder Buddhist, ob ehrlich oder kriminell, jeder Mensch hat in sich den Geist Christi, wenn Er auch noch unerweckt ist. Unserer Liebe zum Nächsten ist es einzig vorbehalten, diesen (schlafenden) Geistfunken zu erwecken. Ist unsere Liebe zu Jesus Christus echt, dann – und nur dann – lieben wir in erster Linie Christus im Nächsten! Wenn wir sagen, wir lieben Jesus, aber dem schwierigen Mitmenschen aus dem Weg gehen, dann lügen wir. Wenn wir behaupten, wir glauben an Jesus Christus und Seine Sündenvergebung am Kreuz und dienen nicht dem wirklich unausstehlichen Nächsten, so beweisen wir unseren Unglauben. Der wahre Glaube ist die Liebe des Nächsten ohne daß wir auf Äusserlichkeiten sehen! Am Nächsten erkennt man ob wir im wahren Glauben sind oder einfach nur vom Glauben reden.

Damit ist natürlich die selbstlose, vielleicht anonyme Art der Liebe gemeint. Bekanntlich gibt es verschiedene Motive, Nächstenliebe zu üben. 1. Weltmenschen lieben die Nächsten um höheres Ansehen zu erhalten, 2. Um den Nächsten zu kompromittieren, 3. Um den Nächsten zu einer Gegenleistung zu zwingen oder 4. Weil es für eine bestimmte Situation Usus ist. All das ist aber luziferisch und hat nichts mit dem Nächsten, sondern einzig und allein mit dem eigenen Ego zu tun.

Wahre Nächstenliebe ist immer selbstlos, altruistisch, anonym, wenn möglich. Bei der Nächstenliebe, wie wir diese hier verstehen, richtet sie sich natürlich nicht gegen diese lieben Brüder und Schwestern, welche uns täglich beschenken, sondern in erster Linie gegen diejenigen, welche uns täglich beschimpfen.

Diejenigen Nächsten, welche unsere Wünsche von unseren Augen ablesen, sind nicht schwer zu lieben. Aber jene schwierigen Menschen, welche in ihrem luziferischen Zustand uns geringachten, kritisieren, kontrollieren, beschimpfen, belügen, pausenlos wehklagen oder sonstwie alle unsere Lebensenergie mit aller Gewalt aus unserer Seele ziehen, diesen Nächsten in selbstloser Liebe zu dienen, das ist der wahre und einzige Weg zur Demut. Und damit sind wir schon auf Golgatha, denn solche schwierige Menschen sind ein Kreuz. Der Zweck dieses Kreuzes ist einzig und allein, daß wir zur Demut finden. Und deshalb kann die Demut auch keine Geistesgabe sein, weil wir die Demut selbst erlangen müssen indem wir lernen, das Kreuz dankbar anzunehmen, eben solchen im Umgang schwierigen Menschen in Liebe zu dienen.

Daß dies nur funktionieren kann wenn wir diesen Weg klar und konsequent im Bewusstsein der Gegenwart Christi im Herzen gehen können erklärt sich schon deshalb, weil es unmöglich ist aus eigener seelischen Kraft einem solchen nervenzehrenden Menschen immer und nur Lebensenergie abzugeben, ohne selber solche wieder auftanken zu können. Diese Kraftquelle ist der lebendige Glaube, ein toter und autosuggerierter Glaube hilft da nicht weiter. Diese Kraft kommt aus der Stille, aus der Sehnsucht, Jesus Christus noch näher zu begegnen und kennen zu dürfen. Und genau diese Kraft ist es dann schlussendlich, welche Du Deinem schwierigen Bruder oder Schwester an der Stelle Deiner eigenen Lebensenergie weitergibst. Und diese Kraft der Liebe wird niemals ohne Wirkung bleiben!

Jesus segne Dich!

 

 

Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.