Mittwoch, 16. Mai 2012

Wenn der Glaube zur Illusion wird


Befasst man sich mit dem Gemeindeleben, oder genauer gesagt mit dem Zustand der freikirchlichen Gemeinden, so macht man eine erschütternde Feststellung. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen herrschen korinthische Zustände. Die Kirchenmitglieder lieben die Welt, das Fernsehen und den Facebook so wie einst die Korinther ihren Hafen mit seinen Vergnügungen und Multikulti. Jesus sagt im Joh. 15. 19: "Wenn ihr von der Welt wärt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ICH euch aus der Welt heraus erwählt habe, darum hasst euch die Welt."

Hoppla! Wer wird denn hier gehasst? Kein Mensch! Nein - im Gegenteil. Man darf doch die Welt mit ihren Sünden (vorgeburtliche Kindstötung, Homosexuellen-Ehen, "zwei Religionen-Ein Gott") nicht anprangern, sonst könnte man ja kein Zeugnis mehr sein! Oder? Nicht Absonderung von der Welt, sondern Gleichschaltung und Integration mit der Welt, das ist das Wesen des zurücklehnen-mit-Popcorn-Maria!-bring-noch-ein-Bier-Evangeliums. Ein Evangelium zwischen Tagesschau und Sportnachrichten. Was ist der Unterschied einer Kirchlichen Gemeinde und einem weltlichen Gesangsverein? Die Mitglieder von beiden haben dieselben gesundheitlichen, sozialen und menschlichen Probleme! Bei beiden wirkt der Geist Gottes genau gleich und derselben Intensität: nämlich überhaupt nicht!

Woher kommt dieser Zustand? So wie die Korinther ihr Evangelium zurechtgeschneidert hatten und die einen sich zum Evangelium des Apollo, die andern zu demjenigen des Kephas und die Dritten zum Evangelium des Paulus gehalten haben, so hat man sich auch heute ein ganz speziell tolles Evangelium zurechtgebastelt. Ein Evangelium, das gut ankommt und sich ausgezeichnet für Fernsehpredigten eignet in dem es allen Zuhörern die Seligkeit verspricht. Dieses Seligkeitsevangelium wie es heute landauf, landab gang und gäbe ist, hat mit dem reinen Evangelium kaum mehr etwas gemeinsam, obschon ersteres die Bibel als Basis hat und alle die selbstberufenen Prediger und Pastoren diese stets im Munde führen.

Das "Evangelium light", das die Ohren kitzelt bis sie wackeln, ist ein Evangelium des "Ihr seid gerecht aus eurem Glauben und ohne eure Werke". Das reine Evangelium ist das Evangelium vom Kreuz. Dieses sagt das Gegenteil: "Ihr werdet gerecht durch euren Glauben mit dessen Werke". (Lieber Freund, lies zur Abwechslung mal den Jakobusbrief!)

Wie das heutige Lügengebäude des "Glaubens ohne Werke" aufgebaut ist, das wollen wir im Folgenden auseinanderdividieren.

Da haben wir als erstes die Sündenvergebung Jesus durch Seinen Tod am Kreuz. Die offizielle (Frei-)Kirchenlehre lehrt " aber da wir wissen, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Christus Jesus, haben wir auch an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird.(Gal 2.16). Obwohl das in der Bibel steht, so ist dieser Vers für sich allein genommen, falsch. Die Sündenvergebung hat zwei Aspekte. Zuerst hat Jesus uns diese Sündenvergebung durch Seinen Tod am Kreuz anerboten. "Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt!" (1. Joh.2. 2).  Er ist für alle gestorben, aber nicht allen bedeutet dieser Tod auch die Sündenvergebung. Und diese Seine Tat kann nun wirklich nicht durch unsere Gesetzeswerke kompensiert werden, das ist klar und das meint Paulus in seinem Galater und Römerbrief. "Richtig" sagt die Freikirche "wir müssen an Jesus und Seinen Tod glauben, dann haben wir die Sündenvergebung!". Und genau das ist falsch. Der zweite Aspekt ist die Annahme  der Sündenvergebung unsererseits durch unsere Werke! Der Glaube ist zwar erforderlich, aber er allein nützt uns nichts! Nur wenn wir die erforderlichen Werke tun, dann hat der Sühnetod Jesu für uns Gültigkeit. Dieses erforderliche Werk unsererseits ist die Vergebung unserer Widersacher und Verfolger, also unserer Feinden. Oft ist es nicht einfach, diesen zu vergeben. Aber das ist ein Muss, denn erst, wenn wir dies getan haben, sind auch unsere Sünden vergeben! Sündenvergebung ohne Werke unsererseits, nur durch puren Glauben, ist eine reine Illusion!

Als Zweites haben wir die Heiligung. Die Kirche lehrt "Denn wir urteilen, dass der Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke." (Rom. 3.28) Der Mensch sei heilig, allein durch den Glauben. Das klingt gut! Das gefällt jedem. Dieser Glaube erfordert nichts, eine wirklich tolle Sache! Und es steht sogar noch in der Bibel, also muss es doch stimmen und wenn jemand etwas anderes behauptet, dann ist er ein Irrlehrer.

