Mittwoch, 8. August 2012

Ohne Sünde leben



Wir haben in den letzten Wochen uns sehr ausführlich mit dem innersten Kern des Evangeliums auseinandergesetzt und sind zum Schluss gekommen, daß Jesus uns am Kreuz von der Knechtschaft der Sünde erlöst hat, daß wir fortan ohne Sünde, ganz in der Ordnung Gottes leben sollen. Wir wollen nun versuchen zu erläutern, weshalb uns Jesus von der Knechtschaft, also vom Fluch der Sünde erlöst hat und weshalb es nicht darum gehen kann, aus fleischlichen Gründen sündigen zu müssen, aber dafür die Sündenvergebung Jesus in Anspruch nehmen dürfen, wie es die Sekten lehren.
Was ist Sünde?
Das vordringliche Wirken des Geistes Gottes in der Seele ist es, ihr das Verständnis der Sünde, also die Erkenntnis der Sünde klarzumachen. Die Sünde ist das Sein außerhalb der Ordnung Gottes und die Folge der Sünde ist die Trennung von Gott. Praktisch sieht das dann so aus, daß sich der Geist Gottes – oder sagen wir: der Heilige Geist – sich im Herzen zurückzieht und Seine Führungs- und Lehrwirkung der Seele verbirgt. Sünde ist immer Trennung von Gott! Auch wenn hinterher um Vergebung gebeten wird, so ist im Augenblick, wenn der Sünde nachgegeben wird, eine merkliche Trennung von Gott unausweichlich. Wirkt der Geist Gottes im Menschen und sündigt dieser, so wird der Tempel verunreinigt und der Geist muß sich zurückziehen, weil Er mit der Sünde keinen Anteil haben kann.
Ist die Seele auf dem Weg der Heiligung, so kommt es natürlich immer wieder vor, daß die Begierden des Fleisches überhand nehmen und man tritt in die Sündenfalle, welche der Feind immer wieder auslegt. Aber die Seele, welche die Sünde bewußt überwinden will, spürt dann auch sofort und deutlich, daß der "Christus, der in uns lebt" enttäuscht ist, weint und sich vorübergehend abwenden muß. Es tut der Seele dann aufrichtig leid und ist umso mehr fest entschlossen, daß es das letzte Mal war, diesem unreinen Drängen nachgegeben zu haben. Ja – wer kennt das nicht, dieses Fallen und Wiederaufstehen! Wie oft bitten wir Jesus um Vergebung und um die Kraft, nun endlich einmal diese Sünden überwinden zu können!
Nun – Jesus vergibt uns diese Fehltritte, das ist keine Frage! Aber wir wollen nicht uns damit zufrieden geben, denn das Getrenntsein von Gott durch die Sünde ist eines – und das Bitten um Vergebung ist das andere. Sind wir auf dem aktiven Heiligungsweg und fallen wir, dann vergibt uns Jesus, dann haben wir einen Fürsprecher im Himmel. Aber wenn wir davon ausgehen, daß wir halt sündigen müssen, da wir noch im Fleisch leben, dann sündigen wir aus Spass, aus Mutwillen. In diesem Fall gibt es eine klare und sehr ernste Warnung: "Denn wenn wir freiwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für Sünden kein Opfer mehr übrig, sondern ein schreckliches Erwarten des Gerichts und Feuereifers, der die Widerspenstigen verzehren wird" (Hebr. 10. 26).
Welche Sünden sind gemeint?
Die wichtigsten Sünden sind diese der Unzucht, der Eitelkeit (Hochmut) und Trotz. Natürlich gibt es keine wichtigen oder unwichtigen Sünden, Sünde ist Sünde! Aber die soeben erwähnten sind wohl die, mit denen wir am häufigsten zu kämpfen haben. Und diese sind es, die auch in die Kirchen, in die Gottesdienste hineingetragen werden und kaum ein Pastor nimmt dagegen Stellung.
Bei den Männern ist es wohl die Sexualität, welche ihnen am meisten zu schaffen machen. Dabei ist nicht erst der tätliche Ehebruch, sondern schon das Begehren in Gedanken die Sünde der Unzucht. Es ist dann die folgende Selbstbefleckung, welche den Tempel des Heiligen Geistes verunreinigt. Auch wenn diese Sünde dem Nächsten verborgen bleibt, so schafft sie es ausgezeichnet, daß dem Geist Gottes die Hände gebunden werden um zu wirken!
