Mittwoch, 18. Juli 2012

Ein kleiner, aber fataler Irrtum II


Wichtig: bitte lese zuerst den Teil 1 um die folgenden Ausführung nachvollziehen zu können.

Im ersten Teil haben wir gesehen, daß die Auslegung der biblischen Aussage "Jesus hat uns Menschen durch Seinen Tod am Kreuz von der Sünde erlöst" in der evangelischen Freikirchen-Lehre eine ganz falsche Richtung angenommen hat. Sie lehrt, daß Jesus am Kreuz unsere Sünden, welche wir tagtäglich begehen, am Kreuze schon vergeben hat und wir durch den Glauben gerechtfertigt und geheiligt seien.

Demgegenüber sagt die gnostische, also die ganze Bibel umfassende Lehre, daß Jesus lediglich für die Erbsünde am Kreuz gestorben ist. Ein kleiner Irrtum der Kirchenlehre mit fatalen Folgen!

Was bedeutet dies?

Jetzt muß ich auch sinngemäss bei Adam und Eva beginnen, weil wir zuerst das Wesen der Erbsünde eingehender begreifen müssen um ebenso die Erlösung aus eben dieser Erbsünde besser zu verstehen und schliesslich, welche Konsequenzen diese Erlösung für uns hat und wie wir (und natürlich Gott!) mit unseren jetzigen Alltagssünden umgehen.



Der Baum des Lebens

Und Gott der Herr ließ allerlei Bäume aus der Erde hervorsprossen, lieblich anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.” (1. Mo 2. 9) Der Baum des Lebens ist natürlich eine Entsprechung, ein Gleichnis. Der Baum entspricht der Fruchtbarkeit, heute würde man das technisch ausdrücken: der Reproduktion. Der Fruchtbarkeit des Menschen dienen bekanntermassen die Geschlechtsteile und der innere Trieb, diese Organe auch hin und wieder zu nutzen – zu welchem Zweck auch immer. Und das war die erste Erkenntnis: Man(n) konnte diese Organe zum Guten, also zur Zeugung einer Frucht oder auch zum Bösen, zur reinen Lusterzeugung und deren Befriedigung nutzen. Nach dieser für Adam neuen Erkenntnis erwuchs auch auf der Stelle das Schamgefühl.

Gott verbot Adam und Eva den Genuss dieser Früchte bis Er sie (die Frucht) gesegnet hat. Das Essen der Frucht ohne diesen Segen bedeutet Ungehorsam und Trotz, welcher auch die Ursünde war, die einst den Abfall Luzifers von Gott zur Folge hatte. Der Ungehorsam, die nicht gesegnete Frucht zu essen bedeutete in der Folge die Vertreibung aus dem Paradies.

Die Vertreibung aus dem Paradies

Zuerst sei bemerkt, daß das Paradies keinen bestimmten Ort, sondern einen bestimmten Zustand bedeutet. Dieser paradiesische Zustand Adams war ein mehr geistiger als materieller. Die Bindung der Seele Adams mit seinem Körper war eine eher lose, da diese mehr auf das Geistige Leben ausgerichtet war indem der innenlebende Geist Gottes recht stark ausgeprägt war. Anders nach seinem Fall, da war der Geist Gottes, also das Ebenbild Gottes, nur noch vergleichbar mit einem Samenkorn, das zuerst erweckt werden muß. Also, auf Grund des sehr ausgeprägten Geistes, wie Gott eben Sein Ebenbild schuf, hatte Adam einen recht persönlichen Umgang mit Gott und den Engeln, welche sich ihm auch sichtbar zeigten und ihn alles lehrten. Durch den Ungehorsam, also durch die sexuellen Reize ohne Absicht eine Frucht zu zeugen, haben sich die beiden mehr und mehr dem Materiellen hingegeben und der geistige Aspekt verlor mehr und mehr in ihrem Leben an Bedeutung. Dadurch büssten sie zuerst den sichtbaren, dann den persönlichen Kontakt mit Gott und den Engeln und ebenso die Herrschaft über die Natur ein. Selbst die Schlange erhielt die Macht, den Menschen in die Ferse zu stechen, da Adam, und mit ihm der Mensch nicht mehr Herr der Natur war. Als Adam und Eva richtig materielle Menschen ohne die anfänglichen geistigen Fähigkeiten geworden sind, wurde ihnen Nachwuchs geboren. Diese Kinder aus der Sünde (Ungehorsam) waren ebenso materiell wie die Eltern und diese Vererbung ist die Erbsünde.