Auf die Gefahr hin, ein Irrlehrer zu sein, behaupte ich aber eben das Gegenteil. Nicht durch den Glauben allein sind wir geheiligt. Nicht durch Glauben allein, sind wir den Sünden abgestorben. Nicht durch Glauben allein sind wir der Knechtschaft der Sünde ledig geworden. Nein! Durch unsere Werke nur. Durch unser Kampf. Den Kampf gegen unser Fleisch, wenn wir immer noch das tun, was wir nicht wollen, und das nicht tun, was wir tun wollen, dann ist der Kampf noch nicht beendet. Wenn wir noch sündigen, sind wir noch nicht heilig. Würde der lapidare und billige Glaube das schaffen, dann müssten wir nicht bis aufs Blut der Sünde widerstehen. Dieser Kampf ist nicht einfach, ist nicht kurz. Dieser Kampf tut weh, bereitet Schmerzen und erfordert Verzicht. Es erfordert nicht weniger als die Verleugnung seiner selbst. Wer da behauptet, wir seien aber nur durch den Glauben alleine geheiligt, belügt sich selbst und lebt in einer Traumwelt – und erfahrungsgemäß ist es sehr, sehr schwer, solche Leute aus ihrer Illusion zu holen!

Weshalb aber schreibt denn Paulus, dass wir aus dem Glauben gerechtfertigt werden? Weil es ohne den Glauben nicht funktioniert. Es ist uns Menschen nicht möglich, in eigener Kraft diesen obenerwähnten Kampf zu gewinnen. Wir kämpfen gegen unsere Sünde nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen Mächten und Gewalten, gegen Fürstentümer. Und diese Kraft die da von Nöten ist, kann nur durch den Geist Gottes, also durch den Glauben kommen. Ohne Glauben geht es nicht. Selbst wenn unser Wollen zu diesem Kampf eine Gabe des Geistes ist, so müssen wir dieses Wollen haben. Und nachdem wir dieses Wollen haben, muss der heiße Kampf gegen die Sünde aufgenommen und über alle Hügel und Täler geführt werden! Koste es was es wolle, denn etwas Unheiliges kann nicht in den Himmel eingehen. Für diesen Kampf heißt es aber, selbst die Hände aus dem Hosensack zu nehmen und mit der Kraft des Geistes gegen unsere Begierden  und Leidenschaften, gegen den Zorn, Neid und Gier anzugehen!

Predige diesen Kampf gegen die Sünde im Fernsehen und sieh, was dann passiert! Predige dieses Kreuz in der Gemeinde und schau wieviele Schäfchen Ende Monat noch in der Gemeinde sind! Aber das ist das reine Evangelium. Das muss gepredigt werden, auch wenn's den Leuten nicht gefällt!

Aber es gibt noch viel mehr. Zum Beispiel die Wiedergeburt. Darüber habe ich zwar schon viel geschrieben, aber es soll hier trotzdem noch einmal erwähnt  werden. Wie werden mit dem Thema  der Wiedergeburt die Gemeindeglieder angelogen! Und sie glauben es erst noch, weil keiner mehr sich gemüßigt fühlt, sich eigene Gedanken zu machen. Jeder glaubt sich nach der Bekehrung wiedergeboren und der Sünde abgestorben, sündigt aber weiter. Jeder behauptet dank dieser unglaublich irrigen Lehre, die Welt überwunden zu haben, wird aber zornig wie jeder Weltmensch und ärgert sich wie vor seiner angeblichen Wiedergeburt.

Warum wohl wird nicht die volle Wahrheit gepredigt? Warum sollen die Menschen glauben, sie hätten bei der Bekehrung schon das Ziel erreicht? Die Bekehrung ist die Erweckung des Geistes im Herzen, die Wiedergeburt ist die Vollendung, wenn der Geist Gottes die reine Seele ganz durchdringen und erfüllen kann. Wer am Ziel ist, rennt nicht mehr. Er strengt sich nicht mehr an. Wozu auch? Wer allein kann ein Interesse haben an dieser gefälschten Lehre? Gott? Oder der Teufel? Ich denke, die Antwort ist klar. Er ist ein Lügner und der Löwe, der umherschleicht und sucht, wen er verschlingen könne.

So ist es auch mit der Seligkeit. Die Kirchen lehren, dass jeder, der glaubt, selig ist. Der Glaube genügt, und dann ist man selig. Ob man diese Seligkeit spürt oder nicht, spielt ja keine Rolle. Hauptsache ist, Du glaubst, dass Du selig bist! Nun, das ist ja klar, mit diesem zweckdienlichen Evangelium, das heute gepredigt wird, kann ja niemand eine Seligkeit verspüren – deshalb ist der Glaube daran wieder angebracht!

Allein auf Grund dieser Lehre "Glaube ohne Werke" haben wir diesen Missstand in den Gemeinden. Diese Gemeinden sollten wieder unterschieden werden können von einem weltlichen Gesangsverein. Es sollen Gemeinden sein, wo die Kranken gesund werden. Gemeinden, wo es keine Demenz, keine Depressiven mehr gibt. Gemeinden, wo nicht der Geist der Furcht, sondern der (ehrlichen, nicht gespielten) Freude herrscht. Gemeinden, wo die Sünde angeprangert und bekämpft wird. Gemeinden, wo die Glieder Fremdlinge in dieser Welt sind. Gemeinden, welche ein festes Bollwerk, ein Fels in der Brandung darstellen und Gemeinden, der die Verfolgung durch die Welt lieber ist als deren Gleichschaltung!

Es muss wieder ein Geist der Kraft herrschen. Eine Kraft gegen die Lauheit. Um zu predigen und zu lehren brauchen wir Männer, welche an sich selbst arbeiten, welche die Welt und ihre Reize und die eigenen Lüste verachten, Männer die reine und wahre Seelen und Herzen haben. Männer, in denen Christus sichtbar geworden ist.

Wo sind sie?





Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.