Mittwoch, 25. Juli 2012

Ein kleiner, aber fataler Irrtum III


Wenn ein Leser jetzt in diese Lektüre einsteigt, so sei er darauf hingewiesen, daß er zuerst den Teil I und dann den Teil II lesen sollte um den Zusammenhang zu verstehen. Der "fatale Irrtum" wird im Teil I erklärt, im Teil II und hier reden wir von dessen Auswirkungen.

Es ist offensichtlich, daß in den Lutheranischen und baptistischen Freikirchen seit längerer Zeit eine unmerkliche, aber stete Fehlentwicklung stattgefunden hat. Wenn man das  Leben und die Lehren  der Gründerpersonen der verschiedensten Denominationen eingehender studiert und dies mit dem Jetzt-Zustand eben dieser Gemeinden oder Kirchen vergleicht, dann ist es offensichtlich, daß eine unmerkliche und "zeitangepasste" Wandlung stattgefunden hat. Dies zum Nachteil des Evangeliums, als den Hauptbestandteil einer jeden Kirche.

Mit dieser "zeitangepasster" Wandlung leiden auch zentrale Aspekte und Themen im Evangelium, daß sie einfach und manchmal sogar offensichtlich mehr und mehr den Boden der Heiligen Schrift verlassen. Als Beispiel dient

Die Taufe

Die Wassertaufe wird von etlichen Kirchen auf Grund der Aussage im Mt. 28.19: gelehrt und durchgeführt: “Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie halten lehret alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit!”.

Selbstverständlich wehre ich mich nicht gegen die Wassertaufe, ich bin selbst als Erwachsener getauft worden. Einen Schaden wird wohl niemand mit dieser Art Taufe davontragen, ebensowenig wie jemand einen Nutzen davon hat. Jedoch ist es ein eindrückliches Beispiel, wie der Sinn der Heiligen Schrift verzerrt wird.

Gehen wir der Sache einmal auf den Grund. Johannes der Täufer hat im Jordan diejenigen getauft, welche ehrlich Busse getan haben, zu welcher er eindringlich aufgerufen hatte und erklärte unmissverständlich: “Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, so daß ich nicht gut genug bin, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch im heiligen Geist und mit Feuer taufen.” (Mt. 3.11) Danach erschien vom Heiligen Geist getrieben Jesus, direkt aus der vierzigtägigen Fastenzeit. Jesus liess sich mit Wasser taufen, und alsbald " da er aus dem Wasser stieg, sah er die Himmel zerrissen und den Geist gleich einer Taube auf ihn herabsteigen" (V 16)

Aus diesem Vers schliessen nun die betreffenden Kirchen, daß wenn man sich mit Wasser taufen liesse, so werde man mit dem Heiligen Geist erfüllt. Klar, diese Schlussfolgerung ist naheliegend, aber wie man landauf, landab feststellen kann, nicht zutreffend. Wenn die Geisterfüllung mit der Wassertaufe im Zusammenhang stehen würde, so hätte Jesus mit Sicherheit Seine Jünger auch mit Wasser getauft. Und auch Johannes der Täufer, wenn er durch die Wassertaufe mit dem Heiligen Geist so ganz erfüllt worden wäre wie Jesus (zu einem gewissen Grad war er mit dem Heiligen Geist erfüllt, das steht ausser Zweifel!), dann hätte Johannes, nachdem er Jesus getauft hatte, seine Taufe am Jordan eingestellt und wäre Jesus nachgefolgt. Ebenso seine Jünger. Diese blieben bei Johannes und so geschah es, daß Jesus und Johannes zeitgleich dem Volk jeder seine eigene Botschaft unabhängig voneinander verkündete. Später dann wurde Johannes unsicher und liess Jesus durch seine eigenen Jünger fragen:  "Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?" (Mt. 11. 3) Der Heilige Geist, mit dem Johannes angetan war, konnte ihm also keine Gotteserkenntnis vermitteln – die Wassertaufe war offensichtlich in Bezug auf die Ausgiessung des Heiligen Geistes bei ihm und seinen Jüngern nutzlos.