Beim weiblichen Geschlecht ist es dann im Allgemeinen mehr die Eitelkeit, welche als die grösste Hürde einer reinen Seele im Wege steht. Die Eitelkeit stellt die eigene Person über die des Nächsten, Sie überhebt sich.  Wie kann so der Heilige Geist wirken, wenn nicht die Demut, sondern der Hochmut das Herz erfüllt?
Es ist traurig zu sehen, wie die Sünde bei Brüdern und Schwestern in Kauf genommen wird und niemand darüber redet! Vor allem aber im Gottesdienst ist die Sünde kaum ein Thema. Dabei muß man sich klar sein,
wer die Sünde nicht anprangert, heißt die Sünde gut!
Und die Sünde wird im Allgemeinen nicht angeprangert, sondern sie wird mit dem Leben im Fleisch entschuldigt. Und schlimmer noch, die Sünde der Unzucht wird sogar von gläubigen Christen verherrlicht – obschon es diejenige Sünde war, welche Adam aus dem Paradies verstossen hatte. So ist es auch diejenige Sünde, welche uns den Weg zurück ins Paradies versperrt, obschon Jesus uns diesem Weg wieder freigemacht gemacht hat. Warum sündigen wir trotzdem? Weil uns diese Sünde Spass macht! Wir sündigen freiwillig – obschon wir wissen, daß es dadurch kein Sühneopfer mehr gibt!!
Ja, es ist wirklich traurig, wenn man von Brüdern, welchen die Bibel über alles bedeutet, folgendes hört: " … ich kann es nicht mehr hören, wie schlecht der Mensch gemacht wird.... und dass wir eigentlich gar nichts dafür können, wenn wir mal mit Lust dem anderen Geschlecht nachschauen, wenn wir unseren Bauch zu Gott machen, wenn wir unseren Sinnen nachgeben." Heißt es da nicht im Eph. 4. 22: "So legt nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt." Oder eine Schwester, die regelmässig den Gottesdienst besucht, der Ansicht ist " … wenn der Leib an sich nur schlecht ist wie kann es dann sein, dass Gott uns als sexuelle Wesen geschaffen hat? Da Sex zu den Bedürfnissen des Menschen zählt wie kann es dann sein dass der Leib mit dem er ja ausgeführt wird, schlecht ist?" Paulus antwortet darauf: " Gal 5. 24 "Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden."
Mit einer solchen Herzenseinstellung wird man sich natürlich niemals auf den Weg der Heiligung begeben. Wozu auch? Wenn man der Ansicht ist, daß es sowieso nicht zu schaffen ist, ohne Sünde zu leben, dann wäre alle Müh' vergebens. Billiger und einfacher ist dann die Annahme, daß man ja immer unters Kreuz kann, da Jesus doch für unsere Sünden gestorben ist.
Die Überwindung der Sünde
Ohne Sünde leben wäre eigentlich gar nicht so schwer, wenn – ja wenn! Wenn wir die Anleitung dazu in der Bibel richtig lesen und uns daran halten würden. Aber die erste Bedingung ist wohl die, das wir den festesten Wunsch haben müssen, ein Leben ohne die Sünde zu leben, ein Leben ohne die bitteren Trennungen von Gott zu leben und das Leben zurück ins Paradies zu finden. Dieser Wunsch muß ernstlich sein. Ist dieser Wunsch wirklich aufrichtig und echt, dann erfahren wir, daß wir selbst aus eigener Kraft die Sünde nicht – oder nur sehr schwer! – überwinden können. Aber Paulus macht uns Hoffnung: "denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Geschäfte des Fleisches tötet, so werdet ihr leben." (Röm. 8. 13)
Es gibt nur diesen einen Weg: durch den Geist die Geschäfte des Fleisches, beziehungsweise die Begierden zu töten. Das deshalb, weil die Sünde im Grunde genommen Geister sind, Geister, welche im Fleisch wirken und gegen diese Geister können wir selbst in den wenigsten Fällen klarkommen. Indem wir gegen die Sünden kämpfen, kämpfen wir gegen Mächte, Gewalten und Fürstentümer, also gegen unsichtbare Kräfte. Deshalb ist es nur dem Geist Gottes, also Christus, möglich, die Sünde in uns zu überwinden. Was wir aber selbst dazu beitragen sollen und müssen ist der heiße Wunsch, daß die Sünde bezwungen wird. Ist der heiße Wunsch da, dann dürfen wir, wenn es Not tut auch das Wollen erbitten und es wird uns zuteil werden!
1Jo 3. 9 "Keiner, der aus Gott .geboren ist, tut Sünde; denn Sein Same bleibt in  ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist."