Die Rückkehr ins Paradies

Hätte der heutige Mensch die Heiligkeit Adams vor dem Fall, so hätte er auch alle die geistigen Fähigkeiten zum großen Teil wieder und wäre wieder das Ebenbild Gottes, wie es der Schöpfer für die Menschen vorgesehen hat! Er hätte erneut eine persönliche und intensive Verbindung mit den Engeln und Gott. Sein Zustand wäre das Paradies wie ehedem!

Jesus, Mensch gewordener Gott, hat diesen Weg in den Urzustand Seiner Schöpfung wieder frei gemacht in dem Er den Ungehorsam und den Trotz als erster Mensch bis zum Tod am Kreuz überwunden hat. Er hat den Gehorsam und die Demut bis zum Allerletzen Augenblick gelebt wie auch die beiden grundlegenden Gebote, Gott und die Nächsten zu lieben - und Satan konnte Ihn deshalb nicht in die Ferse stechen und hatte keine Macht über Ihn, der Tod hatte für Ihn keinen Stachel.

Jesus hat diesen Sieg gegen den Ungehorsam, gegen den alten Trotz, gegen die Sünde, die Finsternis und den Tod für alle Menschen errungen. Jesus hat alle Menschen von der Erbsünde und deren Folgen erlöst. Nicht nur für die gläubigen Christen, das muß an dieser Stelle ganz klar gesagt werden! Paulus sagt das unmissverständlich so: "Also: wie der Sündenfall des einen zur Verurteilung aller Menschen führte, so führt auch das gerechte Tun des Einen alle Menschen zur lebenbringenden  Rechtfertigung." (Rö. 5. 18 ). Das heißt: jeder Moslem, jeder Buddhist, jeder Esoteriker, jeder Betrüger und jeder Mörder ist von der Erbsünde befreit und erlöst! Jeder Mensch ist von der Knechtschaft der Sünde befreit und durch das Blut wieder geheiligt, weil das Fleisch, die Schlange oder wenn Du lieber willst, Satan keinen nötigenden Zugriff auf die menschliche Seele mehr hat ("Tod, wo ist dein Stachel?"). Stattdessen kann die Seele seit dem Kreuzestod frei entscheiden, wohin sie sich ausrichten will, hin zum Geist oder bei den Lüsten des Fleisches (beim Materiellen) bleiben.

Das Gesetz (der Juden) vermochte es nicht, die Menschen zu rechtfertigen, wenn sie alle diese Gesetze hielten. Im Gegenteil, die Gesetze erst machten die Menschen zu Sündern. Erst Jesus, nachdem Er alle Menschen gerechtfertigt hat, schaffte die Möglichkeit dank der Gnade, die Sünde zu überwinden. Deshalb sagt Paulus einige Male, besonders im Römer- und Galaterbrief, daß die Rechtfertigung allein aus Seiner Gnade erfolgt und niemals durch eines Menschen Tun oder Laufen. Genau in diesem Punkt nun befindet sich die Kirchenlehre in einem großen Konflikt. Sie verwechselt die vergebene Erbsünde mit den Alltagssünden, welche wir heute tun. Wenn wir also Selbstbefleckung verüben, dann seien wir nach der evangelischen Kirchenlehre bereits gerechtfertigt! Und genau das Gegenteil ist der Fall. Die Ordnung Gottes ist es, daß der Mensch nach Jesu Tod eben nicht mehr sündigt, weil er wie schon wiederholt gesagt, von der Knechtschaft der Spünde frei ist. Sündigt der Mensch nun aber weiterhin, dann ist das in den Augen Gottes eine freiwillige oder mutwillige Sünde! Wir sündigen dann ohne sündigen zu müssen, einfach, weil es Spass macht, weil unser Fleisch uns dazu verführt und wir ihr nicht widerstehen. Wenn wir also freiwillig sündigen, obschon wir aus der Gefangenschaft des Fleisches entlassen sind, hat Gottes Wort ein sehr schweres Urteil in peto: "Denn wenn wir freiwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für Sünden kein Opfer mehr übrig, sondern ein schreckliches Erwarten des Gerichts und Feuereifers, der die Widerspenstigen verzehren wird. Wenn jemand das Gesetz Moses mißachtet, muß er ohne Barmherzigkeit auf  die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin sterben, wieviel ärgerer Strafe, meinet ihr, wird derjenige schuldig erachtet  werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes,  durch welches er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der  Gnade geschmäht hat?" (Hebr. 10. 26)