Wenn also die Wassertaufe in der Christlichen Lehre keine Bedeutung hat, weshalb wird dann heute gelehrt, daß mit dieser Taufe die Geistestaufe einhergehen wird? Findet diese "Geistestaufe" einfach im Glauben statt, fernab von jeder Realität?

Etwas ganz anderes ist die Taufe, mit welcher Jesus tauft: " … der wird euch im heiligen Geist und mit Feuer taufen." Und genau mit dieser Art von Taufe, nämlich im Namen des Vaters, des Sohnes und dem Heiligen Geist, der Taufe mit der Kraft des Geistes wurden die Jünger in die Welt ausgesandt: " Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie halten lehret alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit!"

Wie Apollos die Lehre des Johannes und seiner Wassertaufe noch nach Jesu Auffahrt in den Synagogen predigte, so hat sich diese Lehre bis heute gehalten. “Ein Jude aber mit Namen Apollos, aus Alexandrien gebürtig, ein beredter Mann, mächtig in der Schrift, kam nach Ephesus. Dieser war unterwiesen im Wege des Herrn und feurig im Geist, redete und lehrte genau über Jesus, kannte aber nur die Taufe des Johannes. Dieser fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten.” (Apg. 18. 24)



Soviel zur Wassertaufe.

Die Wiedergeburt

Ein anderes, sehr wichtiges Thema ist die Wiedergeburt. Die Heilige Schrift sagt ganz klar und unmissverständlich: “Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!” (2. Kor 5.17) Das heißt doch für einen nur einigermassen gebildeten Menschen, daß wenn das Akte vergangen neu geworden ist, dann ist vom Alten nichts mehr vorhanden. Also es kann keine Sünde mehr getan werden: "Keiner, der aus Gott geboren ist, tut Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist" (1.Joh. 3. 9). In der Lesart der Freikirchen aber heißt das etwas ganz anderes. Nach ihrer Theologie ist man nach der Bekehrung wiedergeboren, auch wenn alle alten Begierden, alle alten Süchte und alle alten Leidenschaften noch immer aktiv sind! Über dieses Thema habe ich schon einige Aufsätze geschrieben und ich empfehle, sich mit dieser wichtigen und heilsrelevanten Thematik eingehender auseinanderzusetzen.

Es wäre noch einiges anzufügen, wo es für alle die institutionellen evangelischen Kirchen tunlich wäre, eine ehrliche Standortbestimmung durchzuführen und sich nicht einfach den Stempel der Unfehlbarkeit aufzudrücken. Allgemein gilt noch immer: An den Früchten sollt ihr sie erkennen! Und diese Früchte sind eben schon ein bisschen vom Wurm angeknappert und zum Teil recht ungeniessbar geworden: Schau die vielen Kranken, die vielen Depressionen, ja die Unzüchtigen und die nicht zu übersehende Weltbezogenheit (TV, Facebook, Make-up, Mode, Luxus) in den Gemeinden!

Aber kehren wir zurück zu unserem Thema der letzten Folge, der Sünde. Dieses Thema ist so wichtig, nicht nur deshalb, weil der kleine, aber fatale Irrtum in der fälschlichen Auslegung vom zentralen Punkt des Evangeliums ausgeht: "Jesus hat die Menschheit am Kreuz von der Sünde erlöst."

Wir haben in den letzen Folgen erkannt, daß Jesus die Menschheit von der Knechtschaft, also vom Fluch der Sünde freigemacht hat.

Warum sündigt der Mensch?

Nun kommt wieder eine entscheidende Frage: Weshalb sündigt denn der Mensch immer noch – trotz der Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde durch das Blut Jesu? Die Antwort lautet: Es steht ihm frei, ob er sündigen will oder nicht! Die natürliche Ausgangsbasis ist die, daß der einst durch Ungehorsam und Trotz gefallene Mensch im Gefolge Luzifers sich freiwillig von Gott abgewandt hat, so soll er jetzt ebenso freiwillig (und willig!) zu Gott zurückkehren. Deshalb muß er seinen selbst verursachten gefallenen Zustand überwinden, wie das auch Adam hätte tun sollen. Diese Überwindung setzt den ganzen Ernst und die ganze zur Verfügung stehende Kraft voraus, den Schritt zurück zu Gott zu tun.