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Zu diesem Thema passend kopiere ich eine erhaltene Schrift aus der Urchristenzeit. Weitere Schriften der "Bibliothek der Kirchenväter" unter diesem Link: http://www.unifr.ch/bkv/index.htm


Ambrosius von Mailand (340-397)
Die Flucht vor der Welt

1. Man kann die Lüste und Begierden der Welt nur unter dem Beistande der göttlichen Gnade fliehen.


1. Wiederholt haben wir ausgeführt, daß man die Welt fliehen müsse: wollte Gott, daß die Herzensmeinung dabei ebenso voll Ernst und Besorgniß wäre, wie die Rede leichthin fließt. Gar schlimm ist es eben, daß nur zu oft die Lockungen der Lust in das Herz Eingang finden, daß die Ergießung der Eitelkeiten den Geist gefangen nimmt, so zwar, daß man im Geiste daran denkt, Das erwägt, was man zu meiden entschlossen ist. So ist es für den Menschen überaus schwer, Das zu meiden, dessen er sich niemals ganz entäussern kann. Man wünscht Das wohl, aber der Erfolg belehrt uns, wie unfruchtbar dieser Wunsch ist. So betet ja auch der Psalmist: „Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zum Geize!“ Wir haben eben unser Herz nicht ganz in unserer Gewalt. Unsere Gedanken, die unversehens in die Seele einströmen, den Geist überschütten und uns nach einer ganz anderen Richtung ziehen, als wir selbst ursprünglich wollten: diese Gedanken rufen uns zu irdischem, weltlichem Begehren, werfen Lüsternheit und Begierlichkeit in unsere Seele hinein; ja selbst in den Augenblicken, wo wir unser Herz im Gebete zu Gott erheben wollen, werden wir oft genug zur Erde wieder herabgezogen.

2. Wer ist so sehr der Seligkeit schon hier theilhaftig, daß sein Herz allezeit emporgerichtet wäre und bliebe? Und vor Allem, wer vermöchte Das ohne die göttliche Hilfe? Gewiß Niemand. Sagt ja auch die Schrift: „Selig der Mann, der seine Hilfe von dir hat. Aufgänge zur Höhe sind in seinem Herzen.“ Ja vollkommen selig ist Derjenige, den keine Lust zurückruft, den keine Begierde beugt, der auf das Niedere gar nicht mehr zurückblickt: diesem Verlangen unterlag freilich selbst Lots Weib. Und durch dieses Beispiel gemahnt vergißt der Apostel das Vergangene, was hinter ihm liegt, und strebt nur Dem zu, was vor ihm ist: so aber eilt er dem Kampfziele entgegen und erreicht dasselbe. Er sieht Christus vor sich, von dem er zur Krone der Gerechtigkeit gerufen wird. Aber er erreicht diese Krone nur, weil er sich selbst verleugnete, um Christus zu gewinnen. Er lebte sich ja auch nicht mehr selbst, sondern Christus lebte in ihm.

3. Wer kann aber bei so vielen Leidenschaften, denen wir im Leibesleben unterworfen sind, bei so vielen Versuchungen, welche diese Welt bietet: wer kann da den Weg zum Leben sicher und ohne Wanken inne halten? Da blickt das Auge zurück, und sogleich zieht es das Fühlen der Seele nach; es hört das Ohr und lenkt die Aufmerksamkeit ab; der Geruch wird eingesogen, und die Gedanken sind sofort gehindert; es kostet der Mund und die Sünde bleibt haften; das Gefühl wird angeregt, und sogleich ist das Feuer entzündet. „Der Tod tritt ein durch das Fenster,“ sagt der Prophet; das Fenster aber ist dein Auge. Wenn du ein Weib ansiehst, ihrer zu begehren, so hat der Tod Eingang bei dir gefunden; wenn du buhlerischen Worten lauschest, wenn dein Gefühl von der Lust ergriffen wird: so hat der Tod bei dir Eingang gefunden. Wer also hinansteigen will zur Wohnung Gottes, der darf nicht den Freuden und Lüsten dieser Welt folgen; er muß entschlossen sein, auch Schmerz- und Leidvolles hinzunehmen. Besser ist es ja, in das Haus der Trauer als in das Haus sinnlicher Freude einzutreten. Hätte Adam nicht der Lust sich gefangen gegeben, er wäre niemals aus dem Paradiese herabgesunken.

4. Mit Recht preist deßbalb auch David, der selbst die Gefahren sündhaften Schauens an sich erprobt hatte, Denjenigen selig, dessen ganze Hoffnung im Namen des Herrn ist. Dann sieht er nicht um nach Eitelkeit, Lüge und Thorheit: er hält vielmehr sein Auge fest und unentwegt auf Christus gerichtet. Darum fleht er: „Wende meine Augen, o Herr, daß sie nicht Eitelkeit schauen.“ Die Eitelkeit ist wie eine Rennbahn ohne Nutzen; sie ist wie die Schnelligkeit des Pferdes, trügerisch hinsichtlich unseres Heiles; wie ein Schauspiel ist die Eitelkeit, und der weise Mann sagt: „Alles ist Eitelkeit, was in dieser Welt ist.“ Wer also selig werden will, der steige über die Welt empor, der suche das ewige Wort beim Vater; er fliehe diese Welt, lasse hinter sich die Erde. Denn Niemand kann jenes ewige, unveränderliche Wort erreichen, wer nicht vorher der Welt entflohen ist. Deßhalb sagte auch der Herr, da er seinem himmlischen Vater sich nahen wollte, zu seinen Aposteln: „Stehet auf, lasset uns gehen!“