Bei einer Umfrage bei Gläubigen verschiedenster Denominationen mit der Fragestellung ob es "im Leben von Wiedergeborenen keine Sünde mehr gäbe" kommen sehr interessante – oder besser gesagt: haarsträubende – Antworten zutage, welche ein abgerundetes Bild der kirchlichen Verkündigung darstellen:

·         "Nee es ist uns schlicht unmöglich ohne Sünde zu leben ... wir können uns täglich neu mühen und üben uns unserer Schwächen bewusst zu werden und diese wegzulassen und an uns arbeiten. Allerdings werden wir die Sündlosigkeit hier auf Erden nie erreichen." 

( Jesus hat sich anscheinend etwas übernommen, als Er das Gebot an die einfachsten Leuten richtete: "Gehe hin und sündige nicht mehr!)


·         " … ich stimme zu, dass es uns auf der Erde nicht möglich ist oder gelingt ohne zu sündigen.
Man muß aber nicht resignieren, sondern kann jeden Tag unter Jesu Kreuz gehen und alles
abladen.
"
(Auch Johannes wusste offenbar nicht so recht, um was es eigentlich ging, wenn er behauptet: "Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist." (1.Joh. 3:9))

·         "Doch das steht nicht in der Schrift, dass wir hier auf Erden ohne Sünde leben können. Dann bräuchten wir nicht die ständige Vergebung und das beständige Gebet mit dem HERRN."
(Na klar, das steht wirklich nicht in der Schrift – oder man hat vergessen es mit Farbe zu markieren! Alles was nicht mit Farbe in der Bibel markiert ist, existiert auch nicht, so einfach ist das. Aber für diejenigen, welche das noch nachholen möchten: "Wir wissen, daß jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an." (1.Joh.5:18))
·         "Wir leben immer noch in der gefallenen Welt und haben den 1. Tod noch nicht geschmeckt. Solange bleiben wir gefangen im sündigen Leib. Dafür hilft uns unser HERR jeden Augenblick, wenn wir IHN um Hilfe, Trost und Vergebung bitten."
(Da wir ja noch im sündigen Leib gefangen sind, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als nach dem Fleisch zu leben. Paulus muss sich da offensichtlich schwer geirrt haben, wenn er schreibt: "Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Geschäfte des Fleisches tötet, so werdet ihr leben." (Röm. 8. 13))
·         "Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht trotzdem in irgendeiner Form sündigen. Und zwar jeden Tag mehrfach. Denn es ist keinem Menschen hier auf Erden möglich, alle Gebote für nur einen Tag zu halten ohne ein Wort davon zu brechen. Weder Mose, noch David, noch Elia, noch Paulus konnten das. Wir auch nicht."
(Wenn man noch nicht erkannt hat, was es heißt im Geiste zu wandeln, na ja, dann sündigen wir täglich mehrmals – ist weiter auch nicht schlimm, wir sind ja gereinigt durch das Blut Jesu – oder? Paulus hat leider keine Bibelschule besucht, sonst würde er folgendes kaum geschrieben haben: "Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen." (Galater 5. 16))

·         Ein Missionar sagt:
" - Ihr seid gereinigt und geheiligt durch Jesu Blut!
- Aber ihr seid auch noch sündhaft, weil ihr in einer irdischen, fleischlichen Zeltwohnung lebt."
(Weil die Erkenntnis Gottes und die Geistigen Zusammenhänge in der Kirchenlehre augenscheinlich zum Teil völlig fehlen, muß man auch Missionaren Verständnis entgegenbringen, wenn sie das nicht so klar begriffen haben. Paulus sagte zu den hochgradig weisen Korinther mit Seitenblick zu uns: " ... Werdet doch wirklich nüchtern und sündigt nicht! Denn etliche haben keine Erkenntnis Gottes; das sage ich euch zur Beschämung." (1. Kor. 15. 34))