Gott selbst macht uns die Wahl leicht, denn Er versprach, nicht nur das Vollbringen zu garantieren, sondern sogar auch das Wollen zu geben, wenn wir willensschwach sind, aber diesen Wunsch haben. Er gibt uns beides, das Wollen und das Vollbringen!

Jesus, unser Mensch gewordene Gott und Schöpfer, stellt eine ganz klare Forderung: "Gehe hin und sündige nicht mehr!" Erst wenn wir gewillt sind, nicht mehr zu sündigen, sind wir auf dem Rückweg ins Paradies, erst dann sind wir auf dem Weg zur Heiligung. Jetzt sehen wir so langsam den Unterschied dieses Sachverhaltes zur kanonischen Kirchenlehre, wie in der letzten Folge beschrieben. Jesus will nicht, daß wir nur im Glauben nicht mehr sündigen, sondern in der täglichen, realen Welt hingehen und tatsächlich nicht mehr sündigen, das ist der Wille Jesu! Heißt es nicht auch, "das ist der Wille Gottes, eure Heiligung"? (1. Th 4. 3). Jesus spricht nicht von einem Glauben an irgend etwas. Er will, daß wir in Tat und Wahrheit, im Alltag nicht mehr sündigen!

Noch einmal: Warum sündigen wir trotzdem? Wir sündigen, weil wir von der Sünde umgeben sind und uns nicht freiwillig davon lösen! Die Sünde um uns ist unser Fleisch, unser Leib, unser Körper. Die Materie ist die Welt, ist die Finsternis und der Tod. Mit diesem Fleischleib müssen wir uns auseinandersetzen, weil in ihm – und nur in ihm allein – die verführerischen Begierden, Leidenschaften und Gewohnheiten sitzen. Aber damit nicht genug. Ausser diesem sitzt auch der alte Trotz, der Hochmut, der Neid, der Geiz und welche Satanstugenden noch mehr sind, im Leib. Also von einem Heiligen Tempel, welcher unser Leib darstellen soll, sind wir noch himmelweit entfernt!

Alle diese Sünden und Unarten müssen herausgeschafft werden. Aber in Tat und Wahrheit, nicht virtuell, im Glauben! Diese aktive, von uns betriebene Heiligung, von uns selbst gewollt und mit Eifer erkämpft, ist die Überwindung der Sünde, die Überwindung der Welt und die Überwindung des Fleisches mit all ihrer Lust und ihren Reizen. Das ist es, was die Kirchenlehre nicht erkannt hat und wahrscheinlich auch nicht erkennen will, weil ihr die Mitglieder davon laufen würden, sollten die Pastoren solches predigen. Vielleicht hat sie es doch erkannt, aber sie lehrt es nicht, wenigstens nicht prioritär, weil diese Überwindung wirklich nicht jedermanns Sache ist. Sie ist mühsam und entspricht nicht der naturgemässen Trägheit der Seele, welche sich lieber von allem Angenehmen berauschen lassen will. So ist es auch zu verstehen, wenn die Kirche kein Freund der gnostischen Lehre sein kann, denn ohne Mitglieder stirbt jede Institution. Und nicht nur die Kirchenmänner und –frauen wehren sich mit Händen und Füssen gegen die bibelumfassende gnostische Lehre, auch die einzelnen Gläubigen, weil sie mit dem Seligkeitsevangelium besser schlafen können.

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist aber, daß die Institution Kirche durch ihre eigene Trägheit denen vor dem Himmel steht, die eigentlich hineinwollen. Sie akzeptiert die Sünde weitgehend mit dem Argument, daß wir zwangsläufig noch im Fleisch leben und dieses Fleisch die Ursache der Sünde ist. Nun haben wir es ja wieder: Sie vertritt, daß Jesus schon unsere Sünden vergeben hat bevor wir sie ausführen und deshalb müssen wir nicht gegen unsere sündige Natur angehen und ignoriert, daß wir uns zuerst davon befreien müssen!

Die Vergebung der Alltagssünden

Halten wir fest: Obschon wir (durch das den Lustreizen ausgesetzte Fleisch) nicht mehr sündigen müssen, sündigen wir trotzdem, weil die Widerstandskraft dagegen nicht ausgebildet ist. Wenn Jesus nicht für unsere Alltagssünden, sondern nur für die Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde gestorben ist, was geschieht denn mit diesen unseren durch die Trägheit der Seele begangenen Sünden? Sind sie vergeben oder nicht, was müssen wir allenfalls tun?

