Mittwoch, 29. Februar 2012

Der Handel im natürlichen und Geistigen Leben


Wie der Handel im natürlichen Leben funktioniert, muss ja nicht speziell beschrieben werden. Den kennen wir alle. Es ist ein Nehmen und Geben (Reihenfolge beachten!) in derselben Beziehung. Für denselben Handel, an denselben Geber einer Sache geben wir einen Gegenwert. Unabhängig, ob der Gegenwert gerechtfertigt ist oder nicht. Zuallererst aber liegt der Fokus beim Nehmen. Ist es ein Bedarfsgut, ein Gegenstand der einem unserer Sinne schmeichelt oder eine mehr oder weniger nötigen Dienstleistung, immer steht das Nehmen (Haben müssen) im Vordergrund. Das Geben des Gegenwertes steht dann an zweiter Stelle. Der Käufer hat einen Bedarf, entweder zum Überleben, einen durch die Begierden des Fleisches oder einen durch die Werbung geweckten, der Verkäufer hat den Bedarf am Gegenwert, dem Geld. Dass bei vielen Verkäufern (Handel, Produktionsbetriebe) das Geld für sie tausendmal wichtiger ist als der verkaufte Gegenstand für den Kunden, ersehen wir darin, dass Qualität und Preis immer seltener im Einklang stehen. Vor allem von Produktionsgütern aus dem fernen Osten zu europäischen Marktpreisen, ist Wucher vom grössten Ausmass. Auch hier in Brasilien ist dasselbe zu erkennen. Form und Design, bei den Nahrungsmitteln, deren Verpackung und der Geschmack der Produkte sind für den Handel wichtig, der Rest nur Kostenverursachung. Der industrielle Handel basiert heute auf reinem Wucher und Betrug, das Geld ist die einzige Motivierung.

Beim Handel (also der Handänderung einer Ware) im geistigen Leben sieht das alles ganz anders aus. Ein Weltmensch, der vom Leben im Geist nichts weiss, kann das zwar nicht gutheissen, weil er dies nicht verstehen kann. Dieser Handel besteht einseitig nur aus dem Geben, nach dem Nehmen wird nicht gefragt! Noch einmal: das kann nur bei Menschen funktionieren, welche ein Leben im Geist führen und deshalb im natürlichen Leben einen grösstmöglichen Konsumverzicht üben. Sie haben durch konsequente und geübte Enthaltsamkeit ihre leiblichen und seelischen Bedürfnisse auf ein absolutes Mindestmass heruntergeschraubt, so dass sie alleweil immer mehr haben, als sie selbst brauchen. Sie leben also stets im Überfluss! Das Ganze ist somit eine reine Frage des persönlichen Bedürfnisses. Bei einem Geistmenschen sind diese Bedürfnisse naturgemäss allein auf das  Überleben des Leibes ausgerichtet, sonst könnte er ja nicht ein vom Geist Gottes geführtes Leben führen! Dabei basiert dieses Leben nicht auf Askese, sondern ganz einfach darauf, dass alles Überflüssige, was nicht zum Überleben nötig ist, eine reine Belastung darstellt.

Mit dieser neuen Lebenseinstellung ist es keine Überwindung mehr, etwas herzugeben das man "besitzt", sondern eine Entlastung. So ist es gemeint, wenn Jesus sagt „Geben ist seliger als nehmen“. Wir geben dann nicht mehr aus einem gesetzesmässigen Druck, also deshalb, weil Gott das von uns erwartet, sondern weil der Geist Gottes in unserem Innern uns von all dem entlasten will, was wir nicht benötigen oder wir mit Freude dem Nächsten eine Wohltat gönnen wollen.

Das schönste und segensreichste Geben ist dann die anonyme Form. „Die Rechte weiss nicht was die Linke tut“. Das ist dann so, wie alle alles Überflüssige auf den Altar Gottes legen und Gott selber verteilt es dann nach Seinem Gutdünken und nach Seinem Willen. Für den Beschenkten ist dann das Nehmen von Sachen und auch von Dienstleistungen ein Nehmen aus der Hand Gottes. Wenn wir etwas benötigen steht das in keiner direkten Beziehung zu einem vorherigen bestimmten Geben. In der Praxis ist es dann so, dass Brüder und Schwestern die ein Geistiges Leben führen, ja nur das tun, wozu sie vom Geist geführt werden. Ist der Geist Gottes in uns frei, kann Er diese Form der Nächstenliebe im reinen Geben leben. Bei Bedarf wird dann uns das gegeben, was  wir benötigen und von Gott erbitten haben.