Wenn dieses Thema nicht derart ernst wäre, könnte man sich ob solchen Aussagen - die wie gesagt die theologische Kirchenlehre widerspiegeln! – fürstlich amüsieren. Aber wenn man bedenkt, daß die Mitglieder solcher Institutionen derart aufs Glatteis geführt werden, völlig an der Bibel vorbei gelehrt werden, dann ist das ganz einfach traurig. Ein ganz klares Postulat der Bibel lautet: " ... Sollten wir in der Sünde verharren  ... ? Das sei ferne!" (Röm. 6. 1)

Weshalb mahnt Paulus eindringlich, daß wir nicht in der Sünde verharren sollen und weshalb sagt Jesus selbst eindringlich mehrmals: "gehe hin und sündige nicht mehr!" ?

Was ist die Sünde geistig gesehen?

Die Sünde ist eine Übertretung der Ordnung Gottes. Eine Sünde ist immer eine Trennung von Gott und weil Gott das Leben ist, ist die Sünde eine Trennung vom Leben! Also, die Sünde ist der Tod. Sündigen wir, so bieten wir dem die Hand, welcher unsere Trennung von Gott will. Deshalb müssen wir alles daran setzen, daß wir der Sünde und damit dem Widersacher nicht mehr dienen, daß wir die Trennung von Gott überwinden. Wenn bei den vorherigen Aussagen jemand so unbekümmert sagt, daß wir halt "jeden Tag mehrfach sündigen", dann hat diese Person noch in keiner Predigt gehört, daß man damit jeden Tag mehrfach von Gott getrennt ist und daß der Leib ein Tempel Gottes sei. Wie soll Gott in einem Tempel wirken können, wenn Er wegen der mehrfachen Sünde täglich keinen Zutritt zum Tempel hat?

Es ist schrecklich, mit welcher Unbekümmertheit die Kirchenlehre mit der Sünde umgeht. Das kommt daher, weil die irrige Auffassung herrscht, daß Jesus am Kreuz für unsere Sünden, die wir täglich begehen, gestorben ist. Nur so ist es erklärbar, daß es ganz normal sein darf, täglich mehrmals zu sündigen. Sagte da nicht jemand: "Man muß aber nicht resignieren, sondern kann jeden Tag unter Jesu Kreuz gehen und alles abladen." Ja, so einfach ist das. Oder besser gesagt, so einfach macht man sich das. Eine solche Haltung der Sünde gegenüber ist nicht biblisch, sondern teuflisch! Er sagt: "Ihr sündigt, weil ihr noch im Fleisch lebet, aber mitnichten werdet ihr sterben, ihr seid ja rein durch das Blut!" Aber nicht nur der Teufel sagt das – auch die Kirche!

Die oben zitierte Antwort des Missionars: "Aber ihr seid auch noch sündhaft, weil ihr in einer irdischen, fleischlichen Zeltwohnung lebt" belegt das eben gesagte und beweist die absolute Unkenntnis darüber, weshalb Jesus am Kreuz gestorben ist: Die Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde. Wenn die Menschen so gelehrt werden, wie sollen sie denn von der Sünde frei werden, das heißt, die Sünde überwinden können (und wollen)?

Mit diesen Voraussetzungen ist es nachvollziehbar, daß die Kirche den "Weg der Heiligung" nicht lehrt, welcher von der Heiligen Schrift dringlichst empfohlen wird! Es ist auch nachvollziehbar, wenn die Kirche den "Weg der Heiligung" als Selbsterlösung sieht, denn dieser verstösst gegen das irrige Konzept der Heiligung allein durch den Glauben allein.

Einmal mehr wird uns klar, daß ein kleiner Fehler im Verständnis und der Auslegung ungeahnt grosse Folge hat. Mit der Lehre, daß Jesus für unsere täglichen Sünden gestorben ist, arbeitet die kanonische Kirche dem Widersacher Gottes direkt in die Hände!

In der nächsten Folge wollen wir unter anderem sehen warum wir trotz der Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde immer noch sündigen und wodurch unsere täglichen Sünden vergeben werden.

Und hier geht's zum dritten Teil