Es geht hier ganz klar nur um diese Sünden, welche wir verüben, während wir auf dem Weg der bewussten Heiligung sind! Also, wenn wir echt nicht mehr sündigen wollen, aber, wie es eben immer wieder vorkommt, abermals fallen, was uns dann selber bis in die Haarspitzen ärgert und wir uns selbst zum x-ten Mal vornehmen, daß es nicht wieder passiert. Dabei ist es auch erforderlich, daß wir ganz klar das Ziel vor Augen haben, diese Sünden in Tat und Wahrheit eines Tages überwunden zu haben.

Das Neue Testament gibt uns drei Punkte, damit unserer Sünden, die wir auf dem Weg der Heiligung verüben, einst nicht mehr gedacht wird:

·        Busse tun. Das heißt die Sünden echt bereuen, es muß uns zutiefst leid tun, daß wir gesündigt haben. Das setzt natürlich Sündenerkenntnis voraus, welche uns allein der innewohnende Geist Gottes vermitteln kann. Die Sündenerkenntnis muß in uns einen Ekel an der Sünde hervorrufen, daß wir

·         nicht mehr sündigen (wollen). Es muß unser heiligster Ernst sein, nicht mehr zu sündigen und dazu müssen wir alle unsere Kräfte aufbieten. Da dies aber aus unseren eigenen Kräften nicht völlig gelingen kann, wird uns die Kraft des Geistes Gottes beistehen. Es ist der Kampf gegen die Sünde bis aufs Blut! Dieser "Weg der Heiligung" ist in den verschiedensten Aufsätzen in diesem Blog schon beschrieben worden.

·         als dritter Punkt gilt das Gebot, daß wir allen unseren Schuldigen unsererseits vergeben. Wir dürfen gegen niemanden mehr auch nicht das kleinste Ressentiment, nicht mehr den kleinsten Missmut haben. Auch das ist nur mit und durch die Kraft des Geistes Gottes in uns zu erreichen. Aber es muß unser Ernst sein in dem wir nicht nachlassen, bis auch dieses Ziel erreicht ist!

Erfüllen wir diese drei Punkte, dann sind unsere Sünden vergeben, vor allem, wenn der gute Wille für Gott ersichtlich ist.

Jak 1. 12:  "Glückselig der Mann, der die Erprobung erduldet! denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche er denen verheißen hat, die ihn lieben."

Nun kommen wir zu einem heiklen Punkt, der von den Kirchen aufs Vehementeste abgelehnt, ja sogar bis aufs Äusserste bekämpft wird. Ich selbst habe mich nun über zwei Jahre gescheut, davon zu schreiben, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, über diesen sensiblen Punkt zu reden.

Die aktive Heiligung der Seele im Kampf gegen die Sünde aus dem Fleisch erhält einen asketischen Aspekt! Ich denke dabei vor allem einmal ans Fasten. Jesus hat vierzig Tage gefastet und sagt, auch um gewisse Geister ausfahren zu lassen, sei beten und fasten unerlässlich. Johannes und Paulus haben sich ebenfalls mit asketischen Gedanken auseinandergesetzt, was immer wieder ihren Briefen zu entnehmen ist. Natürlich geht es hier nicht um eine übertriebene Selbstkasteiung, es darf auch niemals zu einem Selbstzweck werden.

Nachdem uns nun eingehend bewußt geworden ist, in welche fatale Sackgasse sich die Kanoniker mit ihrer Kirchenlehre verfahren haben, wollen wir unseren Blick ganz auf den Weg der Heiligung konzentrieren. Es ist uns auch klargeworden, daß wir von ihnen keinerlei Rückendeckung, sondern nur Verachtung und Verketzerung einheimsen werden. Das soll uns aber nicht beirren und begeben uns unter die direkte Führung des Geistes Gottes auf einen recht beschwerlichen, mit Disteln und Dornen bespickten Weg, der jedoch in einsame Höhen führt …

Hier geht's zum letzten Teil

Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.